Kaiser Konstantin

Kaiser Konstantin I. – 306 bis 337 n. Chr.

Kaiser Konstantin I. wurde nach dem Tod seines Vaters von Soldaten zum Usurpator ausgerufen. Er wurde zwar zunächst von Rom anerkannt, marschierte später dennoch gegen die Hauptstadt. Im Westen des damals schon geteilten Reiches konnte er sich bis 312 n. Christus vollständig durchsetzen. Weitere zwölf Jahre später hatte er sich als Alleinherrscher im ganzen Römischen Reich behauptet.

Schaubild der Tetrarchie von Kaiser Diokletian mit je einem Augustus und einem Caesar für das oströmische und weströmische Reich.
Tetrarchie von Kaiser Diokletian

Konstantin der Große beendete mit seinem Aufstieg die Tetrarchie. Er zwang aus sehr egoistischen Motiven dem römischen Imperium einen großen Rückschritt auf und versetzte dem meritokratischen Prinzip des Mehr-Kaisertums den Todesstoß.

Während seiner Regierungszeit erwies sich Kaiser Konstantin als brutaler Machtpolitiker. Er ließ zahlreiche Verwandte ermorden. Nach seinem Tod kam es wegen der ungeklärten Nachfolge dann  zu einem weiteren Blutbad innerhalb der Familie.

Doch Konstantin der Große schaffte es, als der erste Kaiser der Christenheit in die Geschichte einzugehen. Die Glaubensgemeinschaft war damals noch eine kleine und verfolgte Sekte. Sie machten nur etwa 5 % der Bevölkerung aus.

Durch zahlreiche Maßnahmen im Bereich der Religionspolitik sowie durch symbolische Gesten prägte er den Begriff der konstantischen Wende und wurde zum kaiserlichen Förderer der jungen Kirche. Für die orthodoxe Kirche ist er sogar ein Heiliger.

In der historischen Betrachtung ist Kaiser Konstantin I. jedoch fern ab von den Idealen eines Christen. Er ließ sich auch erst auf dem Totenbett taufen. Vielmehr glaubte Konstantin an eine monotheistische Strömung, die in militärischen Kreisen sowie im hohen Adel bereits seit langer Zeit existierte.

Es war ein militaristischer Glaube an einen unbesiegbaren Sonnengott – Sol Invictus. Dieses Konzept des Sol Invictus „dockte“ an zahlreiche bestehende Glaubenskonzepte an. Es konnte auf den griechisch-römischen Gott Apollon (Licht, Heilung, Weissagung) genauso angewendet werden wie auf den persischen Mithras (Sonne) oder eben den Gott der Christen.

Herkunft und Werdegang

Der junge Konstantin kam in Serbien auf die Welt. Das genaue Alter des späteren Kaisers ist jedoch nicht bekannt. Er wurde irgendwann zwischen 270 und 288 n. Christus geboren und war der Sohn von Constantius I., einem Kaiser während der Vier-Kaiser-Zeit.

Constantius I. war zunächst ein Junior-Kaiser, ein „Caesar“. Dann war er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 306 n. Christus ein Senior-Kaiser, ein „Augustus“. Als solcher herrschte er über den westlichen Teil des Römischen Reiches.

Die Mutter – Helena – des späteren Kaisers Konstantin I. spielt eine große Rolle für die christliche Mythologie. Sie wird als „Stallwirtin“ von einfacher Herkunft beschrieben. Jedoch handelt es sich dabei wahrscheinlich um eine irrtümliche Interpretation des Postens.

Es ist nämlich sehr gut möglich, dass sich diese Bezeichnung auf ein Amt ihres Vaters in der öffentlichen Verwaltung bezieht. Demzufolge war Helena möglicherweise doch von hoher Geburt.

Konstantin hatte das militärische Talent seines Vaters geerbt. Dieser hatte unter Aurelian eine sehr erfolgreiche Karriere als Offizier absolviert. Er hatte es bis zum Präfekten der Prätorianer gebracht, bevor er politische Bedeutung erlangte. Der Sohn hingegen diente als Militärtribun an der Donau und zeichnete sich in Kämpfen gegen die Sarmaten aus.

Nach dem freiwilligen Machtverzicht von Diokletian im Jahr 305 n. Christus und der geordneten Übergabe der Macht als Augustus an Constantius I. war dieser für die Sicherung des Westens zuständig. Als planmäßige Amtszeit an der Spitze des Staates im Rahmen des Vier-Kaiser-Systems waren 10 Jahre vorgesehen.

