Maria I. Tudor

Königin Maria I. Tudor von England

Maria I. Tudor, auch bekannt als Bloody Mary, wurde am 18. Februar 1516 in Greenwich geboren. Sie war das einzige überlebende Kind aus der ersten Ehe von Heinrich VIII. mit Katharina von Aragon.

Maria I. Tudor
Königin Maria I. Tudor (Maler: Anthonis Mor / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Ihr Vater ließ die Ehe 1533 zu Gunsten seiner Mätresse Anne Boleyn annullieren. Maria I. Tudor wurde ein königlicher Bastard und zunächst von der Thronfolge ausgeschlossen. Die Nachfolge trat mit Eduard VI. ein deutlich jüngerer Bruder an.

Eduard VI. starb jedoch bereits im Alter von 15 Jahren. Es folgte eine kurzzeitige Machtergreifung der protestantischen Jane Grey. Der Versuch scheiterte nach wenigen Tagen.

Maria I. Tudor wurde dann de facto ab dem 19. Juli 1553 doch zur Königin von England. Entscheidend waren ihre Beliebtheit in der Bevölkerung und ihre Rolle als Hoffnungsträger der Katholiken.

Während der Herrschaft von „Maria der Katholischen“ wurden über 300 Personen aus religiösen Gründen hingerichtet. Aufgrund ihres frühen Todes konnte sie die Abspaltung des Landes von der römischen Kirche jedoch nicht mehr nachhaltig bekämpfen.

Im Alter von nur 42 Jahren starb Maria I. Tudor am 17. November 1558. Kurz vor ihrem Tod erklärte sie ihre jüngere Schwester Elisabeth I. zur Nachfolgerin.

Maria – Tochter der Katharina von Aragon

Im Jahr 1509 heiratete Heinrich VIII. mit Katharina von Aragon die Witwe seines älteren Bruders. Ein solches Bündnis zwischen den Königshäusern von England und Spanien war schon 1489 vereinbart worden.

Heinrich VIII.
König Heinrich VIII. Tudor von England (Maler: Hans Holbein der Jüngere / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Doch nur die spätere Königin Maria I. Tudor überlebte das Kindesalter. Der König mochte die Tochter: „Bei Gott, dieses Kind weint niemals.“.

Er war jedoch unglücklich über ihr Geschlecht und hoffte weiterhin auf einen männlichen Erben. In England waren Frauen aber nicht grundsätzlich von der Thronfolge ausgeschlossen.

Maria I. Tudor wurde in ihrer Kindheit und Jugend dennoch auf ein Leben als Ehefrau eines ausländischen Monarchen vorbereitet. Sie sollte ein Werkzeug sein, um politische Bündnisse schmieden zu können.

Ab etwa 1520 war Margaret Pole für die Erziehung von Maria I. Tudor verantwortlich. Das war die letzte Nachfahrin des Hauses Anjou-Plantagenêt.

Margaret Pole war katholisch und 1539 angeblich in die Exeter-Verschwörung gegen den König verwickelt. Nach drei Jahren im Tower of London wurde sie hingerichtet und im 19. Jahrhundert als Märtyrerin seliggesprochen.

Ausschluss von der Thronfolge

Der lüsterne König war allerdings schon bald nicht mehr an Katharina von Aragon interessiert. Erst begann er eine Affäre mit Elizabeth Blount und dann mit Mary Boleyn.

Ab 1525 interessierte er sich für Anne Boleyn. Diese wollte sich mit ihrer Nebenrolle als Mätresse des Königs jedoch nicht begnügen.

Anne Boleyn
Anne Boleyn verlangte die Enterbung von Maria I. Tudor (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Anne Boleyn verlangte die Scheidung der Ehe mit Katharina von Aragon. Außerdem sollte Maria I. Tudor von der Thronfolge ausgeschlossen werden.

