Lucius Cornelius Sulla

Lucius Cornelius Sulla – General des Senats

Lucius Cornelius Sulla war ein General und Politiker sowie Diktator in der Spätphase der Römischen Republik. Er lebte von 138 bis 78 vor Christus und gehörte politisch zu den senats-treuen Optimaten. Sein Leben war von den inner-römischen Unruhen geprägt, die erst mit dem Frieden von Kaiser Augustus enden sollten.

Als junger Mann erlebte Lucius Cornelius die Sulla die Reformen der politischen Gegenpartei, den Popularen. Die beiden Volkstribune Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus riefen bei dem jungen Mann Abscheu hervor und er entwickelte bereits früh eine klare politische Meinung.

Er begann seinen Karriere als Offizier der Kavallerie in (Nord-)Afrika. Sein Talent brachte ihm schon früh Erfolge ein. Lucius Cornelius Sulla machte schnell Karriere. Dabei diente er mehrfach unter seinem späteren Feind, dem popularen Feldherr Gaius Marius.

Als Offizier stieg er bis zum Legaten auf. Auch nach seinem Militärdienst wurde er immer wieder auf diese Position berufen. Er genoss einen exzellenten Ruf als Militär und förderte auch Talente wie Gnaeus Pompeius Magnus.

Der politische Weg von Lucius Cornelius Sulla

Lucius Cornelius Sulla entwickelte schon früh einen ausgeprägten Trieb zur Macht. Schnell hatte er es in seinem politischen Werdegang zum Quästor gebracht. Der Schritt zum nächsten Amt fiel ihm jedoch schon bedeutend schwerer und er scheiterte zunächst.

Er gab damit nicht zufrieden. Im Jahr 98 v. Christus nicht zufrieden. Im nächsten Jahr versuchte er ein zweites Mal die Praetur zu erreichen. Dieses mal kaufte er Stimmen. Außerdem ließ er Spiele für das Volk abhalten und war erfolgreich.

Nach den Fortschritten in der höheren politischen Ämterlaufbahn standen in den nächsten Jahren vor allem militärische Herausforderungen auf dem Plan. Lucius Cornelius Sulla diente wieder als Legat. Schließlich konnt er jedoch in die Politik zurückkehren und wurde für das Jahr 88 vor Christus zum Konsul gewählt.

Die römische Republik am Abgrund

Während des Konsulats von Lucius Cornelius Sulla eskalierte in Rom der Streit zwischen den Optimaten und den Popularen. Das Volk von Rom beschloss in einer Versammlung, dass der Konsul das Kommando über zwei Legionen unweit von Rom abgeben solle. Sulla weigerte sich und floh zu den Truppen.

Zwei Militärtribune suchten Lucius Cornelius Sulla daraufhin bei seinen Männer auf. Sie sollten den Befehl übernehmen. Aber es gelang Sulla, seine Männer aufzuwiegeln. Die Legionäre meuterten und steinigten die beiden Offiziere. Auch mit der Heeresreform des Gaius Marius wenige Jahre zuvor war die Frage der Altersvorsorge für die Mannschaftsgrade nicht endgültig geklärt worden.

Die römischen Legionäre waren sehr von ihren Generälen abhängig. Die Offiziere hingegen konnten den Befehl verweigern. Das taten sie auch. Nur ein Quästor folgte. Aber Lucius Cornelius Sulla und seine Soldaten marschierten noch im Jahr 88 v. Chr. gegen Rom. Die Stadt war militärisch leicht einzunehmen.

Rom wurde nicht mit Stadtmauern, sondern über die Fläche verteidigt. Eine meuternde Armee kurz vor der Stadt konnte nicht abgewehrt werden. Lucius Cornelius Sulla vertrieb die Popularen aus der Stadt und blieb weiterhin Konsul.

Für sein Verhalten ließ er sich als Restaurator der Republik feiern. Lucius Cornelius Sulla stellte sich als Retter der Republik dar. Außerdem bemühte er sich um Feindbilder, damit sein Handeln als legitim dargestellt werden konnte.

Eingriffe in das Politische System der Römischen Republik (88 v. Chr.)

Nach der Übernahme der Macht erließ Lucius Cornelius Sulla sofort einige Gesetze. Diese griffen tief in das politische System der Römischen Republik ein. Der Senat als Organ der Oberschicht wurde gestärkt. Die Rolle der Volkstribune wurde beschnitten. Der (macht-)politische Schwerpunkt der Republik wurde deutlich verlagert.

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Der römische Staat nach Cicero.

Lucius Cornelius Sulla ließ im Jahr 87 v. Chr. die Wahlen zu. Er hätte eine Abschaffung der Wahlen auch nicht durchsetzen können. Die Ergebnisse der Wahl zeigten jedoch ein deutliches Nachlassen seiner Popularität.

Einer der gewählten Konsuln war der Politik seines Diktators zugewandt. Der andere Konsul – Lucius Cornelius Cinna – stand Sulla feindlich gegenüber. Cinna wurde deshalb zu einem Eid gezwungen. Er durfte sich nicht entgegen der Interessen der Optimaten verhalten.

