Evangelist Lukas

Lukas – Apostelschüler und Evangelist

Laut den frühen Kirchenvätern stammte der Evangelist Lukas aus Antiochia im Süden der heutigen Türkei. Er hatte einen heidnischen Hintergrund und soll Arzt gewesen sein. Über seine Konvertierung ist jedoch nichts bekannt. Das biblische Symbol von Lukas ist ein Stier.

Basilika Santa Giustina vermeintliche Grablege des Evangelisten Lukas
Die vermeintliche Grablege des Evangelisten Lukas in Padua (pixabay)

Die frühen Christen haben den Evangelisten Lukas mit einem langjährigen Begleiter und Mitarbeiter des Apostels Paulus gleichgesetzt. Dieser Lukas folgte dem Völkerapostel auf seiner zweiten Missionsreise und später auch bis nach Rom.

Deshalb nimmt der Evangelist Lukas für die Gläubigen eine Doppel-Funktion ein. Er ist sowohl Autor wie auch Gegenstand von heiligen Texten. Vereinzelt wird Lukas deshalb auch zum erweiterten Kreis der 70 Jünger Jesu gezählt.

In drei Paulusbriefen wird von ihm berichtet:

  • 1. Paulusbrief an die Kolosser
  • 2. Paulusbrief an Timotheus
  • Paulusbrief an Philemon

Es soll sich bei ihm nicht nur um den Verfasser des Lukasevangeliums handeln. Das ist das dritte der kanonisierten Evangelien des Neuen Testamentes (NT). Dem Gelehrten wird auch die Autorenschaft der Apostelgeschichte zugeschrieben. Das ein weiteres Buch der christlichen Bibel.

Die neuere Forschung bestreitet jedoch, dass es sich bei dem Begleiter des Apostels und bei dem Evangelisten um ein und dieselbe Person handeln kann. Auch der Zeitraum der Entstehung des Evangeliums des Lukas ist umstritten. Je nach Position wird ein Zeitraum zwischen 60 und 65 n. Christus beziehungsweise zwischen 80 und 85 n. Christus gesehen.

Lukas als biblische Figur

Im Neuen Testament gibt es nur drei Stellen, an denen der Evangelist Lukas eine Erwähnung erfahren haben soll. Über die Nennung des Namens Lukas hinaus erfahrt man jedoch nur, dass dieser ein Arzt war. Der Evangelist tritt jedoch nicht als eine handelnde Figur in Erscheinung, die biblische Ereignisse geprägt hat.

Der Lukas aus den Paulusbriefen prägt auch keine anderen Merkmale aus, die ihn mit dem Evangelisten Lukas eindeutig in Verbindung bringen könnten. Die Annahme einer Personalunion, wie sie in der christlichen Tradition gepflegt wurde, ist deshalb rein spekulativ.

Erster Paulusbrief an die Kolosser

Karte der Orte der Missionsreisen von Paulus
Apostel Paulus und seine Reisen zur Missionierung (ODbL)

Der Brief an die Kolosser ist einer der Paulusbriefe, die zum offiziellen Kanon des Neuen Testamentes gehören. Als Verfasser stellen sich der Apostel selbst und sein Mitarbeiter Timotheus vor. Hintergrund dieser Briefe war, dass der Völkerapostel mit jungen Gemeinden in Kontakt bleiben wollte.

Das Schreiben war an die Christen in Kolossai im Süden der heutigen Türkei gerichtet. Falls der Brief echt sein sollte, muss er spätestens um 60 n. Christus entstanden sein. Die Stadt Kolossai wurde in diesem oder dem folgenden Jahr von einem Erdbeben zerstört.

Inhaltlich bekräftigt Apostel Paulus in diesem Brief vor allem die  Legitimität und die Lehre des Predigers Epapharas. Bei dieser Figur handelte es sich um einen Heidenchristen. Deshalb finden sich tendenziell weniger Hinweise auf alte jüdische Bräuche und Gesetze.

„Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, […]“. Kol 4,14

Im Schlussteil des Briefes finden sich die „Grüße“. Dabei handelt es sich um einen Abschnitt in dem zahlreiche grüßende Personen aus Rom wie auch zu grüßende Personen in Kleinasien genannt werden. Unter den grüßenden Personen befindet sich unter anderen der Arzt Lukas wie beispielsweise auch der Evangelist Markus.

Zweiter Paulusbrief an Timotheus

Der zweite Paulusbrief an Timotheus gehört zu den Pastoralbriefen. Dabei handelt es sich um Schreiben, die an Einzelpersonen und nicht an Gemeinden gerichtet waren.

