Geschichte der Taktik (11) – Die Prätorianer-Garde

Prätorianer – Garde der Kaiser

Die Prätorianer-Garde bildete eine Elite-Einheit innerhalb der römischen Armee. Ihr Auftrag war der Schutz des Kaisers. Zu diesem Zweck war die Einheit von Kaiser Augustus gegründet worden.

Der junge Augustus rief die Prätorianergarde ins Leben
Der junge Kaiser Augustus (pixabay)

Bis zur kurzzeitigen Auflösung durch Septimius Severus bildeten die Prätorianer einen exklusiven Verband innerhalb der römischen Armee. Die Mannschaften waren vom schweren Dienst der römischen Legionäre befreit und dafür besser trainiert.

Darüber hinaus erhielt ein Angehöriger der Prätorianer anderthalbfachen Sold und höhere Geldgeschenke – die donativa. Bei der Verabschiedung in den Ruhestand bekamen sie noch 20.000 Sesterze und etwas Land.

Über ihre Tätigkeit als Beschützer des römischen Kaisers hinaus bewährten sich die Prätorianer auch bei zahlreichen Feldzügen. Im Feld wurden sie als reguläre Einheiten eingesetzt und waren beispielsweise in die Dakerkriege unter Kaiser Trajan eingebunden.

Die Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312 n. Christus war dann das letzte Gefecht der Prätorianer. Sechs Jahre zuvor hatten sie den später unterlegenen Maxentius zum Kaiser erhoben. Der in der Schlacht siegreiche Konstantin I. kannte kein Erbarmen mit der Einheit und löste die Prätorianer auf.

Die Überlebenden des letzten Gefechtes wurden in entfernte Winkel des Reiches versetzt. Das legendäre Lager der Prätorianer an der aurelianischen Stadtmauer, die Castra Praetoria, wurde zerstört.

Vorgänger der kaiserlichen Prätorianer

Die kaiserliche Prätorianer-Garde hatte zwei bedeutende Vorgänger-Organisationen. Diesen verdankte die Einheit neben Traditionen auch den Namen.

Liktoren der römischen Republik

In der alten römischen Republik wurden die gewählten Amtsträger von den Liktoren beschützt. Bei dieser Vorgänger-Organisation der Prätorianer-Garde handelte es sich noch um eine eher polizeiliche Schutztruppe.

Die Liktoren stellten nämlich auch ein Symbol für die Amtsgewalt der zu beschützenden Person. Je nach der Stufe in der Ämterlaufbahn variierte deshalb die Zahl der zugeteilten Liktoren:

  • Diktator: 24 Liktoren
  • Konsul: 12 Liktoren
  • Prätor: 6 Liktoren

Die Magistrate der Plebejer erhielten diese Personenschützer jedoch nicht. Aber bedeutende Priester hatten einen solchen Anspruch:

  • Flamen Dialis: 1 Liktor
  • Vestalin: 1 Liktor

Als besonderes Zeichen ihrer Autorität trugen die Liktoren ein Bündel von Ruten und darin eingewickelt eine Axt bei sich. Mit den Ruten konnten sie eine Person verprügeln und mit der Axt konnten sie töten. Es war ein Symbol für die Macht über Leben und Tod.

Ein solches Rutenbündel mit einer Axt wurde als Fascis bezeichnet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts griffen die Rechtsextremen in Italien den Begriff wieder auf. Unter der Führung von Benito Mussolini erhoben sie sich als die „Faschisten“ und versuchten das römische Imperium erneut auferstehen zu lassen.

Cohors Praetoria der Feldherrn

Mit der Cohors Praetoria kannte die alte römische Republik eine Garde-Einheit, die dem Schutz von Feldherrn diente. Die ältesten Belege gehen auf das Jahr 275 v. Christus zurück.

Auf diese Herkunft geht auch der Name der Prätorianer zurück. Sie schützten das Zelt des Kommandanten – das Praetorium.

Bei der Cohors Praetoria handelte es sich jedoch noch nicht um einen stehenden Verband. Vielmehr wurden für einen Feldzug einige Soldaten dafür abgestellt, den Befehlshaber zu schützen. Diese hatten sich in der Regel durch besondere Treue für eine solche Position ausgezeichnet.

