Heiliges Römisches Reich (HRR)

Heiliges Römisches Reich (HRR)

Das Heilige Römische Reich (HRR) war das Gebiet der deutschen Könige und Kaiser vom Hochmittelalter bis zum Jahr 1806. Die Territorien bestanden vor allem aus deutschen Gebieten wie auch aus Regionen in Italien. Zeitweise gehörte Burgund ebenfalls zum Imperium Romanum Sacrum.

Seit Konrad II. wurden römisch-deutsche Kaiser meist mit Reichskrone gekrönt.
Krone des Heiligen Römischen Reiches (pixabay)

Das Heilige Römische Reich war zunächst aus dem östlichen Teil des fränkischen Reiches hervorgegangen. Dieses hatte sich nach der endgültigen Teilung im Jahr 843 n. Christus gebildet.

Unter der Herrschaft von Otto I. dem Großen wurde im Jahr 962 n. Christus wieder an die Tradition der Kaiserkrönung angeknüpft. Als symbolische Verbindung mit dem antiken Römischen Reich wurde dessen Name dann übernommen.

Doch erst Kaiser Friedrich I. Barbarossa entwickelte die zusätzliche Bezeichnung als „Heiliges Römisches Reich“. Er nutzte diese Formulierung als politischen Kampfbegriff in einer Auseinandersetzung mit dem Papst.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam mit „deutscher Nation“ zeitweise eine weitere Ergänzung hinzu. Doch erst die Historiker des 19. Jahrhunderts nutzten vermehrt die Titulierung als Heiliges Römisches Reich deutscher Nation.

Das Heilige Römische Reich deutscher Nation war jedoch kein früh-deutscher Nationalstaat. Es gab kein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Es gab auch keine gemeinsame Sprache oder gemeinsames Recht. Die Bevölkerung war auch nicht direkt dem Kaiser, sondern vielmehr ihren Landesherren untertan.

Auch war das Heilige Römische Reich kaum handlungsfähig. Wie bereits das alte Rom litt dieses Großreich ebenfalls an einer imperialen Überdehnung. Eine Expansion oder auch nur gezielte Kriegsführung war seit der frühen Neuzeit kaum noch möglich.

Vielmehr war das Heilige Römische Reich beispielsweise während des 30-jährigen Krieges ein Spielball internationaler Interessen. Sowohl der Auslöser wie auch die lange Fortdauer des Konfliktes waren entscheidend vom Einfluss der Franzosen und Spanier geprägt.

Den Ansturm von Napoleon Bonaparte und seiner Grande Armée konnte das Heilige Römische Reich dann nicht mehr abwehren. Am 2. Dezember 1805 erlitt das Imperium in der Schlacht von Austerlitz seine letzte große Niederlage.

Am 6. August 1806 legte Kaiser Franz II. aus dem Haus Habsburg die Reichskrone nieder. Damit war das Heilige Römische Reich endgültig erloschen.

Entstehung des Heiligen Römischen Reiches

Um 800 n. Christus bedeckte das fränkische Reich wesentliche Teile von Zentral-Europa. Doch das fränkische Erbrecht sah eine Beteiligung aller Erben vor. Dies führte wiederholt zu Teilungen, in deren Anschluss das Reich jedoch mehrmals wieder zueinander fand.

Beispielsweise teilte der Vater von Karl dem Großen das Reich. Seine beiden Söhne, Karl und Karlmann, erhielten je einen Teil der Territorien. Karlmann verstarb jedoch früh, so dass es im Jahr 771 n. Christus zu einer dieser Wiedervereinigungen des Reiches kam.

Teilung des Frankenreiches (843)

Doch die Macht und der Einfluss der herrschenden Karolinger ließ nach ihrem Zenit auch schnell wieder nach. Nach dem Tod von Ludwig dem Frommen im Jahr 843 n. Christus kam es mit dem Vertrag von Verdun zur endgültigen Teilung der fränkischen Großmacht.

  • Westfrankenreich
  • Lothringen
  • Ostfrankenreich

Ludwig der Deutsche wurde in der Folge der erste König des ostfränkischen Reiches. Aus diesen Gebieten ging im Laufe der Zeit dann das Heilige Römische Reich hervor.