„Beeil dich, bald zu mir zu kommen! Denn Demas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen und ist nach Thessalonich gegangen, Crescens ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Lukas ist als Einziger bei mir. Nimm Markus und bring ihn mit; denn er ist für mich nützlich zum Dienst.“ 2. Timo 4,9-11

Inhaltlich geht es in dem Schreiben um die christliche Lehre sowie die drohende Endzeit. Im letzten Teil des Briefes gibt es eine Aufzählung der 15 Mitarbeiter des Apostels, zu denen der Evangelist Lukas gehört haben soll.

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Echtheit des Schreibens jedoch bezweifelt. Kritiker gehen davon aus, dass es sich um eine Pseudepigrahie handelt. Das bedeutet, dass wohl ein Schüler oder Mitarbeiter diesen Text posthum im Namen des Völkerapostels verfasste.

Paulusbrief an Philemon

Ein weiterer Paulusbrief soll bereits um 56 n. Christus entstanden sein. Apostel Paulus stand zu dieser Zeit wohl unter Hausarrest in Ephesos. Die antike Metropole lag im Westen der heutigen Türkei an der Ägäis und war berühmt für den Tempel der Artemis, eines der sieben Weltwunder der Antike.

Philemon, der Adressat dieses Paulusbriefes, war ein Christ aus Kolossai. Das Schreiben besteht nur aus einem Kapitel mit 25 Versen. Inhaltlich geht es um einen Sklaven, der in Personalunion auch der Überbringer des Schreibens ist. Der Name des Mannes lautet Onesimus.

„Es grüßen dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christus Jesus, Markus, Aristarch, Demas und Lukas, meine Mitarbeiter.“ Phlm 1,23-24

Wie in den anderen Briefen wird der vermeintliche Evangelist Lukas im Rahmen der Grüße aufgeführt.

Lukas als Evangelist

Dem Evangelisten Lukas werden zwei zentrale Texte der kanonisierten Bibel zugeschrieben. Die Schriften schließen auch inhaltlich aneinander an und bilden zusammen das lukanische Doppelwerk.

„Nun habe auch ich mich entschlossen, nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin, es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.“ Lk 1,3-4

Neben den inhaltlichen und sprachlichen Übereinstimmungen deutet auch das Grußwort an Theophilus auf eine fortlaufende Arbeit aus einer Hand hin. Der Name bedeutet soviel wie „der Gott liebende“.

Die ursprüngliche Grußformel „kratistos“ diente in der Antike der Ansprache von sehr mächtigen Personen. Diese gehörten dem Stand der römischen Senatoren oder der römischen Ritter an. Jedoch kann es sich auch um ein Wortspiel handeln, dass auf jeden „Gott liebenden“ Christen zielte.

Die Personalunion des Evangelisten mit der biblischen Figur des Lukas gilt zwar als nicht belegbar. Jedoch geht auch die neuere Forschung davon aus, dass beide Texte vom selben Autor stammen.

  1. Im Lukasevangelium wird zunächst das Leben und das Leiden von Jesus beschrieben. Das Evangelium endet mit der Himmelfahrt des Gottessohns.
  2. Im Anschluss beginnt die Apostelgeschichte. Diese beschreibt die frühe Entwicklungsphase des jungen Christentums. Gemäß ihres Auftrages begannen sie zunächst eine Gemeinde in Jerusalem zu gründen. Dann trugen sie die Lehre in die umliegenden Provinzen und schließlich in die ganze Welt.

Von der Forschung wird insbesondere betont, dass zahlreiche Angaben des Evangelisten Lukas sehr präzise sind. Von Ortsangaben bis hin zu den Bezeichnungen von Ämtern oder auch den Beschreibungen von bürokratischen Abläufen decken sich die Angaben von Lukas mit Befunden der Geschichtswissenschaft.

Im 19. Jahrhundert konnten sogar auf Grundlage des Lukasevangeliums einige verschollene Orte aus der Bibel archäologisch wieder entdeckt werden.

Lukasevangelium

Der Entstehungszeitraum des Evangeliums von Lukas kann nicht zweifelsfrei eingeordnet werden. In Betracht kommt die Zeit von 60 bis 90 n. Christus. Eine sehr frühe Datierung ist unter literaturkritischen Gesichtspunkten jedoch zweifelhaft. Die Hauptargumente dieser Position sind, dass die Ermordungen von Jakobus dem Älteren, Petrus und Paulus nicht explizit erwähnt werden.

Der Evangelist Lukas scheint jedoch auf die Verfolgungen unter Nero im Jahr 64 n. Christus sowie auf die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Christus zurückzublicken. Die Verfolgungen der Christen unter Kaiser Domitian ab den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts scheinen ihm jedoch noch nicht bekannt zu sein.

