Charles Edward Stuart

Bonnie Prince Charlie – Young Pretender

Charles Edward Stuart wurde am 31. Dezember 1720 in Rom geboren. Er war der Sohn eines exilierten Thronanwärters und versuchte die Herrschaft des Hauses Stuart über Großbritannien wiederherzustellen.

Bonnie Prince Charlie Portrait
Charles Edward Stuart – „Bonnie Prince Charlie“ gemalt von Allan Ramsay um 1745. (gemeinfrei)

1745 segelte der „junge Thronwärter“ mit nur sieben Begleitern nach Schottland. Nach anfänglichen Misserfolgen konnte er die MacDonalds auf seine Seite ziehen. Die Organisation der schottischen Clans führte anschließend zur rasanten Mobilisierung einer Armee von Highlandern.

Der gut aussehende Prinzregent der Stuarts wurde dann als „Bonnie Prince Charlie“ zum Anführer des Zweiten Jakobitenaufstandes. Die vergleichsweise träge Reaktion der britischen Armee in der Anfangsphase begünstigte mehrere Siege.

Mit diesem Rückenwind marschierte Bonnie Prince Charlie anschließend gen Süden. Für einen Angriff auf London rechnete er sowohl mit der Unterstützung englischer Jakobiten wie auch mit einer Streitkraft aus Frankreich. Beides blieb aus.

Dafür verlagerte die britische Armee erfahrene Kampftruppen von kontinentalen Schauplätzen auf die Hauptinsel. Der junge Thronanwärter zog sich daraufhin nach Schottland zurück und erlitt in der Schlacht bei Culloden eine vernichtende Niederlage.

Bonnie Prince Charlie konnte sich der Gefangenschaft jedoch entziehen und verbrachte die folgenden Monate in diversen Verstecken. Trotz eines sehr hohen Kopfgeldes wurde er auf der Flucht nicht verraten. Letztlich musste er sich ins Exil zurückziehen und sah Britannien nie wieder.

Charles Edward aus dem Haus der Stuarts

Die „Stewarts“ entstammten einer bretonische Adelsfamilie. Sie kamen im Zuge der normannischen Invasion durch Wilhelm den Eroberer nach Britannien. Der älteste Nachweis bezieht sich auf einen Alain und stammt aus dem Jahr 1086.

Aufstieg der schottischen „Stewarts“

Im 12. Jahrhundert erhielten die Stewarts vom schottischen König David I. einige Ländereien. Außerdem gründeten sie mit der Hilfe von cluniazensischen Mönchen die Abtei von Paisley, wo beispielsweise William Wallace ausgebildet wurde.

Schlacht von Bannockburn
Karte der Schlacht von Bannockburn im Jahr 1314 (Urheber: Andrei Nacu / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Nur wenige Jahrzehnte später wurden die Stewarts zu einer treibenden Kraft des Zweiten Schottischen Unabhängigkeitskrieges. Der Clan gehörte in dieser Zeit zum engsten Umfeld von Robert the Bruce.

Walter Stewart hatte in der Schlacht von Bannockburn den nominellen Befehl über einen Schildtron auf dem linken Flügel. Tatsächlich lag das Kommando allerdings bei dem erfahrenen James Douglas, dem Lord of Douglas.

Der junge Walter Stewart wurde nach dem Sieg dennoch zum Ritter geschlagen. Außerdem heiratete er die Tochter von diesem König Robert I. und zeugte mit ihr den späteren Monarchen Robert II. von Schottland.

Im 16. Jahrhundert heiratete dann die berühmte Maria von Schottland den französischen König und wandelte die Schreibweise von Stewart in „Stuart“ um. Seitdem ist sie auch besser bekannt als Maria Stuart.

Mit dem Tod von Königin Elisabeth I. im Jahr 1603 endete die Zeit der Tudors. Der damals in Schottland regierende Jakob Stuart wurde dann als Ur-Ur-Enkel von Heinrich VII. zum ersten Vertreter der neuen Dynastie auf dem englischen Thron.

Act of Settlement von 1701

Mit der Ernennung von Jakob I. Stuart beziehungsweise englisch James I. im Jahr 1603 kam es erstmals zur Personalunion an der Spitze der beiden Königreiche. Die Dynastie herrschte dann für mehr als einhundert Jahre.

Das 17. Jahrhundert war jedoch eine sehr turbulente Zeit mit tiefen Zäsuren wie der Herrschaft von Oliver Cromwell als Lord Protector. Wenige Jahrzehnte danach kam es dann noch zur Glorious Revolution und der Verabschiedung der Bill of Rights im Oktober 1689.

