Papst Julius II.

Papst Julius II. – Giuliano della Rovere

Julius II. wurde als Giuliano della Rovere am 05. Dezember 1443 in Savona in Ligurien geboren. Als Kardinal war er ein erbitterter Gegner der Familie Borgia und wurde am 01. November 1503 schließlich selbst zum römischen Papst gewählt.

Papst Julius II.
Papst Julius II. (Maler: Raffel / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Während seiner Amtszeit gründete Papst Julius II. die legendäre Schweizergarde im Jahr 1506. Die Aufstellung der Einheit sollte seinem persönlichen Schutz dienen.

Darüber hinaus begann unter Papst Julius II. am 18. April 1506 der Bau des Petersdoms. Damit wollte er die größte und prächtigste Kirche der Christenheit sowie ein epochales Grabmal für sich selbst errichten.

Ab 1508 bildete Papst Julius II. militärische Allianzen gegen die Republik Venedig und deren Expansion auf dem Festland. Sein Traum von der Einigung Italiens blieb jedoch unerfüllt.

Gegen Ende des Pontifikats rief Papst Julius II. das fünfte Laterankonzil ein. Dazu trafen sich etwa 100 Bischöfe und Kardinäle zur Diskussion von theologischen Streitfragen. Dabei wurden die Missstände in der Kirche teils auch sehr offen kritisiert.

Doch die Chance für durchgreifende Reformen wurde letztlich vertan. Nur wenige Jahre später kam es dann zum Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther.

Im Alter von 69 Jahren verstarb Papst Julius II. am 21. Februar 1513. Sein Nachfolger wurde der berüchtigte Papst Leo X. aus dem Clan der de’ Medici.

Della Rovere eine italienische „Adelsfamilie“

Die Familie von Giuliano della Rovere stammte aus Savona in Ligurien. Noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren sie zwar angesehen, jedoch nicht besonders wohlhabend.

Wappen Della Rovere
Wappen der Familie von Giuliano della Rovere (Urheber: Henry / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Der Name „Rovere“ bedeutete „Traubeneiche“. Das Wappen der Familie zeigte eine Eiche mit zwölf goldenen Eicheln auf blauem Grund. Giuliano della Rovere führte auch später als Julius II. diese Symbole in seinem päpstlichen Wappen.

Das erste nachweislich bekannte Mitglied der Familie war Leonardo della Rovere. Er hatte einen Sitz im Ältestenrat seiner Gemeinde und verstarb um 1430.

Aber dessen Sohn Francesco della Rovere behauptete, er sei mit einer gleichnamigen Adelsfamilie aus Turin verwandt. Deren Wurzeln wiederum reichten zurück bis ins Jahr 700. Das Wappen stammte auch eigentlich von den Turinern und wurde dann einfach übernommen.

Papst Sixtus IV. – Francesco della Rovere

Als Hochstapler machte Francesco della Rovere eine eindrucksvolle Karriere. Zunächst wurde er bereits im Alter von sieben Jahren der Kirche übergeben.

Papst Sixtus IV.
Papst Sixtus IV. – Onkel von Papst Julius II. (Maler: Titian / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Francesco della Rovere kam zu den Franziskanern und erhielt eine Schulausbildung. Anschließend studierte er Philosophie und Theologie. Am 14. April 1444 wurde ihm ein Doktortitel verliehen.

Er fiel den Mächtigen seiner Zeit auf, weil er ein talentierter Professor und Prediger war. Kurz vor seinem 50. Geburtstag wurde er am 19. Mai 1464 zum Generalminister aller Franziskaner ernannt.

Drei Jahre später wurde Francesco della Rovere von Papst Paul II. zum Kardinal ernannt. Es folgte eine Berufung in die römische Kurie.

Am 09. August 1471 wurde Francesco della Rovere dann sehr überraschend vom Konklave gewählt. Man hatte von dem Theologen wohl eine Rückbesinnung auf alte Werte erwartet.

Doch als Papst Sixtus IV. war der Hochstapler genauso korrupt wie die meisten seiner Zeitgenossen. Mit einem ausschweifenden Nepotismus förderte er Günstlinge und wurde dabei auch zum Steigbügelhalter seines Neffen Giuliano.

Aufstieg von Giuliano della Rovere

Giuliano della Rovere wurde wie sein Onkel Francesco von den Franziskanern ausgebildet. Schon früh erhob man ihn zum Bischof von Carpentras in Frankreich.