Der verknallte König tat seiner Affäre den Gefallen und löste damit sogar eine religiöse Krise in seinem Land aus. Der römische Papst verweigerte nämlich die Zustimmung zur Auflösung der Ehe.

Heinrich wies deshalb seinen Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer an, die Ehe aufzulösen. Dafür wurden Heinrich, Anne und Thomas Cranmer exkommuniziert.

König Heinrich VIII. ernannte sich mit der Suprematsakte daraufhin kurzerhand selbst zum Oberhaupt der englischen Kirche. Außerdem zwang er sein Land und seine Leute zur Konvertierung zum Protestantismus.

„Albeit the king’s majesty justly and rightfully is and ought to be the supreme head of the Church of England […].“

Dieser Ego-Trip brachte dem König viele Feinde und Maria I. Tudor viele Unterstützer ein. Teile des Adels sowie der Bevölkerung blieben insgeheim noch der römischen Kirche verbunden und brachten der jungen Prinzessin viele Sympathien entgegen. Außerdem wurde Anne Boleyn bereits 1536 hingerichtet.

Versöhnung mit dem Vater

Nachdem Maria I. Tudor vom Hof verbannt wurde, kam es zunächst über Briefwechsel zu einer leichten Annäherung. Ein Konfliktpunkt blieb jedoch, dass die Katholikin ihren Vater nicht als Oberhaupt der englischen Kirche anerkennen wollte.

Der König reagierte zeitweilig so aggressiv, dass sie am 22. Juni 1536 sogar gezwungen war, Lady Mary’s Submission zu unterzeichnen. Das war ein von Thomas Cromwell, einem sehr hohen Beamten und Ur-Großonkel von Oliver Cromwell, aufgesetztes Schreiben mit drei wesentlichen Punkten:

  • Anerkennung der Ungültigkeit der Ehe ihrer Eltern
  • Anerkennung des Status als illegitime Tochter
  • Anerkennung ihres Vaters als Oberhaupt der englischen Kirche

Diese Unterwerfung war notwendig, um ihr Leben und das Überleben ihrer Freunde zu sichern. Historiker gehen jedoch davon aus, dass diese Erfahrung die spätere Härte von Maria I. Tudor in Glaubensfragen begründete.

Jane Seymour
Jane Seymour hatte ein gutes Verhältnis zu Maria I. Tudor (Maler: Hans Hohlbein der Jüngere / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Drei Wochen nach der Unterwerfung traf sie den König das erste Mal nach fünf Jahren wieder. Ein echter Wandel in der Beziehung zu ihrem Vater trat dann im Zuge von dessen dritter Ehe mit seiner neuen Flamme Jane Seymour ein.

Jane Seymour war wohl eine sehr angenehme Stiefmutter. Zu Maria I. Tudor und auch Elisabeth I. entwickelte sie ein positives Verhältnis.

Während der Geburt des ersehnten männlichen Nachfolgers Eduard VI. im Herbst 1537 war Maria I. Tudor an der Seite von Jane Seymour. Sie wurde dann auch zur Taufpatin für ihren kleinen Stiefbruder.

Jane Seymour starb jedoch wenige Tage später im Kindbett. Maria I. Tudor führte den Trauerzug auf einem schwarzen Pferd an. Anschließend kümmerte sie sich sehr um ihren Stiefbruder Eduard VI., was ihre Stellung am Hofe deutlich verbesserte.

Auch unter den folgenden Ehefrauen ihres Vaters (Anna von Kleve, Catherine Howard und Catherine Parr) verbesserte sie nach und nach ihre Position. Bereits ab 1541 konnte sich Maria I. Tudor wieder dauerhaft am Hof ihres Vaters aufhalten.

Bedeutung unter Eduard VI.

