Sir Henry Morgan

Sir Henry Morgan – englischer Freibeuter

Über die Herkunft von Henry Morgan ist wenig bekannt. Er gab 1635 als sein Geburtsjahr an und stammte wohl aus einer walisischen Gegend zwischen Cardiff und Newport.

Englische Freibeuter in der Karibik
Henry Morgan – „Chefadmiral der karibischen Freibeuter“ (pixabay)

Der familiäre Hintergrund von Henry Morgan kann jedoch nicht ganz eindeutig geklärt werden. Man weiß auch nicht, wie es ihn in die Karibik verschlug. Dort entwickelte er sich jedoch schnell zu einem berüchtigten Freibeuter, der seine englischen Kaperbriefe gerne nach Gutdünken interpretierte.

Als charismatischer Anführer gelang ihm bereits früh die Organisation von eigenen Raubzügen. Dabei nutzte er die kleine Île à Vache südlich von Haiti als Drehscheibe für seine Abenteuer. Die Insel ist durch gefährliche Riffe geschützt und bot den Piraten vor allem auch Süßwasser.

Henry Morgan war sehr um seine Attraktivität als Auftraggeber für karibische Freibeuter bemüht. Zu diesem Zweck ließ er den „Piratencodex“ entwickeln. Dabei handelte es sich um eine Art von Sozialversicherung für Piraten, in deren Rahmen jedoch auch die Verteilung der Beute und Mitbestimmungsrechte geregelt wurden.

„Henry bittet zum Rendezvous.“

Als selbsternannter „Chefadmiral aller Bukaniersflotten und Generalissimo der vereinigten Freibeuter von Amerika“ konnte Henry Morgan bis zu 1.800 Mann auf 36 Schiffen mobilisieren. An der Spitze dieser Streitmacht gelang sein vermeintlich größter Coup, die Plünderung von Panama-Stadt im Jahr 1671.

In wirtschaftlicher Hinsicht war die Aktion jedoch wohl eher ein Reinfall. Überhaupt wird die tatsächliche Bedeutung von Henry Morgan in populären Publikationen gerne stark übertrieben. Im Gegensatz zu dem Freibeuter Sir Francis Drake hatten seine Aktionen kaum Bedeutung für das Ringen der Großmächte England und Spanien.

Außerdem hatte England zum Zeitpunkt der Plünderung von Panama bereits Frieden mit Spanien geschlossen. Deshalb wurde Henry Morgan nach seiner Rückkehr auf Jamaika verhaftet und nach London gebracht.

Doch der Pirat saß nicht lange im Gefängnis. Er wurde schnell begnadigt und anschließend sogar zum Ritter geschlagen. Fortan trug der Freibeuter den Namen Sir Henry Morgan. Des Weiteren ernannte man ihn zum Vizegouverneur von Jamaika.

In offizieller Funktion entwickelte sich der Pirat nach und nach zu einem gefürchteten Jäger der Bukaniere und brachte frühere Weggefährten an den Galgen. Doch Sir Henry Morgan war zeitlebens auch ein starker Trinker. Im fortschreitenden Alter kam neben dem Alkoholismus noch ein schlechtes Gewissen wegen seiner zahllosen Greueltaten hinzu.

Sir Henry Morgan spendete schließlich aus Reue große Teile seines Vermögens an die Kirche. Am 25. August 1688 verstarb er auf Jamaika gegen 11 Uhr morgens. Als mögliche Todesursache stehen wahlweise Tuberkulose, Syphilis oder Leberversagen im Verdacht.

Aber Henry Morgan ist als Pirat eine sehr populäre Figur geworden. Bis heute wird sein Leben auch bei nichtigen Anlässen mit der Rumsorte „Captain Morgan“ exzessiv gefeiert.

Chefadmiral und Generalissimo der Bukaniere

Über die Jugend von Henry Morgan liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Es ist auch nicht bekannt, wie es ihn in die Karibik verschlug.

Doch auf Jamaika angekommen, beteiligte er sich ab 1665 an den Raubzügen der englischen Freibeuter gegen die Spanier. Im Gegensatz zu seinen Kameraden verprasste Henry Morgan die Beute jedoch nicht in den Kneipen und Bordellen der Karibik-Insel.

Stattdessen nutzte er seine Einnahmen als Startkapital für den Aufbau seiner Selbstständigkeit. Bereits nach drei Jahren hatte Henry Morgan die Mittel, um eigene Unternehmungen zu starten.

Bukaniere – Piraten von Tortuga

Zur Zeit von Henry Morgan wurde die karibische See von den sogenannten Bukanieren oder auch Buccanieren heimgesucht. Der Begriff bedeutet übersetzt soviel wie „Fleischräucherer“, aber wurde in der Folge zum Sammelbegriff für alle Arten von Piraten.