Seitdem waren die englische Könige nur noch „King-in-Parliament“. Das heißt, dass die Macht und die Souveränität sich immer stärker vom Königtum hin zum Parlamentarismus verlagerte.

Diese inneren Konflikte gingen aber auch auf die religiösen Spannungen zwischen den „Papisten“, den Anhängern der römischen Kirche, und den Protestanten zurück. Deshalb wurde im Jahr 1701 ein Gesetz zur Regelung der Thronfolge im Parlament verabschiedet.

In diesem „Act of Settlement“ wurden quasi mit dem Rasenmäher alle katholischen Anwärter ausgeschlossen. Für das traditionell römisch orientierte Haus Stuart bedeutete das der formale Ausschluss von der Thronfolge.

Eine besondere Ausnahme war Anne Stuart, die aus persönlichen Gründen bereits vorher zum Protestantismus konvertiert war. Sie bestieg dann als letzte Vertreterin der Dynastie im Jahr 1702 den englischen Thron.

Erster Jakobitenaufstand von 1715

Nach dem kinderlosen Tod von Anne am 01. August 1714 wurde ein hannoveranischer Welfe als Georg I. zum neuen König auf der Insel. Der legendäre Premierminister und Literaturnobelpreisträger Winston Churchill beschrieb im 20. Jahrhundert die Stimmung jener Tage:

„Man traf wirksame Maßnahmen zur Sicherung der hannoverschen Thronfolge. Man entsandte Boten in alle Himmelsrichtungen, um jeden Beamten und jeden Offizier auf seinen Posten zu rufen. Die Flotte wurde unter dem Kommando eines Whigs, des Earl of Berkeley, mobilisiert und erhielt den Befehl, im Kanal zu patrouillieren und die französischen Häfen zu beobachten. Zehn Bataillone wurden aus Flandern zurückgerufen. Die Garnisonen wurden bewaffnet, und die Miliz alarmiert. Man erinnerte die Holländer an ihre Vertragspflichten. Alles war gerüstet, um die Thronbesteigung des Kurfürsten von Hannover als Georg zu sichern. […] Als Königin Anne am 1. August um halb acht Uhr ihren letzten Atemzug tat, stand fest, dass es keinen Papismus, keine umstrittene Thronfolge, keine französischen Bajonette und keinen Bürgerkrieg geben würde.“

James Francis Edward Stuart
James Francis Edward Stuart – „The Old Pretender“ – gemalt von Alexis Simon Belle um 1712 (gemeinfrei)

Der Vater von Bonnie Prince Charlie hatte nämlich bereits ab 1707 versucht, sich mit Hilfe einer französischen Flotte gegen die protestantische Anne durchzusetzen. Seine Landung in Schottland scheiterte jedoch.

Dieser James Francis Edward Stuart, den man auch als älteren Thronanwärter beziehungsweise „Old Pretender“ kennt, versuchte ein Jahr später sein Glück erneut.

Die Jakobiten in Schottland konnten zunächst auch einen kleineren strategischen Sieg in der Schlacht bei Sheriffmuir in der Nähe von Stirling erringen.

Aber James Francis Edward Stuart erkrankte bald darauf und der französische König, sein Unterstützer, verstarb. Der erste Aufstand der Jakobiten gegen die Herrschaft der Welfen fiel deshalb schnell in sich zusammen.

Jugend von Bonnie Prince Charlie

Charles Edward Stuart wurde im römischen Exil geboren. Seine Feinde nannten ihn später deshalb abfällig „Italiener“.

Als Erbe des Hauses Stuart genoss er jedoch eine hervorragende Erziehung und lernte mehrere Sprachen. Bereits als junger Teenager nahm er am Polnischen Erbfolgekrieg teil und sammelte erste militärische Erfahrung.

Im Dezember 1743 wurde er von seinem Vater zum Prinzregenten ernannt. Damit erhielt Bonnie Prince Charlie die Autorität, im Namen des Vaters und für das Haus Stuart zu sprechen.

In der Folge warb Bonnie Prince Charlie finanzielle Mittel bei Sympathisanten seiner Dynastie ein. Damit rüstete er in Frankreich zwei kleine Kriegsschiffe aus, um nach Schottland zu segeln.

Zweiter Jakobitenaufstand von 1745/46

Im Zuge des Österreichischen Erbfolgekrieges um die Rolle von Maria Theresia plante Frankreich eine Invasion von Großbritannien bereits für das Jahr 1744.

Das Vorhaben konnte jedoch nicht realisiert werden. Preußen war unter der Führung von Friedrich dem Großen nach dem Erhalt von Schlesien vorläufig aus dem Krieg ausgeschieden, wodurch sich die Situation zu Lasten von Frankreich verschob.