Im Jahr 1543 hatte der König im dritten Act of Succession die Thronfolge bestimmt und vom Parlament ratifizieren lassen. Der männliche Nachfolger wurde vorgezogen, jedoch wurden die beiden Töchter ebenfalls wieder aufgenommen:

  1. Eduard VI.
  2. Maria I.
  3. Elisabeth I.

Formal wies dieser Act of Succession einen gravierenden Mangel auf. Die Töchter wurden zwar in der Thronfolge berücksichtigt, sie wurden jedoch nicht als legitime Kinder anerkannt.

Eduard VI. Tudor
Eduard VI. der Stiefbruder von Maria I. Tudor um 1550 (Maler: William Scroetes / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Dies führte später zu zahlreichen Versuchen, sowohl Maria I. wie auch Elisabeth I. von der Thronfolge auszuschließen. Nach dem Tod des Königs am 28. Januar 1547 ging die Krone jedoch zunächst unbestritten an den minderjährigen Sohn.

Doch Maria I. Tudor war im Testament ihres Vaters reichlich bedacht worden. Sie erhielt zahlreiche Herrenhäuser, Ländereien sowie ein garantiertes Jahreseinkommen.

Im Alter von 31 Jahren war Maria I. Tudor damit eine reiche und unabhängige Frau. Ihr jüngerer Bruder legte darüber hinaus Wert auf ein gutes Verhältnis:

„Wir sollten den Tod unseres Vaters nicht beklagen, da es Sein Wille ist, der alle Dinge zum Guten wirkt. Soweit es mir möglich ist, werde ich dir der beste Bruder sein und überfließen mit Freundlichkeit.“

Edward Seymour, der protestantische Vormund des minderjährigen Königs, war schon problematischer. Trotz der Spannungen verhielt man sich jedoch kooperativ.

Edward Seymour wurde 1549 durch John Dudley ersetzt. Der neue Vormund war deutlich radikaler.

John Dudley hatte jedoch Angst vor eine Kriegsdrohung des Heiligen Römischen Reiches. Der amtierende Kaiser Karl V. war ein Cousin mütterlicherseits von Maria I. Tudor und schützte seine katholische Verwandte in England.

Im Februar 1553 sah Maria I. Tudor ihren Stiefbruder das letzte Mal. Ihr wurde jedoch verheimlicht, dass Eduard VI. zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank war. Er starb am 06. Juli 1553 vermutlich an Tuberkulose.

Kampf gegen Jane Grey

Maria I. Tudor war die rechtmäßige Nachfolgerin ihres Bruders. Aufgrund der Glaubenskonflikte im Land versuchte die protestantische Fraktion jedoch mit Jane Grey eine alternative Kandidatin zu installieren.

Lady Jane Grey war eine Nichte von Heinrich VIII. und Enkelin von Mary Tudor, der Königin von Frankreich. Sie war als Mündel von Heinrichs sechster Ehefrau aufgewachsen und eifernde Protestantin.

Exekution Lady Jane Grey
„Exekution der Lady Jane Grey“ (Maler: Paul Delaroche / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Unter dem Einfluss der Dudleys hatte Eduard VI. auf dem Sterbebett Jane Grey zu seiner Nachfolgerin bestimmt. Er war zu diesem Zeitpunkt jedoch immer noch minderjährig und nicht berechtigt den Act of Succession von 1543 zu ändern.

Am 09. Juli 1553 wurde der Tod von Eduard VI. verkündet. Die damals selbst erst 16-jährige Jane Grey wurde nun zum Spielball der Eliten.

Am folgenden Tag machten ihr Adelige die Aufwartung. Darüber hinaus standen die Armee und das Parlament hinter der protestantischen Jane Grey.

Doch Maria I. Tudor wurde von der Bevölkerung sehr geschätzt. Als Jane Grey am 10. Juli 1553 zur Königin ausgerufen wurde, kam es bereits zum ersten Eklat. Ein Teenager in der Menge protestierte laut. Ihm wurden die Ohren abgeschnitten.