Ursprünglich waren die Bukaniere jedoch siedelnde Jäger aus Frankreich, die auf Hispaniola lebten. Sie nutzten einen speziellen Grill mit niedriger Flamme, um geschossene Tiere zu zubereiten. Daher kam dann auch der Name.

Ungefähr um 1630 wurden die Bukaniere von den Spaniern auf die Insel Tortuga im Norden von Haiti verdrängt. Doch dort konnten sie sich festsetzen. Vor Ort erhielten die Bukaniere dann viel Zulauf von weiteren Franzosen, aber auch Holländern und Engländern.

Aus den Jägern wurden die Brüder der Küste. Als Piraten griffen sie mit kleinen wendigen Schiffen die schweren Galeonen der Spanier an. Anschließend brachten sie ihre Beute ins englische Port Royal auf Jamaika.

Für etwa 50 Jahre wurden die Bukaniere von den Engländern toleriert und teilweise sogar aktiv gefördert. Neben der Ausstellung von Kaperbriefen entsandte die englische Krone mit Christopher Myngs beispielsweise auch einen Marine-Offizier, um die Piraten zwischenzeitlich aktiv zu führen. Die Blütezeit der Bukaniere endete sogar erst 1717, als England eine Generalamnestie gewährte.

Île à Vache – die Schatzinsel

Henry Morgan entdeckte mit der Île à Vache südlich von Haiti einen idealen Standort für die Planung seiner Unternehmungen. Von dort aus gab er die Parole aus, um die Bukaniere zu rufen: „Henry bittet zum Rendezvous.“

Die Insel ist durch gefährliche Riffe sehr gut geschützt, so dass sie dort vor Angriffen sicher waren. Außerdem finden sich auf der Île à Vache ein großer Süßwasser-See für die Wasserversorgung sowie Nutztiere.

Die zahllosen Höhlen auf der Île à Vache waren darüber hinaus bestens als Versteck für Schätze geeignet. Auf der Insel konnten sich die Piraten deshalb auch für lange Zeiträume aufhalten und wilde Orgien feiern.

Angriff auf Portobelo 1668

Im Frühjahr 1668 konnte Henry Morgan 500 Freibeuter mobilisieren, die auf vier Schiffen und acht Schaluppen verteilt waren. Mit dieser Meute griff er die spanische Hafenstadt Puertobelo im heutigen Panama an.

Portobelo war eine Schlüsselstation für den Export von erbeuteten Edelmetallen wie Gold und Silber aus Süd-Amerika. Doch die Spanier verschifften auch Perlen, Edelsteine, Edelhölzer, Indigo und Kakao.

Die Güter wurden entweder aus dem Hinterland über Karawanen oder mit Hilfe von Küstenseglern herbeigeschafft. Portobelo diente dabei als Umschlagplatz für den Transport über den Atlantik. Deshalb wurde der Hafen von vier Forts gesichert, in denen insgesamt etwa 600 Spanier stationiert waren.

Doch Henry Morgan entschied sich für einen nächtlichen Angriff über Land. Als Vorwelle schickten die Piraten gefangene Mönche mit Sturmleitern, die so als menschliche Schutzschilde dienten. Davon wurden die Verteidiger völlig überrascht und die Schlacht konnte leicht gewonnen werden.

Bei dem Angriff auf Portebelo von 1668 hatte Henry Morgan einen Kaperbrief von Sir Thomas Modyford bei sich, dem Gouverneur von Jamaika. Damit war er vor einer Strafverfolgung zumindest durch die englischen Behörden geschützt.

Die Beute in Portebelo war schon beträchtlich. Aber Henry Morgan pokerte noch höher. Er drohte den spanischen Behörden in Panama-Stadt, die karibische Hafenstadt Portobelo gänzlich zu vernichten. Dies hätte zu einer langfristigen und sehr teuren Störung der Warenströme geführt.

So erpresste Henry Morgan ein Lösegeld für die Freigabe von Portobelo. Diese Zahlung machte letztlich den größten Teil seiner Gewinne aus.

Raubzüge von Maracaibo und Gibraltar

Nach bewährtem Schema zog Henry Morgan im Jahr 1669 erneut mit 500 Piraten los. Dieses mal lagen seine Ziele weiter östlich am Maracaibo-See im heutigen Venezuela.

Henry Morgan und seine Freibeuter konnten die Städte Maracaibo und Gibraltar plündern. Erneut machten sie große Beute.