Nach der Wahl von Papst Sixtus IV. begann eine rasante Karriere. Bereits am 16. Dezember 1471 wurde Giuliano della Rovere von seinem Onkel zum Kardinal ernannt. Er erhielt die Titelkirche San Pietro in Vincoli al Colle Oppio auf dem Esquilin-Hügel in Rom.

In den folgenden etwa 30 Jahren bis zu seiner erfolgreichen Papstwahl im Jahr 1503 erhielt Kardinal Giuliano della Rovere noch zahlreiche weitere Diözesen. Diese generierten ein beachtliches Einkommen.

Als Freund der Künste investierte Giuliano della Rovere besonders gerne in die Errichtung von eigenen Palästen. Nebenher zeugte er auch drei Töchter, war angeblich Päderast und hatte Syphilis.

Niederlage gegen Rodrigo Borgia (1492)

Nach dem Tod von Innozenz VIII. fand sich 1492 das Konklave zusammen, um einen neuen Stellvertreter Gottes auf Erden zu wählen. Die Papstwahl fand in diesem Jahr erstmals in der Sixtinischen Kapelle statt.

Papst Alexander VI.
Papst Alexander VI. (Maler: Cristofano dell’Altissimo / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Giuliano della Rovere stellte sich zur Wahl und galt anfangs sogar als Favorit. Doch er hatte mit Ascanio Sforza und Rodrigo Borgia zwei ebenfalls sehr einflussreiche Konkurrenten.

Zunächst sah es so aus, als ob Giuliano della Rovere das Rennen machen würde. Daraufhin schlossen seine beiden Gegner einen Pakt, um die Wahl von Rodrigo Borgia zu sichern.

Doch der Deal war, dass die mailändischen Sforzas die tatsächlichen Strippenzieher im Vatikan werden sollten. Als Papst Alexander VI. regierte Rodrigo Borgia dann ab dem 11. August 1492.

Kardinal Giuliano della Rovere entwickelte sich in der Folge zu einem der größten Kritiker der Borgias. Der spanische Clan befand sich dennoch für etwa zehn Jahre im Aufwind der Geschichte und hielt sich dabei auch nicht an die Vereinbarung mit den Sforzas.

Erst nach dem Tod von Papst Alexander VI. im August 1503 wendete sich das Schicksal. Die unmittelbare Nachfolge trat Pius III. an. Er starb jedoch bereits nach etwa vier Wochen im Amt an den Folgen seiner Gicht.

Pontifikat von Julius II. (1503 – 1513)

Niedergang der Familie Borgia

Die Borgias hatten die Struktur der Kirche mit einer sehr einseitigen Machtpolitik substantiell unterwandert. Dazu gehörten die Erhebungen von zahlreichen Nepoten und die Verteilung von Gütern.

Cesare Borgia
Cesare Borgia (Maler: Bartolommeo Veneto / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Aber vor allem war der Kirchenstaat in ein erbliches Fürstentum unter der Führung von Cesare Borgia umgewandelt worden. Damit hatten sie sich endgültig sehr viele Feinde gemacht.

Nach dem Tod von Papst Alexander VI. am 18. August 1503 formierte sich nach und nach ein großer Widerstand gegen die Borgias. Doch mit Pius III. wurde im September zunächst ein Kandidat für den Übergang gewählt.

Pius III. starb dann bereits nach etwa vier Wochen am 18. Oktober 1503. Diese kurze Zeit hatte jedoch gereicht, um die Machtverhältnisse substantiell zu verschieben.

Der Einfluss der Borgias bröckelte. Sie hatten keinen eigenen Kandidaten für die Nachfolge und auch ohnehin keine Mehrheit mehr im Kollegium der Kardinale. Deshalb war der Clan nun auf Kompromisse angewiesen.

Papstwahl von Giuliano della Rovere

Giuliano della Rovere erwies sich in diesen Wochen als ein versierter Intrigant. Ihm gelang das Meisterstück. Er zog Cesare Borgia als Anführer von zwölf spanischen Kardinälen für die kommende Papstwahl auf seine Seite.

Niccolo Machiavelli
Niccolo Machiavelli (Maler: Santi di Tito / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Kardinal della Rovere wurde dann in einem eintägigen Konklave mit 37 von 38 Stimmen gewählt. Er gab sich den Namen Papst Julius II. und regierte ab dem 01. November 1503.

Papst Julius II. beglich dann umgehend alte Rechnungen. Cesare Borgia verlor alle Ämter, wurde verhaftet und in der Engelsburg im Vatikan gefoltert.