Dennoch hatte Maria I. Tudor zu diesem Zeitpunkt nach eigener Einschätzung praktisch keine Chance auf die Krone. Aber dann zerbrach das Bündnis der Familien Dudley und Grey an Machtfragen.

In der Folge desertierten viele Soldaten, in der Marine kam es zu Meutereien und die Bevölkerung stand zu Maria I. Tudor. Am 19. Juli 1553 besetzten berittene Einheiten den Tower of London und verhafteten Jane Grey.

Maria I. Tudor – Herrschaft von Bloody Mary

Die Herrschaft von Maria I. Tudor begann faktisch am 19. Juli 1553. Ihre Kontrahentin Jane Grey wurde an diesem Tag in den Tower of London gesperrt und dort am 12. Februar 1554 geköpft.

Am 03. August 1553 zog Maria I. Tudor triumphierend in London ein. Sie wurde von ihrer Schwester Elisabeth begleitet, die ihren Thronanspruch unterstützt hatte.

Am 01. Oktober 1553 erfolgte dann die Krönung von Maria I. Tudor in Westminister Abbey. So wie es bei männlichen Königen üblich war, wurden ihr zeremoniell Schwert und Sporen sowie das Zepter überreicht.

Ehe mit Philipp II. von Spanien

Dennoch war Maria I. Tudor zeitlebens mit frauenfeindlichen Forderungen konfrontiert. Ihr wurde einfach nicht zugetraut, dass sie als Königin von England alleine regieren kann.

Hinzu kamen die religiösen Spannungen mit ihrer protestantischen Schwester Elisabeth. Diese hatte zwar ihren Thronanspruch unterstützt, galt aber dennoch als Gefahr für eine katholische Gegenreformation.

Philipp II. von Spanien
Philipp II. von Spanien war der Ehemann von Maria I. Tudor (Maler: Anthonis Mor / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Aber große Teile des englischen Adels hatten sich im Konflikt mit Jane Grey gegen Maria I. Tudor gestellt. Deshalb entschied sie sich für den spanischen Kronprinzen Philipp.

Ein Bündnis mit Spanien diente auch dem Gleichgewicht der Mächte. Maria Stuart, die schottische Königin, hatte selbst einen Anspruch auf den englischen Thron formuliert und sich darüber hinaus mit dem Königshaus von Frankreich vermählt.

Der Widerstand gegen den katholischen Spanier war unter den protestantischen Adeligen in England jedoch groß. Im Rahmen der Wyatt-Verschwörung sammelte sich eine Armee in Kent, um Maria I. Tudor zu stürzen.

Der Aufstand wurde jedoch von königlichen Truppen niedergeschlagen. Maria I. Tudor heiratete Philipp II. von Spanien schließlich am 25. Juli 1554 in der Kathedrale von Winchester.

Eine Besonderheit der Heirat war jedoch der umfassende Ehevertrag, der für England extrem vorteilhaft war. Darin wurden Ländereien, mögliche Erbfolgen und auch die Nicht-Beteiligung an den Kriegen der spanischen Habsburger geregelt.

Das politische Zweckbündnis entwickelte sich für Maria I. Tudor zu einer Liebesbeziehung. Sie verliebte sich unendlich in Philipp II. von Spanien und schrieb an dessen Vater:

„Täglich entdecke ich in meinem Mann, dem König und Eurem Sohn, so viele Tugenden und solche Vollkommenheit, dass ich Gott fortwährend bitte, mir die Anmut zu schenken, ihm zu gefallen und mich in allen Dingen so zu verhalten, wie es sich für jemanden schickt, der ihm so tief verbunden ist.“

Philipp II. von Spanien sah die Beziehung jedoch wohl sehr viel nüchterner. Aus der Ehe gingen trotz des innigen Wunsches keine Kinder hervor.