In dieser Zeit waren es vor allem die Pikten und Skoten, die in Nord-England für Unruhe sorgten. Deshalb hielt sich Constantius in York auf. Dorthin kam auch Konstantin.

Konstantin I. – Usurpator im Westen

Doch bereits im Jahr 306 n. Christus verstarb der Vater kurz nach einem erfolgreichen Feldzug gegen die Eindringlinge. Eigentlich hätte der verstorbene Senior-Kaiser des Westens nun im Rahmen des Vier-Kaiser-Systems durch einen Junior-Kaiser ersetzt werden müssen. Die eigentliche Machtbasis im Reich bildeten jedoch nach wie vor die römischen Legionen.

Die Soldaten hatten jedoch wenig übrig für formale Regelungen der Nachfolge. Sie waren in ihrer Loyalität auf einzelne Generäle eingeschworen. Von diesen waren sie auch ökonomisch abhängig. Diese vergüteten die Treue oftmals mit großzügigen Geschenken.

Nach dem Tod des Vaters war es deshalb für Konstantin möglich, sich im Jahr 306 n. Christus im fernen York von seinen Legionen zum Kaiser ausrufen zu lassen. Die moderne Forschung sieht es auch als naheliegend an, dass bereits Constantius I. das Mehr-Kaiser-System gezielt unterwanderte und seinen Sohn als Nachfolger aufbaute.

Selbstverständlich blieb das Verhalten des jungen Kaisers Konstantin nicht ohne Gegenreaktion von anderen Kaisern. Zunächst suchte man durch Absprachen die Situation gütlich zu regeln. Dabei konnte sich der junge Usurpator auch eine rechtliche Stellung erkämpfen, die ihn offiziell als Kaiser legitimierte.

Dies war für Konstantin I. politisch außerordentlich wertvoll, da seine Machtergreifung von den anderen Parteien nachträglich legalisiert wurde. Doch die Lage blieb gespannt, weil der junge Aufsteiger letztlich keinerlei Kompromissbereitschaft zeigte. Vielmehr nutzte er die Zeit zur Konsolidierung seines Herrschaftsgebietes in Britannien, Gallien, Germanien und Spanien.

Kaiser Konstantin erobert Rom

Kaiser Konstantin erblickte in seiner Vision das Christogramm. Es steht als Kürzel für Jesus Christus.
Kaiser Konstantin sah in seiner Vision das Christogramm

Die Spannungen mit dem legitimen Kaiser Maxentius in Rom eskalierten schließlich. Konstantin I. marschierte aus seinem Herrschaftsgebiet gegen die Hauptstadt. Diese hatte erst ca. 30 Jahre zuvor eine imposante Stadtmauer erhalten – die aurelianische Mauer.

Am Abend vor dem Angriff hatte Kaiser Konstantin jedoch eine Vision. Ihm wurde offenbart, dass er im Zeichen des Kreuzes über Maxentius siegen würde. Überzeugt von der Macht des Sol Invictus ließ er sich von seiner Wahrnehmung leiten und befahl seinen Soldaten, das Christogramm auf die Schilde zu malen.

Doch Maxentius entschied aus unerfindlichen Gründen, den Ansturm von Kaiser Konstantin nicht hinter seinen hohen Wällen zu erwarten. Nachdem der Angreifer bereits die Vorstädte genommen hatte, entschied sich Maxentius für einen Ausfall über die Milvische Brücke.

Nördlich von Rom kam es zur Entscheidung. Doch das Glück wendete sich gegen Maxentius. Er musste mit seinen Soldaten eine improvisierte Holzbrücke überqueren. Doch die Konstruktion brach unter dem Gewicht und Maxentius ertrank in den Fluten des Tiber.

Diese schicksalshafte Wendung im Kampf um Rom überzeugte Kaiser Konstantin I., dass der eine Gott seine Alleinherrschaft wünschte und direkt herbeigeführt hatte. Im Anschluss an die Machtübernahme wurden auch Münzen mit dem Bild des Kaiser sowie der Symbolik der unbesiegbaren Sonne geprägt.

Die römischen Senatoren liefen ebenfalls zu Kaiser Konstantin über. Sie erkannten ihn sofort nach seinem Sieg als Augustus und damit als legitimen Herrscher des westlichen Reiches an. Dafür wurde der eigentlich rechtmäßige, aber jüngst verstorberne Kaiser Maxentius nachträglich verdammt.

Dennoch kam es zu Säuberungsaktionen. Der alte Kaiser war immer von der legendären Prätorianer-Garde geschützt worden. Diese Elite-Einheit war stets eine bedeutende Machtbasis gewesen. Kaiser Konstantin I. löste diesen traditionellen Verband auf. Fast 350 Jahre lang hatte die Einheit den römischen Kaiser geschützt.