Schlacht auf dem Lechfeld (955)

Das Heilige Römische Reich litt in seiner Frühphase unter den Angriffen der Ungarn. In großer Zahl fielen sie als berittene Bogenschützen ein. Die deutschen Stämme waren lange Zeit militärisch unterlegen und mussten deshalb auch hohe Tribute entrichten.

Doch unter König Heinrich I. dem Vogler behauptete man sich im Jahr 933 in der Schlacht von Riade erstmals gegen die Ungarn. Aber erst unter seinem Sohn Otto konnte sich das junge Reich dauerhaft gegen die berittenen Bogenschützen wehren.

Am 10. August 955 führte Otto I. der Große etwa 10.000 Panzerreiter in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn. Die Männer stammten aus:

  • Baiern (3.000 Mann)
  • Böhmen (1.000 Mann)
  • Franken (1.000 Mann)
  • Sachsen (3.000 Mann)
  • Schwaben (2.000 Mann)

Entscheidend für den Ausgang der Schlacht war ein plötzliches Sommergewitter bedingt durch die Hitze des August. Die Nässe des Regens wirkte sich dann sehr negativ auf die Spannkraft der ungarischen Kompositbögen aus. Damit verlor die primäre Bewaffnung der Ungarn entscheidend an Schlagkraft.

Über den genauen Verlauf der Schlacht auf dem Lechfeld ist jedoch nur wenig bekannt. Die deutschen Panzerreiter siegten dank des Regens jedoch wohl gegen eine zahlenmäßige Übermacht der Ungarn. Dies trug sehr zur Legendenbildung bei. Die Schlacht auf dem Lechfeld wurde so zum Gründungsmythos des Heiligen Römischen Reiches.

Die Schlacht auf dem Lechfeld wurde jedoch auch aufgrund des Nachspiels zum militärischen Desaster für die Angreifer. Fliehende Reiter wurden im Nachgang noch an Flussübergängen oder ähnlichen Engpässen von lokalen Kämpfern attackiert. Dabei wurden auch die Kommandeure der Ungarn gefangen genommen.

Gründung als „Heiliges Reich“

Im 12. Jahrhundert waren die Staufer das regierende Königshaus im Heiligen Römischen Reich. Diese Phase war von schweren Konflikten mit dem Papsttum geprägt.

Auf dem Hoftag von Besançon im Oktober 1157 versuchte der Papst gegenüber Barbarossa eine listige Formulierung zu etablieren. Seine Gesandten bezeichneten vor den versammelten deutschen Adligen die Kaiserwürde als „beneficium“.

Dieser lateinische Begriff war jedoch doppeldeutig. Es konnte sowohl „Wohltat“, aber auch „Lehen“ bedeuteten. In diesem Zusammenhang waren die Worte des Papstes jedoch nur so zu interpretieren, dass er sich als Lehensherr des Kaisers positionieren wollte.

Doch Friedrich I. Barbarossa konterte nun ebenso offensiv mit der Rede vom „Imperium Sacrum“, vom Heiligen Reich. Er als Kaiser eines heiligen Reiches war wiederum nicht von der Heiligkeit des Papstes abhängig.

Dieser diplomatische Konflikt wurde später friedlich beigelegt. Doch die Bezeichnung als Heiliges Römisches Reich etablierte sich. Späteren Päpsten war diese Angriffsfläche dauerhaft genommen.

Heiliges Römisches Reich deutscher Nation

Das Heilige Römische Reich des Mittelalters war bereits von einer imperialen Überdehnung gezeichnet. Das heißt, dass die Verwaltung und Durchsetzung der Herrschaft von der Größe des Reiches behindert wurde.

Vor allem der Gegensatz der italienischen und der nord-alpinen Regionen führte zu zahlreichen Konflikten. Zu Beginn der Neuzeit bemühten sich die Habsburger deshalb um Reformen des monströsen Staates.

Reichsreform des Heiligen Römischen Reiches

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts versuchte Kaiser Maximilian I. die Zentralgewalt zu stärken. Dafür fand er Unterstützung bei den großen Reichsstädten und den Reichsrittern.