Scheiterhaufen der „Bloody Mary“

Entgegen ihres späteren Rufs als „Bloody Mary“ war die Religionspolitik von Maria I. Tudor zunächst auf Toleranz ausgelegt. Sie lehnte den anglikanischen Protestantismus für sich selbst zwar ab, setzte in ihrer ersten Proklamation aber dennoch auf Verständigung:

„Ihre Majestät kann nicht jene Religion verbergen, zu der sie sich vor Gott und der Welt seit ihrer frühen Kindheit bekannt hat und die ihre Majestät nach wie vor befolgen will. Ihre Hoheit wäre glücklich, wenn all ihre Untertanen die selbe (Religion) friedlich und mildtätig annehmen würden. Und dennoch wünscht ihre Majestät ihre Untertanen nicht dazu zu zwingen, bis ein diesbezüglicher Parlamentsbeschluss vorliegt.“

Maria I. Tudor nahm aber Kontakt zur römischen Kirche auf. Sie wollte den im Jahr 1534 von Papst Paul III. über ganz England verhängten Kirchenbann aufheben lassen.

Die Königin warb dann lange Zeit vergeblich um die Unterstützung des Parlamentes für eine landesweite Gegenreformation. Die Abgeordneten hatten zwar kein Problem mit einer Anpassung von Riten. Eine Anerkennung der Hoheit des römischen Papstes kam jedoch nicht in Frage.

Exekution Thomas Cranmer
„Exekution von Thomas Cranmer“ (Urheber: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Darüber hinaus fehlte es in England inzwischen an kanonisch ausgebildeten Priestern, die ehelos waren. Eine Ausnahme war Kardinal Reginald Pole, den sie zum Erzbischof von Canterbury ernannte.

Maria I. Tudor und Reginald Pole waren der Meinung, dass nur wenige Protestanten große Teile der Bevölkerung vom wahren Glauben abgebracht hatten. Im Jahr 1555 wurden deshalb Gesetze gegen Ketzer aus dem 14. Jahrhundert wieder eingeführt.

Zunächst wurden einige Bischöfe verbrannt. 1556 landete auch Thomas Cranmer trotz Widerruf auf dem Scheiterhaufen. Er hatte einst als damaliger Erzbischof von Canterbury die Ehe von Heinrich VIII. und Katharina von Aragon aufgelöst. Die Scheidung ihrer Eltern hatte Bloody Mary wohl persönlich genommen.

Zur großen Überraschung von Maria I. Tudor reichte die Hinrichtung der geistigen Elite jedoch nicht aus. Darüber hinaus stieß der Katholizismus in der breiten Bevölkerung auf immer größeren Widerstand.

Wer der Messe nicht aufmerksam folgte, an Prozessionen nicht teilnahm oder die Fastenzeit brach, konnte nun schnell das Opfer von Ketzerjägern werden. Zur Verfolgung wurden auch weltliche Behörden eingesetzt. Das Engagement unterschied sich von Region zu Region jedoch sehr.

Innerhalb von drei Jahren wurden knapp 300 Personen zur Abschreckung öffentlich verbrannt. Diese protestantischen Märtyrer bekamen jedoch viel Sympathie von der Bevölkerung.

So erhielt Königin Maria I. Tudor den Spitznamen „Bloody Mary“. Historiker betonen jedoch, dass sie selbst die Bevölkerung eher mit sanften Mitteln überzeugen als gewaltsam abschrecken oder gar zum Katholizismus zwingen wollte. Unstrittig ist jedoch, dass sie die Hinrichtungen hätte verhindern können.

Eine eher amüsante Anekdote in den Zusammenhang ist, dass Kardinal Reginald Pole schließlich selbst das Vertrauen des Papstes verspielte. Er sollte sich in Rom einer Anklage wegen Ketzerei stellen. Maria I. Tudor verweigerte die Zustimmung. Sie setzte sich über den Befehl hinweg und löste damit fast ein zweites Schisma aus.

Steuer- und Wirtschaftspolitik

Der Vater und der Bruder von Königin Maria I. Tudor hatten einen desolaten Staat hinterlassen. Die Schuldenlast war erdrückend und das Wirtschaftssystem marode.