Erst unter Scipio dem Jüngeren wurde aus diesen Prätorianern erstmals ein fester Verband gebildet. Dieser umfasste etwa 500 Mann, die sowohl aus Berittenen wie auch aus Fußsoldaten bestanden.

Gründung der Prätorianer-Garde

Die Cohors Praetoria als stehende Formation innerhalb einer römischen Armee wurde von zahlreichen Feldherren übernommen. Darunter fanden sich auch zwei dominierende Figuren des Bürgerkrieges in der Mitte des 1. Jahrhunderts:

Als junger Mann hatte Octavian deshalb sowohl Eindrücke von der zivilen wie auch von der militärischen Garde sammeln können. Nach seiner Erhebung zum ersten römischen Kaiser verschmolz er die beiden Vorgänger-Organisationen zu einer neuen, stehenden Einheit.

Die Hauptaufgabe dieser kaiserlichen Prätorianer-Garde war die Patrouille im Palast sowie in wichtigen Regierungsgebäuden. Zu diesem Zweck rief Kaiser Augustus zunächst neun Kohorten ins Leben.

Diese Prätorianer-Kohorten bestanden aus 500 oder 1.000 Mann. Darüber hinaus wurden noch einige berittene Einheiten mit je 30 Mann aufgestellt.

Im Laufe der Jahrhunderte wuchs der personelle Bestand jedoch immer wieder stark an oder wurde teils auch sehr beschnitten. Den personellen Zenit erreichte die Prätorianer-Garde nach den Eingriffen durch Septimius Severus mit insgesamt deutlich mehr als 10.000 Mann.

Soldaten in der Hauptstadt

Als Kaiser Augustus die Prätorianer-Garde gründete, fasste er nicht nur bestehende Schutztruppen unter einem neuen Dach zusammen. Er übertrug auch einige der Sonderrechte auf die neue Einheit und ihre Angehörigen.

Von besonderer Bedeutung war, dass eigentlich die Konvention herrschte, dass keine Legionen in Italien stationiert werden. Dieser Konsens sollte einer politischen Übermacht des Militärs vorbeugen.

Die Prätorianer wurden deshalb anfangs dezentral um Rom herum stationiert. Darüber hinaus galt zunächst die Regel, dass nicht mehr als drei Prätorianer-Kohorten zugleich innerhalb der Hauptstadt sein durften.

Den Status als einzige militärische Einheit in Rom wurde den Prätorianern erst 193 n. Christus von Septimius Severus genommen. Sie wurden damals durch Angehörige der Donau-Legionen ersetzt.

Zwei Präfekte für die Prätorianer

Bei der Gründung der Prätorianer-Garde war es dem jungen Kaiser ein besonderes Anliegen, den Eindruck einer militärischen Gefahr durch die Soldaten in der Hauptstadt zu vermeiden.

Dies spielte sich vor dem Hintergrund eines Jahrhunderts der Bürgerkriege und politischen Verfolgungen ab. Deshalb wurde der Oberbefehl über die Prätorianer-Garde auf eine Doppelspitze verteilt.

Die alten Römer hatten über eine lange Zeit hinweg sehr positive Erfahrungen mit solchen Regelungen gesammelt. Es gab beispielsweise auch immer zwei Konsuln in der Republik. Nach diesem Vorbild wurden bereits in der Frühphase zwei Posten für Prätorianer-Präfekten geschaffen.

Die Position eines Prätorianer-Präfekten stand nur den Angehörigen des Standes der römischen Ritter offen. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelten die Inhaber machtvolle Rollen im Staat.

Besonderheiten der Prätorianer

Auswahl und Training

Ursprünglich rekrutierte man die Prätorianer nur im zentralen Italien. Später wurde dieser enge geographische Kreis auf das römische Spanien, Makedonien und das Noricum im heutigen Österreich erweitert.

Weitere Voraussetzungen für den Dienst als Prätorianer waren:

  • Sehr gute körperliche Form
  • Hohe persönliche Moral
  • Respektabler Familienhintergrund

Im Gegensatz zu den regulären Truppen der römischen Armee mussten die Prätorianer keinen schweren Dienst tun. Das heißt, sie waren beispielsweise von Bau-Tätigkeiten freigestellt und mussten auch keine Latrinen reinigen.