Dem standen jedoch die Reichsfürsten als hohe Aristokratie gegenüber. Diese versuchten die Macht des Kaisers auch weiterhin zu beschränken. Die Einführung einer eigenständigen Reichssteuer, des Gemeinen Pfennigs, als zentrale Bestrebung der Reformen blieb deshalb auch nur eine kurze Episode.

Dennoch konnten sich von den Reformen ab 1495 einige Punkte langfristig erhalten. Diese verbesserten die Steuerung des Heiligen Römischen Reiches etwas:

  • Ewiger Landfriede – Aufhebung des Fehderechts der Ritter
  • Reichskammergericht – Oberster Gerichtshof des Heiligen Römischen Reiches
  • Reichskreise – Übergeordnete territoriale Verwaltungseinheiten

Doch zu Beginn des 16. Jahrhunderts setzte auch die Reformation ein. Das Heilige Römische Reich stürzte anschließend in eine tiefe konfessionelle Krise. Diese Konflikte bestimmten die kommenden etwa 150 Jahre bis zum Westfälischen Frieden von 1648.

Reformation und Deutscher Bauernkrieg

Die Dekadenz der römischen Kirche hatte bereits im 10. Jahrhundert mit der Reform von Cluny zu einer großen Gegenbewegung durch Mönche geführt. Zu Beginn der Neuzeit hatten die alten Zustände jedoch längst wieder Einzug gehalten.

Unter Papst Leo X. kam es schließlich zur Eskalation. Dieser hatte den Verkauf von Sünden-Ablässen immer stärker voran getrieben, um seinen ausschweifenden Lebensstil und den Bau des Petersdoms im Vatikan zu finanzieren.

Zahlreiche Kleriker wie Martin Luther und Thomas Müntzer formierten zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen Widerstand. Sie stellten nicht nur Thesen auf. Auch die Bibel wurde ins Deutsche übersetzt und konnte nun von einfachen Leuten gelesen werden. Das Monopol der häufig korrupten Priester auf die heilige Schrift war gebrochen.

Im Jahr 1524 schlossen sich tausende Bauern in Mittel- und Süd-Deutschland zusammen. Gemeinsam starteten sie den Aufstand des Gemeinen Mannes.

Sie zogen plündernd und brandschatzend umher. Dabei standen sie häufig sogar unter der Führung von niederen Adligen wie Florian Geyer oder dem Götz von Berlichingen.

Doch die Fürsten des Heiligen Römischen Reiches schlossen sich in einem Bund zusammen. Gemeinsam stellten sie ein professionelles Heer auf. Dieses bestand zu großen Teilen aus schwerer Kavallerie, die den bäuerlichen Milizen weit überlegen war.

Unter dem Befehl des Truchsess Georg von Waldburg-Zeil, dem Bauernjörg, wurden die Aufgebote der Bauern vernichtend geschlagen. Nach zahlreichen Massakern endete der Deutsche Bauernkrieg im Sommer 1525.

30-jähriger Krieg und Westfälischer Friede

Die konfessionellen Spannungen prägten jedoch weiterhin die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Am 23. März 1618 erfolgte nach einer eigentlich recht unbedeutenden Szene eine erneute Eskalation der Gewalt.

In Prag wurde die Gesandtschaft des katholischen Kaisers Ferdinand II. nach einem Disput aus dem Fenster geworfen, der sogenannte Prager Fenstersturz. Eine solche Defenstration war ein regionales Mittel der Rechtspflege und es wurde auch niemand verletzt.

In der kaiserlichen Hauptstadt Wien nahm man diese Aktion sogar mit einem gewissen Humor auf. Ein beteiligter Sekretär wurde mit einem Augenzwinkern geadelt und nannte sich fortan Philipp Fabricius von Rosenfeld und „Hohenfall“.

Doch der Kaiser aus dem österreichischen Haus Habsburg sah die Chance, seinen Einfluss zu erweitern. Er wandte sich an seinen Verwandten, die spanischen Habsburger.

Diese stellten ihm Truppen und Geldmittel, um den Einfluss der Protestanten zurückzudrängen. Kaiserliche Einheiten marschierten daraufhin nach Böhmen. Dazu gehörte auch bereits ein Kontingent des Albrecht von Wallenstein. 1620 kam es dann zur Schlacht am Weißen Berg. Das Gefecht endete mit einem eindeutigen Sieg der Katholiken.