Der florentinische Politiker Niccolo Machiavelli war ein Beobachter der Papstwahl von 1503. Er stand als Botschafter seiner Heimatstadt in Kontakt mit den wichtigen Akteuren und schrieb später:

„Nur hinsichtlich der Wahl von Papst Julius II. kann man ihm [Cesare Borgia] den Vorwurf machen, dass er eine falsche Entscheidung getroffen hat. So beging der Herzog bei dieser Wahl einen Irrtum und verursachte dadurch seinen Untergang.“

Gründung der Schweizergarde (1506)

Am 22. Januar 1506 wurde durch Julius II. erstmals die Päpstliche Schweizergarde aufgestellt. Die Truppe bestand aus 150 Söldnern aus dem Kanton Uri.

Schweizer Gardist
Schweizer Gardist (Foto: Jean-Pierre Dalbéra / CC-BY-SA 2.0)

Das Korps wurde von Jakob Fugger und Ulrich Fugger bezahlt. Ihre Aufgaben waren Leib- und Palastwache für den Stellvertreter Gottes auf Erden.

Diese „Schweizer Reisläufer“ hatten damals einen sehr guten Ruf. Der Begriff bezog sich dabei natürlich nicht auf das Getreidekorn, sondern auf ihre „Reisen“ als Söldner.

Solche Söldner aus der Schweiz waren mit Hellebarden, Degen sowie Dolchen bewaffnet. Sie errangen im 15. Jahrhundert große militärische Erfolge und waren bei vielen Machthabern gerne gesehen. Eine vergleichbare Garde gab es beispielsweise in Frankreich.

Im Kampf bildeten sie „Gewalthaufen“. Das heißt, sie formierten sich in einer engen Staffelung und hielten ihre Gegner zunächst mit den langen Waffen auf Distanz.

Für den Nahkampf wechselten sie dann zu ihren Seitenwaffen. Die päpstliche Schweizergarde war jedoch nicht als reguläre Truppe für Schlachtfelder vorgesehen. Sie entsprach eher einer Polizei- beziehungsweise einer paramilitärischen Einheit.

Baubeginn des Petersdoms (1506)

Im Jahr 1506 begann Papst Julius II. mit dem Bau des Petersdoms. Er plante, die prächtigste Kirche der Christenheit über dem vermuteten Grab des Apostels Petrus zu errichten.

An dem Ort hatte bereits Kaiser Konstantin I. im Jahr 324 eine Basilika errichten lassen, die als Alt-St. Peter bezeichnet wurde. Papst Julius II. verfolgte dabei den Hintergedanken, sich selbst ein monumentales Grabmal zu schaffen.

Petersdom
Papst Julius II. begann mit dem Bau des Petersdoms (Foto: Wolfgang Struck / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der erste Entwurf für den Petersdom stammte von Donato Bramante. Er hatte bis zu seinem Tod etwa zehn Jahre später auch die Bauleitung inne. Am 18. April 1506 legte Papst Julius II. den Grundstein.

Als Idee setzte sich eine gigantische Kuppel durch, die von vier Säulen getragen wurde. Doch der Bau des Petersdoms verlief keinesfalls reibungslos.

Zur Bewältigung der immensen Kosten des Petersdoms erfand Papst Julius II. mit dem Peterspfennig eine neue Abgabe für Gläubige. Diese wird bis heute entrichtet. Papst Benedikt XVI. begründete das im Jahr 2006 folgendermaßen:

„Der Peterspfennig ist der bezeichnendste Ausdruck der Teilhabe aller Gläubigen an den wohltätigen Initiativen des Bischofs von Rom für die Weltkirche. Diese Geste hat nicht nur einen praktischen, sondern auch einen deutlichen symbolischen Wert als Zeichen der Einheit mit dem Papst und der Sorge für die Bedürfnisse der Brüder und Schwestern, und deshalb besitzt euer Dienst einen vornehmlich kirchlichen Wert.“

Die Abgabe bringt heutzutage pro Jahr etwa 80 Millionen Euro und steht zur persönlichen Verfügung des Papstes. Im Jahr 2019 wurde berichtet, dass aus diesen Einnahmen etwa 100 bis 150 Millionen Euro für illegale Immobiliengeschäfte in London verwendet wurden.

Der Traum von Papst Julius II., selbst ein epochales Grabmal im Petersdom zu erhalten, ging jedenfalls nicht in Erfüllung. Der Bau wurde erst 1626 vollendet.