Im Gegensatz zu den Evangelien von Matthäus und Johannes galt das Lukasevangelium auch nie als Augenzeugenbericht. Doch neben den mündlichen Überlieferungen standen dem Evangelisten Lukas wohl auch schriftliche Quellen zur Verfügung.

Inhaltlich gibt es deshalb große Übereinstimmungen mit anderen synoptischen Evangelien, die alle scheinbar auf einer vergleichbaren Quellenbasis entwickelt wurden. Im Rahmen der gängigen Zwei-Quellen-Theorie wird angenommen, dass der Evangelist Lukas vor allem auf der Basis des Markusevangeliums wie auch mit Hilfe einer Sammlung von Zitaten arbeitete – der Logienquelle Q.

Doch der Evangelist Lukas zeichnete sich sprachlich durch einige Besonderheiten aus:

  • Lukas pflegte einen erzählerischen Sprachstil. Beschreibungen von Ereignissen stehen bei ihm mehr im Vordergrund als religiöse Spekulationen.
  • Der Evangelist Lukas verwendete sehr häufig Begrifflichkeiten wie „heilen“ oder „gesund machen“. Er skizzierte Jesus als den großen Heiler der Menschen und der Schöpfung.
  • Das Beten ist ein weiterer zentraler Aspekt des Lukasevangeliums. Dabei wird Jesus als großes Vorbild beschrieben. Es handelte sich teils um öffentliche Ereignisse wie beispielsweise nach der Heilung des Aussätzigen. Doch auch das Beten als ein Moment des Rückzugs insbesondere vor großen Entscheidungen wird von Lukas hervorgehoben.
  • Die Auferstehung und die Himmelfahrt von Jesus findet im Lukasevangelium eine doppelte Bedeutung. Mit dieser Ereigniskette endete der irdische Auftrag des Gottessohnes und die Zeit der Apostel begann.

Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte des Evangelisten Lukas beschreibt die beiden wichtigsten Entwicklungen des frühen Christentums in den Jahren nach der Kreuzigung:

Diese Acta Apostolorum, die Taten der Apostel, bilden keine eigenständige Theologie mehr. Vielmehr wird die Umsetzung des göttlichen Auftrages beschrieben:

  1. Das Pfingstfest, der Heilige Geist und die Zungenrede
  2. Die Urgemeinde in Jerusalem
  3. Die Rede des Stephanus
  4. Die Mission in der Provinz Samarien
  5. Die Berufung des Paulus
  6. Der Umgang mit Nichtjuden in der Gemeinde
  7. Die Gemeinde von Antiochia
  8. Die Gemeinde von Jerusalem
  9. Erste Missionsreise des Paulus
  10. Das Apostelkonzil in Jerusalem
  11. Zweite Missionsreise des Paulus
  12. Dritte Missionsreise des Paulus
  13. Paulus als Gefangener
  14. Paulus in Rom

Verehrung als Heiliger

Lukas als Schutzpatron

Der Evangelist Lukas wird bereits seit der Antike als Heiliger verehrt. In der Gegenwart ist sein Tag der 18. Oktober. Er gilt als Schutzpatron für:

  • Ärzte
  • Kranke
  • Metzger
  • Kunstmaler

Gebeine des Evangelisten

Die Gebeine des Evangelisten Lukas wurde ursprünglich wohl in Theben begraben. Im Jahr 357 n. Christus verbrachte man seine Reliquien nach Konstantinopel. Wohl im 12. Jahrhundert wurden die sterblichen Überreste des Heiligen dann nach Padua in Italien überführt.

Seit 1562 befinden sich die Überreste in der Basilika Santa Giustina in einem Sarkophag aus Blei innerhalb eines Schreins aus Marmor. Nur der Schädel ging andere Wege. Ein Teil wurde in den Veitsdom nach Prag verbracht. Der andere Teil kam in das Kloster des Hl. Pantaleon auf dem Berg Athos in Griechenland.

Doch Ende der 1990er Jahre forderte der Erzbischof von Padua die Herausgabe der vermeintlichen oder tatsächlichen Schädelteile des Evangelisten Lukas. In der Folge kam es zu einer Öffnung des 600 kg schweren Sarkophages in der Basilika Santa Giustina und es wurde eine Untersuchung der Überreste mit Hilfe der Radiocarbon-Methode durchgeführt.

Die Untersuchung der Zähne des Skelettes ergab, dass das Datum des Todes zwischen den Jahren 72 und 416 n. Chr. gelegen habe muss. Außerdem konnten Fachleute ermitteln, dass die Schädelteile in Prag und in Padua zusammengehören. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass die Person zu Lebzeiten etwa 1,63 Meter groß war. Die Form des Schädels deutet auf eine syrische Abstammung hin.