Darüber hinaus litt England unter einer Inflation. Es kam zu drakonischen Maßnahmen gegen Münzfälscher. Es wurde auch eine Währungsreform vorbereitet, die jedoch erst unter ihrer Nachfolgerin umgesetzt wurde.

Maria I. Tudor konnte jedoch das Zollwesen tiefgreifend reformieren. Die Abgaben wurden nun zentral erfasst und direkt an die Krone abgeführt.

Außerdem förderte Maria I. Tudor den heimischen Handel mit Schutzzöllen auf importierte Waren. Der anfangs widerspenstigen deutschen Hanse konnte sie Zugeständnisse abringen.

Maria I. Tudor schloss auch ein Handelsabkommen mit Iwan dem Schrecklichen ab. Über die Moskauer Kompanie erhielt England Material für den Schiffsbau und exportierte Gewürze, Metallwaren und Wolle.

In England wurden Strukturreformen durchgeführt. Maria I. Tudor förderte die Neugliederung von Bezirken und Städten, um die Verwaltung zu verbessern.

Dennoch kam es aufgrund von Missernten auch zu Hungersnöten. Deshalb zentralisierte Maria I. Tudor die Versorgung von Armen. Das Horten von Nahrungsmitteln wurde mit schweren Strafen belegt.

Krieg gegen Frankreich

Frankreich und Spanien waren zur Zeit der Tudors fast permanent im Konflikt. England hingegen hatte mit der Stadt Calais noch aus normannischer Zeit eine letzte Bastion auf dem Festland.

Trotz der Regelungen im Ehevertrag von Maria I. Tudor mit Philipp II. von Spanien war sie schließlich bereit, sich militärisch zu beteiligen. Damit stellte sich die Königin gegen den Willen der Bevölkerung und des Kronrates.

Aber im Jahr 1557 landete der protestantische Exilant Thomas Stafford mit französischen Schiffen in England. Er nahm Scarborough Castle an der Westküste ein. Das war der passende Vorwand für eine Kriegserklärung.

Am 06. Juli 1557 setzte dann Philipp II. von Spanien mit englischen Truppen nach Frankreich über. Anfangs errangen sie einige Erfolge.

Doch die Franzosen hielten sich nicht an eine Konvention des Krieges. Sie führten unerwartet die Kämpfe im Winter fort. Im Januar 1558 fiel dann Calais in ihre Hände.

Damit hatten die Engländer ihren Brückenkopf verloren. Der Kronrat entschied, dass eine Rückeroberung praktisch unmöglich und ganz sicher nicht bezahlbar war.

Tod und Nachfolge

Maria I. Tudor war in ihren letzten Jahren körperlich und seelisch sehr krank. Sie wurde gegen ihre Beschwerden häufig zur Ader gelassen und wirkte deshalb bleich und schlapp.

Krönung Elisabeth I.
Krönungsporträt von Elisabeth I. (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Trotzdem hatte sie noch die Hoffnung auf Nachwuchs und erlebte 1558 ihre zweite Scheinschwangerschaft. Sie verfasste deshalb am 30. Mai ein Testament zu Gunsten des ungeborenen Kindes für den Fall, dass sie während der Geburt stirbt.

Maria I. Tudor wurde jedoch enttäuscht. Im August erkrankte sie dann schwer an einer Grippe. In ihrem Umfeld wuchs die Angst, dass im Todesfall die Krone an Maria Stuart fallen würde.

Erst am 06. November 1558 ernannte sie ihre Schwester Elisabeth I. offiziell zur Erbin und Nachfolgerin. Nur etwa zwei Wochen später starb sie in den Morgenstunden des 17. November 1558 wahrscheinlich an einem Krebs im Unterleib. Sechs Stunden später wurde ihre Schwester zur Königin proklamiert.