Der junge Charles Edward Stuart rüstete daraufhin kurz entschlossen zwei eigene Schiffe aus. Mit nur sieben Begleitern ging er an der schottischen Westküste bei Moidart an Land.

Freundschaft mit Ranald MacDonald

Bei Glenfinnan errichtete der junge Thronanwärter ein Lager und versuchte zunächst vergeblich, Anhänger um sich zu scharen. Eigentlich sollte er auch Hilfe von der französischen Flotte erhalten, diese wurde in einem Sturm jedoch beschädigt.

Bonnie Prince Charlie
Bonnie Prince Charlie als Anführer im Zweiten Jakobitenaufstand (gemeinfrei)

Als entscheidend erwies sich seine Bekanntschaft aus früheren Jugendtagen mit dem Sohn des Clanchefs der MacDonalds. Der Vater selbst verweigerte sich zwar einer Beteiligung am Aufstand von Bonnie Prince Charlie.

Er ließ seinen Erben Ranald MacDonald jedoch gewähren. Dieser mobilisierte kurzerhand etwa 250 Clankrieger und rief weitere Highland-Clans zum Kampf auf.

Sie zogen zunächst nach Dundee und waren bei ihrer Ankunft bereits eine Kolonne von 500 Kämpfern. Die Nachricht von der Rebellion fiel bei den Highlandern auf einen fruchtbaren Boden.

Es entstand eine sehr dynamische Welle der Begeisterung. Innerhalb von kürzester Zeit sammelte sich so eine Streitkraft, die lokalen Regierungstruppen überlegen war.

Besetzung von Edinburgh (17.09.1745)

Am 17. September 1745 marschierte Bonnie Prince Charlie mit 3.000 Mann in Edinburgh ein. In der Stadt waren zwei Regimenter an Dragonern stationiert, die sich kampflos zurückzogen. Nur die Besatzung der Burg leistete Widerstand.

Der regionale Oberbefehl lag bei General Sir John Cope, der vier Regimenter an Infanterie aus Aberdeen heranzog und mit den Dragonern vereinte. Insgesamt verfügte er über etwa 2.300 Mann sowie sechs Geschütze.

Aber die erfahrenen britischen „Rotröcke“ standen zu diesem Zeitpunkt in Belgien. Die Territorialtruppen in Schottland waren vergleichsweise schlecht ausgebildet und ausgerüstet.

Schlacht bei Prestonpans (21.09.1745)

Bei Prestonpans am Südufer des Firth of Forth trafen Sir John Cope und seine kleine Armee schließlich auf 2.500 Schotten unter dem Befehl von Bonnie Prince Charlie.

Schlacht von Prestonpans Verlauf
Karte der Schlacht von Prestonpans am 21. September 1745 (Urheber: Hoodinski / CC-BY-SA 3.0)

Der britische General wusste offenbar um die geringe Kampfkraft seiner Soldaten und schlug sein Nachtlager in der landschaftlichen Deckung eines Sumpfes auf.

Die hochmotivierten Highlander fanden in der Nacht vom 20. auf den 21. September 1745 jedoch einen Weg durch das unwegsame Gelände. Sie fielen noch in der Dunkelheit mit ihren Breitschwertern über die Regierungstruppen her.

Die feindliche Artillerie wurde sofort ausgeschaltet. Daraufhin verfielen auch die Dragoner in Panik und flohen vom Schlachtfeld.

Die vier Regimenter an Infanterie wurden im Nahkampf aufgerieben. Die Aufständischen um Bonnie Prince Charlie verloren in dieser Schlacht nur etwa einhundert Mann durch Verwundung und Tod.

Viele Überlebende der kleinen Armee von Sir John Cope gerieten in Gefangenschaft. Anschließend fiel praktisch ganz Schottland an die Jakobiten. Lediglich die Festungen von Edinburgh und Stirling wurden noch von Regierungstruppen verteidigt.

Marsch der Schotten gen London

Im November 1745 marschierte Bonnie Prince Charlie mit 6.000 Schotten nach Süden und nahmen Carlisle ein. Von dort zogen sie weiter bis zur Swarkestone Bridge über den Trent.

Doch entgegen aller Hoffnungen gab es praktisch keine Unterstützung für Bonnie Prince Charlie durch englische Jakobiten. Auf Anraten seines Umfeldes zog sich die Armee der schottischen Clans deshalb wieder in den Norden zurück.