Deshalb hatten die Prätorianer mehr Zeit für Kampftraining. Besondere Leitsätze oder Trainingsmethoden sind jedoch nicht überliefert. Im Feld waren sie anderen Einheiten der Armee gleichgestellt und verfügten über kein spezielles taktisches Profil.

Man kann jedoch spekulieren, ob die teils polizeilichen Aufgaben der Prätorianer wie Crowd-and-Riot-Control in der Ausbildung berücksichtigt wurden. Im dritten Jahrhundert waren sie unter Maximinus Thrax beispielsweise an schweren Straßenschlachten mit Zivilisten beteiligt.

Doch mit der Niederlage der Prätorianer-Garde gegen Septimius Severus gegen Ende des 2. Jahrhunderts hatte sich auch der Charakter der Einheit verändert. Zunächst wurde das Personal durch Angehörige der Donau-Legionen ersetzt.

Aber die Prätorianer-Garde verlor zum Ende des 2. Jahrhunderts auch ihre Exklusivität. In der Folge konnten sich nun alle Legionäre und schließlich alle kaiserlichen Soldaten für den Dienst in dieser Einheit bewerben.

Ausrüstung und Bewaffnung

Die Ausrüstung und Bewaffnung eines Prätorianers entsprach dem Material eines römischen Legionärs. Nur beim Brustpanzer verfügten sie über eine zweite Ausführung und es gab noch weitere Abweichungen bei der Farbgebung.

Die Prätorianer hatten für ihren Dienst in der Stadt einen prunkvollen Harnisch. Dieser war auch für öffentliche Anlässe geeignet. Im Feld tauschten sie ihn jedoch gegen eine schmucklose Ausführung.

Außerdem waren bei den Prätorianern die Abzeichen auf die Schilde gemalt. Das stellte eine Besonderheit in der römischen Armee dar und unterstrich den repräsentativen Charakter.

Ära des Lucius Aelius Seianus

Bei der Gründung der Prätorianer-Garde war die Doppelspitze zur inneren Kontrolle eingeführt worden. Dieser Mechanismus versagt jedoch bereits nach wenigen Jahrzehnten als der ehrgeizige Aufsteiger Lucius Aelius Seianus, ein Günstling von Kaiser Tiberius, im Jahr 14 n. Christus zum Präfekten der Prätorianer ernannt wurde.

Die Ernennung war höchst problematisch, weil der Vater des Seianus als zweiter Präfekt eingesetzt wurde. Darüber hinaus ernannte man den Senior zugleich auch zum Präfekten von Ägypten, so dass er Rom umgehend verließ.

Die militärische Macht der Prätorianer-Garde konzentrierte sich daraufhin in den Händen von Lucius Aelius Seianus. Weil die Garde auch den persönlichen Zugang zum Kaiser kontrollierte, entwickelte sich ihr Präfekt bald zum bedeutenden Strippenzieher.

Errichtung der Castra Praetoria

Zum großen Einschnitt kam es im Jahr 20 n. Christus, als Tiberius den Bau eines befestigten Lagers für die Prätorianer genehmigte. Das Gelände war einer der höchsten Punkte im damaligen Rom. Bis heute gibt dieses Lager dem Stadtteil Castro Pretorio seinen Namen.

Damit wurde nicht nur mit der Tradition einer entmilitarisierten Hauptstadt gebrochen. Die Prätorianer entwickelten sich zu einem schlagkräftigen Verband, der in kurzer Zeit in voller Stärke eingesetzt werden konnte.

Verschwörung des Präfekten

Im Jahr 31 n. Christus kam es schließlich zu einer tatsächlichen oder auch vermeintlichen Verschwörung des Lucius Aelius Seianus. Sicher ist jedoch, dass der Kaiser nicht einmal mehr den einfachen Prätorianern vertraute.

Der Kaiser ließ den Präfekten seiner Prätorianer-Garde deshalb durch Quintus Naevius Macro, den Kommandanten der Stadtwache (vigiles), verhaften.

