Sebastian von Rotenhan

Sebastian von Rotenhan – Fränkischer Ritter

Sebastian von Rotenhan verteidigte im Deutschen Bauernkrieg im Jahr 1525 die Festung Marienberg in Würzburg drei Wochen lang mit 250 Mann gegen 15.000 Angreifer. Er wurde um 1478 in Rentweinsdorf in Unterfranken geboren und starb 1534 in Rentweinsdorf. Er war deutscher Ritter und außerdem ein wichtiger früh-neuzeitlicher Kartograf. Aus seiner Feder stammt u. a. die ersten Karte von Franken.

Der Ritter Sebastian von Rotenhan verteidigte die letzte Stellung im nordbayerischen Raum gegen die aufständischen Bauern. Zuvor hatten die Bauern bereits 63 kleinere Burgen und 31 Klöster im Hochstift Würzburg geplündert. Florian Geyer und der berühmte Götz von Berlichingen gehörten zu den angreifenden Kommandeuren auf Seiten der Bauern. Letzterer beging Fahnenflucht im späteren Verlauf der erfolglosen Belagerung des Marienbergs in Würzburg.

Sebastian von Rotenhan brach das Vorwärtsmoment der protestantischen Bauern. Der katholische Truchsess Georg von Waldburg-Zeil, auch Bauernjörg genannt, konnte schließlich den belagerten Marienberg entsetzen. Es folgte eine Feldschlacht am 2. Juni 1525 bei Königshofen. Der Ort liegt ca. 30 km südwestlich von Würzburg. Den Bauern gelang es trotz aussichtsreicher taktischer Situation nicht, die Disziplin und die Linien zu halten. Die schwere Kavallerie des Bauernjörg hatte leichtes Spiel. Von einem Aufgebot von ca. 7.000 Bauern überlebten Schätzungen zu Folge nur ca. 1.000 Bauern.

Am 4. Juni 1525 konnten die Bauern ca. 4.000 bis 5.000 Mann als letztes Aufgebot stellen. Es kam zur Schlacht bei Giebelstadt. Aber die Ereignisse vom 2. Juni wiederholten sich und der Aufstand der Bauern war in im nordbayerischen Raum erfolgreich niedergeschlagen. In etwa zeitgleich war es auch zu einer ähnlichen Niederlage von ca. 8.000 thüringischen Bauern unter Thomas Müntzer gekommen.

Die Belagerung der Festung Marienberg 1525

Sebastian von Rotenhan nutzte die Wochen vor Ankunft der Belagerer für spezifische Umbauten. Er baute die Burg zu einer Festung um. Der Unterschied sind die für Abwehrfeuer zur Verfügung stehenden Winkel.

Außerdem liess von Rotenhan innerhalb des Geländes, vom Zentrum aus gesehen in jede Himmelsrichtung, zusätzliche Durchgänge ins innere Mauerweg durch nicht-militärische Räume schlagen. Durch diese Verbindungsgänge konnte er während der Belagerung seine Truppen schneller zwischen den einzelnen Stellungen des zu verteidigenden Marienbergs hin und her bewegen.

Sebastian von Rotenhan errichtete um das doppelte Mauerwerk (Ring- und Mantelmauer) außen herum noch eine hölzerne Palisade. Diese Holz gewann er von den Bäumen außerhalb der Burg/Festung, die er für die bessere Sicht und das bessere Schussfeld abholzen ließ.

Während der Artillerieduelle mit bäuerlichen Stellungen und den Sturmangriffen hatte er wichtige Pufferzeiten mit dieser zusätzlichen Palisade eingerichtet. Diese Pufferzeiten verschafften ihm erhebliche Handlungsmöglichkeiten. Beispielsweise hatte er so mehr Zeit seine Kräfte innerhalb des Geländes zu verlagern.

Sebastian von Rotenhan hatte zusätzliche Artilleriestellungen errichtet. Er konnte aus einer verteidigten Position heraus offensiv agieren. Das bedeutet, der feindliche Beschuss hatte praktisch keine Wirkung. Er selber konnte dabei aber völlig frei das Feuer gegen ein anderes Ziel eröffnen.

Er konnte auf Teile strategischen Versorgungslinien des Gegners (= Alte Mainbrücke sowie den Leistengrund) einwirken. Das erschwerte feindliche Bewegungen. Auch eine Konzertierung der bäuerlichen Kräfte für einen gemeinsamen Großangriff konnte er deutlich erschweren. Die Städter und die Bauern mussten einen notdürftigen Holzponton unterhalb und im Feuerschutz der Alten Mainbrücke errichten. Sonst hätte der Fluss nicht mehr halbwegs gefahrlos überquert werden können.

Sebastian von Rotenhan setzte auch auf demoralisierendes Feuer, welches keinen unmittelbarer militärischen Mehrwert hat. Gerade zu Beginn der Belagerung gab es viel Aufruhr unter den Würzburger. Diese versammelten sich an zwei Orten je auf beiden Seiten des Mains, einmal am Marktplatz und einmal am Deutschen Haus. Beide Orte lagen innerhalb der Reichweite der Festungsgeschütze. Er liess das Feuer eröffnen, um diese Versammlungen aufzulösen. Das demoralisierte die Städter erfolgreich.

Ritter Sebastian von Rotenhan – Der Taktiker

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Festung Marienberg im Hintergrund / Im Vordergrund die Alte Mainbrücke

Sebastian von Rotenhan teilte seine ca. 250 Mann in 18 Rotten auf. Diese Rotten mussten wiederum je vier Mann als taktische Reserve stellen. Alle Kräfte lagerten im Mittelpunkt des Geländes. Dieses hat in etwa die Größe eines Fußballfeldes. Seine Männer patrouillierten je an den vier Kanten des Geländes auf den äußeren Mauern und sie hatten die vier Türme bemannt. Für diesen Zweck waren sogar spezielle Glocken angebracht worden. Die Wache konnte laut Alarm schlagen und wurde überall gehört.

Während das Gelände zu drei Seiten steil abfällt, bleibt der ebenerdige Zugang von Westen. Dieser Zugang wurde von einem Halsgraben und einem davor liegendem umfriedeten Vorhof, heute Echterscher Vorhof, geschützt. Dieser Vorhof war schon immer als militärische Falle konzipiert. Der Götz von Berlichingen versuchte einen nächtlichen Überraschungsangriff und tappte in diese Falle. Dabei konnte jedoch nur kurzzeitig ein unsensibler Bereich der Vormauer eingenommen werden. Die Bauern wurde umgehend von Sebastian von Rotenhan zurückgeworfen und verloren dabei wahrscheinlich eine dreistellige Zahl an Menschenleben.