Großer Venezianerkrieg (ab 1508)

Karte Kirchenstaat 1494
Karte des Kirchenstaats im Jahr 1494 (Urheber: MapMaster / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gab es im Kirchenstaat abtrünnige Städte und Regionen. Diese wurden dank der Feldzüge von Cesare Borgia wieder unter das päpstliche Joch gezwungen.

Doch die Expansion der Republik Venedig auf dem Festland forderte erneute Landverluste. Die Städte Rimini und Faenza fielen in den Jahren 1503/1504.

Papst Julius II. träumte während seines Pontifikats von einer Einigung der zersplitterten Gebiete in Italien. Zu diesem Zweck kam es am 10. Dezember 1508 zur Bildung der Liga von Cambrai.

Für dieses Bündnis fand Papst Julius II. mächtige Partner, denen die reiche Republik Venedig ebenfalls ein Dorn im Auge war. Die größten Monarchen seiner Zeit schlossen sich der Sache an:

  • König Ludwig XII. von Frankreich
  • König Ferdinand der Katholische von Aragon
  • König Vladislav II. von Ungarn
  • Kaiser Maximilian I. des Heiligen Römischen Reiches

Dem Bündnis schloss sich ab 1509 auch Heinrich VIII. aus England an. Gemeinsam wendeten sie sich gegen die Republik von Venedig.

In der Schlacht von Agnadello am 14. Mai 1509 besiegte ein französisches Heer die Venezianer. Dem militärischen Sieg folgte jedoch ein politischer Streit innerhalb der Liga.

Die Venezianer befanden sich deshalb ab 1509 wieder auf dem Vormarsch. Dies führte zu einem wechselhaften Spiel der Großmächte.

Papst Julius II. verbündete sich mit den Deutschen, den Spaniern und den Venezianern gegen die Franzosen. Gemeinsam bildeten sie ab 1511 die Heilige Liga. Der Traum eines geeinten Italien blieb jedoch unerfüllt.

Fünftes Laterankonzil (ab 1512)

Im Jahr 1512 rief Papst Julius II. das fünfte Laterankonzil ein. Das war ein Treffen von etwa 100 Bischöfen und Kardinälen im Lateran in Rom. Es wurden theologische Fragen sowie Reformen der Kirche diskutiert.

Auf dem Konzil kam es zu vehementer Kritik an den Zuständen in der Kirche. Vor allem die Ämterhäufung, die Vernachlässigung der Residenzpflicht von Würdenträgern sowie die Privilegien der Bettelorden wurden attackiert.

Die Bischöfe konnten sich jedoch nicht auf einschneidende Reformen einigen. Es wurden nur ein paar Dekrete erlassen, die jedoch über andere Regeln leicht auszuhebeln waren.

Entscheidende Funktionäre der Kirche werteten dies scheinbar als Erfolg. Das Konzil wurde im Jahr 1517 unter dem Nachfolger von Papst Julius II. vorzeitig beendet.

Tod und Nachfolge (1513)

Papst Julius II. verstarb am 21. Februar 1513 im Alter von 69 Jahren. In seiner alten Titelkirche San Pietro in Vincoli wurde ihm ein prächtiges Grabmal errichtet.

Papst Julius II. Grabmal
Grabmal von Papst Julius II. (Foto: Jörg Bittner Unna / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Das zentrale Element war eine berühmte Moses-Figur von Michelangelo Buonarroti. Der Leichnam von Papst Julius II. wurde jedoch im Grab seines Onkels Papst Sixtus IV. im Petersdom bestattet.

Der fanatische Kunstliebhaber erhielt damit wohl gegen seinen Willen nur ein sehr schlichtes Grab unter einer Marmorplatte. Es wird heutzutage kaum beachtet.

Nachfolger von Papst Julius II. wurde sein Günstling Giovanni de’ Medici. Als Papst Leo X. wurde er zum Inbegriff der klerikalen Dekadenz der Renaissance:

„Da Gott uns das Papsttum verliehen hat, so lasst es uns denn genießen.“

Doch das Erbe von Papst Julius II. wog schwer. Die immensen Kosten für den Bau des Petersdom finanzierte der Medici-Papst durch einen schwungvollen Handel mit Ablassbriefen. Der Thesenanschlag von Martin Luther erfolgte bereits im vierten Jahr seiner Herrschaft und die Zeit der Reformation begann.