Der römische Senat verurteilte Seianus und seine Familie daraufhin zum Tode. Dafür vergewaltigten Soldaten noch die junge Tochter des Präfekten. Im alten Rom galt es als nämlich als Unrecht, Jungfrauen zu töten.

Seianus wurde anschließend zusammen mit seiner Familie auf der Gemonischen Treppe beim Carcer Tullianus, dem Staatsgefängnis, hingerichtet. Die Gebeine stellte man öffentlich zu Schau.

Doch die Machtfülle der Prätorianer sowie ihr Einfluss auf den Alltag des Kaisers hatten sich gefestigt. Quintus Naevius Macro wurde zum neuen Prätorianer-Präfekten ernannt, wie eine gefundene Inschrift belegt:

„Q(uintus) Naevius Q(uinti) f(ilius) Fab(ia) Cordus Sutorius Macro praefectus vigilum praefectus praetorii Ti(beri) Caesaris Augusti testam[e]nto dedit.“

Das fatale Erbe des Lucius Aelius Seianus wurde anschließend nicht nur von Macro, sondern von zahlreichen Nachfolgern gepflegt. Doch die Verschwörung des ehrgeizigen Präfekten legte auch die inneren Spannungen zwischen Mannschaften und Führungsebene der Prätorianer offen.

Prätorianer und die große Politik

Die Prätorianer-Garde spielte immer wieder einen entscheidenden Einfluss auf die Politik. Diese Möglichkeiten ergaben sich aus zwei Quellen:

  • Die Kaiser waren von der Zustimmung durch das Militär abhängig. Die Präfekten der Prätorianer-Garde waren aufgrund ihrer persönlichen Nähe deshalb häufig das Sprachrohr aller Streitkräfte.
  • Die Prätorianer waren jedoch auch Herr über das Leben der Kaiser. In einer Reihe von Fällen spielten die Gardisten diesen Trumpf auch tatsächlich aus.

Einen Einfluss auf die Tagespolitik hatten die römischen Prätorianer in aller Regel jedoch nicht.

Morde an Kaisern

Aufgrund ihrer Nähe zum Kaiser waren vor allem die Präfekten der Prätorianer-Garde selbst immer wieder in Anschläge verwickelt. In ihrer etwa 350-jährigen Geschichte hat die Garde sogar eine ganze Reihe an Kaisern ermordet:

  1. Caligula († 41 n. Chr.)
  2. Galba († 69 n. Chr.)
  3. Pertinax († 193 n. Chr.)
  4. Elagabalus († 222 n. Chr.)
  5. Pupienus († 238 n. Chr.)
  6. Balbinus († 238 n. Chr.)
  7. Probus († 282 n. Chr.)
  8. Carus († 283 n. Chr.)
  9. Numerian († 284 n. Chr.)

Erhebungen von Kaisern

Die Prätorianer haben im Laufe von mehr als drei Jahrhunderten auch zahlreiche Kaiser erhoben. Besonderes bekannt sind der erste und der letzte Fall:

  • Kaiser Claudius wurde 41 n. Christus umgehend nach dem Mord an seinem Vorgänger erhoben. Dabei handelte es sich um eine spontane Aktion, die vor allem einen Widerspruch innerhalb der Garde offenbarte. Die Präfekten zogen nämlich einen anderen Kandidaten vor. Sie konnten sich gegen ihre Untergebenen jedoch nicht durchsetzen.
  • Kaiser Maxentius wurde von den Prätorianern im Jahr 306 n. Christus in Rom als Usurpator zum Kaiser ausgerufen. Er herrschte sechs Jahre lang und führte sie dann in die fatale Niederlage in der Schlacht bei der Milvischen Brücke. Dieses Gefecht besiegelte das Schicksal der Einheit.

Prätorianer als Kaiser

Die einflussreiche Position des Präfekten der Prätorianer ermöglichte einigen Personen sogar den Sprung bis an die Spitze des Staates. Das bekannteste Beispiel ist Kaiser Diokletian. Doch der ehemalige Kommandant der Prätorianer-Garde erwies sich als ein weiser Herrscher. Er brachte dem Reich etwas Stabilität und Gewaltenteilung.