Dieser mit äußerer Hilfe begonnene Krieg hätte zu diesem Zeitpunkt entschieden sein können. Doch die protestantischen Niederländer griffen nun ebenfalls in die Geschehnisse im Heiligen Römischen Reich ein.

Ein kritische Wendung nahmen die Ereignisse durch die folgende Intervention des katholischen Frankreich. Kardinal Richelieu ließ dem protestantischen Schwedenkönig Gustav II. Adolf große Summen für eine Beteiligung am Konflikt zukommen. So sollte das konkurrierende Spanien zurückgedrängt werden.

Damit war das Heilige Römische Reich zum Austragungsort von Stellvertreterkriegen anderer europäischer Mächte geworden. Die Konsequenz war ein 30-jähriger Krieg auf deutschem Boden.

Der Westfälische Friede von 1648 beendete deshalb schließlich nicht nur einen militärischen Konflikt. Vielmehr wurde erstmals eine internationale Ordnung geschaffen.

Türken belagern Wien (1683)

Die Schwäche des Heiligen Römischen Reiches wurde von den aufstrebenden Osmanen genutzt. Sie drangen über den Balkan vor und standen im Jahr 1683 vor der kaiserlichen Hauptstadt Wien.

Der Großwesir Kara Mustafa belagerte mit etwa 120.000 Mann die Stadt. Die Verteidigungsanlagen waren zu diesem Zeitpunkt sehr weit entwickelt und entsprachen den neuesten Erkenntnissen der Festungstechnik.

Dennoch konnten sich die Türken vor Wien mit Hilfe von Gräben bei der Belagerung weit vorarbeiten. Schließlich gelang sogar die Unterminierung der Mauerwerke. Die Stadt stand kurz vor dem Fall.

Die Bedrohung durch eine muslimische Armee hatte jedoch zu einem Bündnis zahlreicher christlicher Fürsten aus dem Heiligen Römischen Reich geführt. Sie wurden auch vom polnischen König unterstützt.

  • Bayern
  • Baden
  • Sachsen
  • Österreich
  • Polen
  • Kirchenstaat
  • Venedig

Gemeinsam stellten sie eine Entsatzarmee auf. Das deutsch-polnische Heer traf gerade noch rechtzeitig ein. Am 12. September 1683 formierten sich etwa 80.000 Mann im Morgengrauen auf einer Anhöhe vor der Stadt.

In der Schlacht am Kahlenberg konnte dann diese breite Allianz die Türken besiegen. Dies wurde die zweite große Schlacht, die das Heilige Römische Reich mythisch umwehte.

Dennoch verlor das Reich immer mehr an Bindungskraft. Hintergrund für diesen Zerfall war der steigenden Antagonismus der beiden größten Territorialmächte im Reich.

Dualismus von Österreich und Preußen

Im Heiligen Römischen Reich waren das Erzherzogtum Österreich und das Königreich Preußen zu den größten Mächten herangewachsen. Als souveräne politische Entitäten verfolgten sie ihren eigenen Ziele, die sich kaum noch mit den Interessen des Reiches vereinbaren ließen.

Unter König Friedrich II. von Preußen kam es schließlich sogar zum 7-jährigen Krieg von 1756 bis 1763. Das Heilige Römische Reich war erneut Schauplatz eines großen militärischen Konfliktes ohne selbst ein entscheidender Akteur zu sein.

Der Dualismus von Österreich und Preußen fand erst in den Koalitionskriegen gegen die Franzosen ab 1792 ein vorübergehendes Ende. Doch die Mächte des Heiligen Römischen Reiches hatten Napoleon lange Zeit nichts entgegen zu setzen.

Niederlegung der Reichskrone (1806)

Nach den zahlreichen Niederlagen gegen die Grande Armée war der Titel als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches praktisch hinfällig.

Im Jahr 1806 entschied sich der letzte Kaiser Franz II. von Österreich zur Niederlegung der Reichskrone. Damit war das Heilige Römische Reich offiziell aufgelöst.