Piratencodex des Henry Morgan

Henry Morgan bemühte sich sehr um seine Attraktivität als Auftraggeber. Dafür ließ er wahrscheinlich durch den holländischen Wundarzt Alexandre Olivier Exquemelin einen Piratencodex entwickeln.

Diese Articles of Agreement enthielten dabei ganz unterschiedliche Paragraphen. Teilweise handelte es sich um eine Art von früh-neuzeitlicher Sozialversicherung, aber es wurden auch weitere Fragen geklärt:

  • Demokratische Mitsprache bei der Wahl der Kapitäne wurde geregelt.
  • Die Verteilung der Beute wurde abgesprochen.
  • Die Versorgung bei einer Verwundung wurde geklärt, beispielsweise: „Sie erhalten für den Verlust eines rechten Arms 600 Piaster oder sechs Sklaven, für den Verlust eines linken Arms 500 Piaster oder fünf Sklaven…“

Alexandre Exquemelin war einer der wenigen echten Vertrauten von Henry Morgan. Von ihm stammte auch ein Augenzeugenbericht der Schreckenstaten: „Die Amerikanischen Seeräuber“

Darin wurden Folter und Morde durch die Bukaniere teils sehr genau beschrieben: „Sie drehten ihm einen Strick um den Kopf, schnitten ihm Nase und Ohren ab und hingen ihn an seinem Glied auf.“

Auch auf die Vergewaltigungen von Frauen ging Alexandre Exquemelin ein. Manche überlebten nur durch Gefügigkeit und Henry Morgan beteiligte sich an diesen Übergriffen.

Plünderung von Panama-Stadt 1671

Im Jahr 1671 startete Henry Morgan sein wohl umfangreichstes Unternehmen. Er stellte 1.800 Mann auf, die mit Hilfe von 36 Schiffen die größte und reichste Niederlassung der Spanier in Süd-Amerika plündern sollten – Panama-Stadt.

Henry Morgan musste die Hafenstadt am Pazifik jedoch über den Landweg angreifen. Deshalb führte er seine kleine Streitmacht von einem Landeplatz auf der karibischen Seite in einem neun-tägigen Fußmarsch über den Isthmus von Panama.

Henry Morgan und seine Bukaniere konnten die Spanier dieses mal jedoch nicht so leicht überraschen. Ein Überläufer hatte sie verraten. Erst nach heftigen Kämpfen wurde die Stadt eingenommen.

Doch die Plünderung von Panama-Stadt war weniger ergiebig als erhofft. Ein großer Teil der Schätze war auf Schiffe gerettet worden, die rechtzeitig in den Pazifik ablegen konnten. Noch dazu brach am Tag nach der Besetzung ein Großbrand aus, der nicht mehr zu bändigen war.

Außerdem hatte Henry Morgan nun auch keinen Ansprechpartner für Forderungen nach Lösegeld wie nach der Plünderung von Portebelo. Der vermeintlich größte Coup des Chefadmirals aller Freibeuter war deshalb in wirtschaftlicher Hinsicht wohl eher ein Reinfall.

Die fehlende Beute führte auch zu großen Spannungen unter den Bukanieren. Henry Morgan wurde sogar verdächtigt, Gewinne vor seinen Leuten verheimlicht zu haben.

Verletzung des Vertrages von Madrid

Die Plünderung von Panama-Stadt im Jahr 1671 war jedoch nicht nur ein finanzieller Fehlschlag. Henry Morgan hatte auch Pech mit dem Timing.

Als er nach Jamaika zurückkam, erfuhr er vom Friedensschluss zwischen England und Spanien. Sein Überfall hatte jedoch erst stattgefunden, nachdem dieser Friedensvertrag von Madrid zwischen den Großmächten bereits geschlossen war.

Die englischen Behörden mussten deshalb auf seinen Bruch des Friedensvertrages reagieren. Henry Morgan und Sir Thomas Modyford wurden verhaftet und nach London geschickt.

Doch in England nahmen die Dinge eine glückliche Wendung für den charismatischen Freibeuter. Die britische High Society hatte ihre Freude an dem durchtriebenen und vor allem auch sehr erfolgreichen Piraten.

Henry Morgan wurde im Jahr 1674 nicht nur begnadigt. Vielmehr wurde der Freibeuter vom englischen König sogar zum Ritter geschlagen.

Der Chefadmiral der Freibeuter durfte sich fortan als Sir Henry Morgan bezeichnen. Des Weiteren ernannte man den Oberschurken der Karibik sogar zum Vizegouverneur von Jamaika. Doch damit war nun ein neuer Auftrag verbunden. Fortan war die Bekämpfung und nicht mehr die Förderung der Piraterie seine Aufgabe.