Alleinherrscher des Reiches

Konflikt mit Licinius

Doch Kaiser Konstantin hatte immer noch einen Konkurrenten im Reich gegen sich. Licinius, ein Adpotivsohn des früheren Kaisers Diokletian, herrschte im Osten. Er war inzwischen vom Junior-Kaiser, vom Caesaren, zu einem Senior-Kaiser, zum Augustus, aufgestiegen.

Zunächst trafen und arrangierten sich Kaiser Konstantin und Kaiser Licinus. Sie beschlossen zu einer Art der Tetrarchie zurückzukehren. Hierfür erhoben sie jeweils ihre Söhne zu Caesaren. Auch kam es zu einer Heirat zwischen den Familien.

Doch der Frieden sollte nicht lange währen. Vor allem im Balkan kam es vermehrt zu Reibereien. Die Grenzsicherung gegen die eindringenden Goten war eine Streitfrage. Als Kaiser Konstantin I. im Jahr 318 n. Christus in das Hoheitsgebiet von Licinius einmarschierte, um einen Barbaren-Angriff zurückzuwerfen, kam es zum Bruch.

Die PR-Maschine von Kaiser Konstantin funktioniert jedoch sehr viel besser als die seines Kontrahenten. Licinius wurde als Tyrann dargestellt, der die wehrlose Bevölkerung den einfallenden Barbaren ausliefert.

Nur um die Form zu wahren, kam es zunächst noch zum diplomatischen Kontakt. Doch der Bruch war gekommen. Beide Seiten mobilisierten jeweils mehr als 100.000 Mann. Die Truppen bestanden dabei sowohl aus Land- wie aus Seestreitkräften. Im Frühsommer des Jahres 324 n. Christus kam es zum ersten großen Sieg von Kaiser Konstantin über Licinius in Thrakien.

Bis zum Herbst waren auch die Flotten des östlichen Kaisers vernichtet. Zur Entscheidungsschlacht kam es im September 324 n. Christus am Bosporus. Licinius unterlag und ließ sich unter der Versicherung, dass sein Leben geschont werden würde, gefangen nehmen.

Doch Kaiser Konstantin I. brach sein Wort. Er ließ Licinius sowie dessen Erben im drauffolgenden Jahr ermorden. Seiner Alleinherrschaft stand nun nichts mehr im Wege.

Gründung Konstantinopels

Zu den bedeutenden Hinterlassenschaften von Kaiser Konstantin gehört zweifellos die Gründung die Konstantinopels – das heutige Istanbul. Das Reich benötigte nämlich einen neuen Stadtort als Hauptstadt. Die Lage am Bosporus war verkehrstechnisch ideal.

Der große Vorteil war die geografische Nähe zum wohlhabenden Osten des Reiches. Deshalb baute Kaiser Konstantin in seiner neuen Hauptstadt eine umfassende Verwaltungsstruktur auf. Selbst eine Kopie des römischen Senats wurde eingerichtet. Diese war jedoch hierarchisch dem Original in der alten Hauptstadt untergehört.

Konstantin und das Christentum

Während seiner Regierungszeit erließ Kaiser Konstantin auch zahlreiche Gesetze zu Gunsten der Christen. Ursprünglich hatte es sich noch um Regeln zur Tolerierung gehandelt, da die Anhänger des Jesus von Nazaret zuvor intensiv verfolgt wurden.

Kaiser Konstantin I. setzte nicht nur reichsweit den Verfolgungen ein Ende. Nach seiner Machtergreifung im Jahr 324 n. Christus bekannte er sein Interesse an der Glaubensströmung immer offener. Er wurde zum Förderer des Kultes.

Diese gesamte Entwicklung wird auch als konstantische Wende bezeichnet, da sich die Religionspolitik des Reiches um 180-Grad wendete. Außerdem distanzierte sich Kaiser Konstantin auch sehr symbolisch im Rahmen eines Triumphzuges von den alten heidnischen Kulten.

In dieser Phase entwickelte sich Kaiser Konstantin sogar zum Machtfaktor und Mediator bei inner-christlichen Konflikten. Wenige Jahrzehnte zuvor hatte sich nämlich eine häretische Gruppe in Afrika von der Glaubensgemeinschaft abgespaltet – die Donatisten.

Die Einheit und das Fortbestehen der Kirche waren gefährdet. Diese Gefahr für das junge Christentum konnte Kaiser Konstantin durch sein Eingreifen jedoch bannen. Außerdem begleitete er das erste Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Christus und schlichtete in theologischen Fragen.