Schlacht von Falkirk (17.01.1746)

Nach der schmachvollen Niederlage bei Prestonpans hatte General Henry Hawley den regionalen Oberbefehl über die britischen Regierungstruppen erhalten. Bei Falkirk traf er mit 7.000 Soldaten auf eine deutlich kleinere Armee von Bonnie Prince Charlie.

Schlacht bei Falkirk 1746 Karte
Karte der Schlacht bei Falkirk am 17. Januar 1746 (Urheber: Hoodinski / CC-BY-SA 3.0)

Die Highlander stellten sich mit etwa 5.000 Mann zum Kampf in einer Ebene auf. Obwohl seine überlegene Artillerie in dem sumpfigen Gelände stecken blieb, befahl der britische General der Kavallerie den Angriff.

Die schottischen Jakobiten behaupten jedoch ihre Position gegen diesen Angriff von drei Regimentern an Dragonern. Deren Reihen lösten sich auf und sie zerstörten dabei auch die Ordnung der nachrückenden Infanterie.

Die Schlacht dauerte nur etwa 20 Minuten und endete mit einem überraschenden Sieg für Bonnie Prince Charlie. Der Aufstand der Jakobiten erhielt jedoch nur einen Aufschub von einigen Monaten.

Schlacht von Culloden (16.04.1746)

Trotz des Sieges bei Falkirk war die militärische Perspektive niederschmetternd. Außerdem verschlechterte sich die Versorgung der kleinen Armee. In der Folge desertierten viele Highlander.

Im April 1746 marschierte nun eine kampferprobte Armee von etwa 9.000 Mann gegen Bonnie Prince Charlie. Die Streitkräfte trafen beim Moor von Culloden östlich von Inverness aufeinander.

Schlacht von Culloden Gemälde
Die Schlacht von Culloden gemalt von David Morier im Jahr 1746. (gemeinfrei)

Eine Besonderheit war, dass zur Armee des britischen Generals Cumberland auch einige Regimenter an regierungstreuen Schotten gehörten. Er kannte deshalb die Kampfweise der Highlander und insbesondere den gefürchteten Sturmangriff, den Highland Charge.

Die britischen Rotröcke waren deshalb gedrillt, im Nahkampf mit ihren Bajonetten nicht den Gegner direkt vor sich, sondern den rechts anzugreifen. Damit umging man den Schild und war sehr viel effektiver.

Die Schlacht bei Culloden begann dann mit dem überlegenen Feuer der britischen Artillerie. Als Reaktion ließen Bonnie Prince Charlie und seine Kommandeure die Schotten angreifen.

Die ersten Linie der Infanterie von Cumberland brach sogar unter dem Highland Charge. Aber die zweite Linie hielt. Parallel umging die Kavallerie die Schotten und fiel ihnen in den Rücken.

Das Gefecht dauerte wohl nur etwa 25 Minuten. Die Jakobiten hatten mit etwa 1.250 Toten mehr als viermal so viele Verluste zu beklagen.

Nach der Schlacht von Culloden kam es zu schweren Übergriffen. Zunächst ließ Cumberland alle gefangenen und verwundeten Highlander hinrichten. Anschließend zogen die britischen Soldaten plündernd und vergewaltigend bis tief in das schottische Hochland.

Flucht und Exil von Prince Charlie

Bonnie Prince Charlie flüchtete noch während der Schlacht von Culloden. Die folgenden Monate zog er von Versteck zu Versteck durch Schottland. Seine wichtigste Beschützerin war ein junge Schottin namens Flora MacDonald.

Bonnie Prince Charlie Monument
Das Monument bei Glenfinnan in Gedenken an Bonnie Prince Charlie und den Zweiten Jakobitenaufstand (Foto: Antony McCallum / CC-BY-SA 3.0)

Die Regierung setzte ein Kopfgeld in Höhe von 30.000 Pfund auf ihn aus. Bonnie Prince Charlie wurde dennoch nicht verraten und konnte sich letztlich nach Frankreich absetzen.

Sein späteres Leben war jedoch von persönlichem Verfall geprägt. Er begann exzessiv zu trinken, wurde sehr streitbar und suchte das schnelle Glück in den Armen von diversen Geliebten.

Bonnie Prince Charlie verstarb dann 1788 in Rom. Seine sterblichen Überreste wurden zwei Jahrzehnte später in den Petersdom überführt, wo er neben seinem Vater und seinem Bruder ruht.

In Schottland wird er jedoch bis heute als Nationalheld verehrt. Im Jahr 1815 wurde bei Glenfinnan ein Monument für Bonnie Prince Charlie errichtet.

Der Turm ist 18 Meter hoch und kann bestiegen werden. Auf der Spitze thront die Statue des „Unbekannten Highlanders“.