Sir Henry Morgan – Vizegouverneur von Jamaika

Im Jahr 1676 segelte Sir Henry Morgan auf der Jamaica Merchant in Richtung Port Royal. Das Schiff lief allerdings vor der Île à Vache auf ein Riff. Insgesamt war er wohl einfach kein guter Seemann und hatte nun sogar schon zum vierten Mal ein Schiff auf Grund gesetzt.

Sir Henry Morgan installierte Kanonen in Port Royal
Sir Henry Morgan befestigte Port Royal. (pixabay)

Sir Henry Morgan konnte sich jedoch retten. Später wurde ein großer Teil der Waffen und der Munition geborgen. Diese verwendete man für die Bewaffnung von Port Royal.

Die Hafenstadt auf Jamaika wurde zu einem späteren Zeitpunkt noch deutlich stärker ausgebaut. Sir Henry Morgan befürchtete nämlich eine Invasion dieser englischen Basis in der Karibik.

Bekämpfung der Piraterie in der Karibik

Nach seiner Ankunft auf Jamaika begann Sir Henry Morgan jedoch nicht sofort mit der Bekämpfung der Piraten. Vielmehr pflegte er zunächst die alten Beziehungen und investierte sogar in Schiffe seiner früheren Freunde.

Bis 1678 operierten die Bukaniere dann mit Kaperbriefen des französischen Gouverneurs von Tortuga. Dafür wurde Sir Henry Morgan schließlich sogar vor dem Parlament von Jamaika angeklagt.

Überhaupt entwickelte sich Sir Henry Morgan auf Jamaika zu einem Wirbelsturm der Kommunalpolitik. Zahlreiche Feindschaften und Intrigen prägten seine Zeit als Politiker auf der Karibik-Insel.

Von besonderer Bedeutung war beispielsweise Sir Thomas Lynch. Dieser amtierte dreimal als Gouverneur von Jamaika und gehörte ursprünglich zu den Protektoren der Freibeuter. Doch mit dem politischen Aufstieg von Sir Henry Morgan wurde Lynch zu einem der wichtigsten Konkurrenten.

Fortifikation von Port Royal auf Jamaika

Sir Henry Morgan rechnete ab 1678 mit einer Invasion der inzwischen eher feindlichen gesonnenen Bukaniere. Darüber hinaus war er ab dieser Zeit auch als kommissarischer Gouverneur tätig.

Er ließ deshalb die Befestigung der Stadt verstärken. In diesem Zuge wurde beispielsweise die Zahl der Kanonen von 60 auf 100 Stück innerhalb von nur zwei Jahren erhöht. Die Hafenstadt wurde eine der am besten gesicherten Niederlassungen in der Karibik.

Port Royal ging bis auf das Fort jedoch bei einem Erdbeben im Jahr 1692 unter. Die Reste der Stadt finden sich jedoch heute noch auf dem Grund einer Lagune.

Alkoholismus und Tod im Jahr 1688

Im Jahr 1684 zahlte Sir Thomas Lynch 50.000 Pfund an den englischen König und wurde dafür wieder einmal zum Gouverneur von Jamaika ernannt. Sir Henry Morgan wurde daraufhin seine Position als Stellvertreter aberkannt und er verlor auch seine militärische Befehlsgewalt.

Der alternde Mann nahm die Nachricht sehr schlecht auf und entwickelte sich in der Folge endgültig zum schweren Alkoholiker. Lynch verstarb zwar wenig später und Sir Henry Morgan erhielt wieder eine inoffizielle Führungsrolle auf der Insel.

Aber der ehemalige Chefadmiral der Freibeuter verfiel immer mehr ins Delirium. Der Arzt Sir Hans Sloane diagnostizierte sogar Ödeme. Das sind Einlagerungen von Wasser im Gewebe in diesem Fall aufgrund von starkem Alkoholmissbrauch.

Zugleich wurde ein schlechtes Gewissen aufgrund seiner Greueltaten zum steten Begleiter. In der Hoffnung auf eine Befreiung von dieser seelischen Last spendete Sir Henry Morgan große Teile seines Vermögens an die St. Peters Church.

Dennoch verstarb Sir Henry Morgan am 25. August 1688 als reicher Mann. Er besaß drei Plantagen und etwa 130 Sklaven sowie ein nennenswertes Vermögen in Cash.

Der ehemalige Pirat erhielt in Port Royal ein Staatsbegräbnis mit 22 Salutschüssen. Das entsprach keinesfalls dem üblichen Protokoll und war sogar ein Schuss mehr, als einem fremden Monarchen bei einem Staatsbesuch zu Teil wurde.