Lucius Cornelius Sulla selbst musste jedoch die Hauptstadt verlassen. Das seine Zeit als Konsul vorbei war, wurde er Statthalter in Epirus.

Das Konsulat von Lucius Cornelius Cinna (87 v. Chr. bis 84 v. Chr.)

Aber Lucius Cornelius Cinna brach seinen Eid. Er legte Gesetze vor, die erneut ins Gefüge der Römischen Republik eingriffen. Konkret ging es um Bürgerrechte für Bundesgenossen. Mit dem Bürgerrecht war das Wahlrecht verbunden. Dieses neue Bürgerrecht sollte die Wählermasse stark zu Gunsten der Popularen verschieben.

Als Reaktion mobilisierte der Sulla-treue Konsul seine Anhänger. Es kam zu Kämpfen in den Straßen von Rom zwischen den Männern der beiden Konsuln. Zunächst unterlagen die Anhänger von Lucius Cornelius Cinna. Dieser wurde zum Staatsfeind erklärt.

Aber Cinna konnte fliehen. Mit sehr viel Geld bestach er Truppen und rekrutierte weitere Verbände. Noch dazu reaktivierte er Gaius Marius aus dem Ruhestand. Noch im Jahr 87 v. Chr. konnten die Popularen die Hauptstadt Rom zurückerobern. Daraufhin folgten bis einschließlich 84 v. Chr. die Jahre der Macht von Lucius Cornelius Cinna.

Dabei stützte sich der Cinna auf zwei politische Pfeiler. Die römischen Ritter, die Equites, waren ein reicher und mächtiger Stand. Sie waren eine Schicht zwischen der Oberschicht und der Unterschicht. Ferner bildeten die Ritter eine militärische, politische und religiöse (Personal-)Reserve. Der zweite Pfeiler waren die eingebürgerten Bundesgenossen.

Es fehlte jedoch die breite Unterstützung der Armee. Im Jahr 84 v. Chr. kehrte Sulla zurück. Dieser wollte eine Armee aufrüsten. Aber Cinna wurde im (Feld-)Lager bei Ancona von den eigenen Soldaten getötet. (In diesem Jahr heiratete Gaius Julius Caesar die Tochter von Cinna.)

Der legale Weg zur Diktatur (83 v. Chr. bis 82 v. Chr.)

Im Jahr 83 v. Chr. landete Lucius Cornelius Sulla daraufhin mit ca. 40.000 Mann bei Brundisium. Die beiden Konsuln des Jahres rüsteten. In diesem Jahr kam es zu einigen Gefechten. Sulla wurde dabei von zwei Mitgliedern des späteren ersten Triumvirats unterstützt:

Das Jahr 82 v. Chr. brachte schließlich die Entscheidung. Die beiden Konsuln dieser Amtszeit wurden getötet. Wegen seiner militärischen Dominanz wurde Lucius Cornelius Sulla vom Senat als Prokonsul bestätigt. Er erhielt Amnestie.

Außerdem war der Staat führerlos. Das politische System der Römischen Republik verlangte die Ernennung eines Zwischenkönigs. Dieser sollte so schnell wie möglich für (Konsulats-)Wahlen sorgen.

Lucius Cornelius Sulla zeigte in diesem Chaos viel diktatorisches Feingespür. Er verhalf dem gekauften Lucius Valerius Flaccus in das Amt des Zwischenkönigs. Dieser brachte im Anschluss ein Gesetz auf den Weg, die lex valeria. Dieses Gesetz schuf einen legalen Weg zur Errichtung einer Diktatur für Sulla.

Der Senat und das Volk stimmten der lex valeria zu. Zentrale Merkmale des Gesetzes waren, dass die Kompetenzen des Diktators definiert wurden. Vor allem war die Diktatur von Lucius Cornelius Sulla zeitlich unbegrenzt.

Die ersten Proskriptionen der Römischen Republik

Dann marschierte Lucius Cornelius Sulla in Rom ein. Sofort erließ er die ersten Proskriptionen. Es wurden Listen von seinen (innen-)politischen Feinden erstellt. Diese wurden für vogelfrei erklärt.

Teils wurden Kopfgelder ausgesetzt. Eine Kontrolle der Listen erfolgte nach der Aushängung nicht mehr. Es kam zum Missbrauch der Listen. Insgesamt wurden 4.700 römische Bürger getötet. Einige überlebten jedoch die Ausschreibung ihres Namens in den ersten Proskriptionen, bspw. Julius Caesar.

Eingriffe in das Politische System (82 v. Chr. bis 79 v. Chr.)

Lucius Cornelius Sulla veränderte massiv das politische System der Römer. Er ließ die Reformen von Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus völlig aufheben. Der Senat wurde gestärkt. Die Optimaten wurden mächtiger. Andere Institutionen wurden geschwächt. Die Popularen wurden verfolgt und die Unterschicht verlor an Einfluss.

Die Zahl der römischen Senatoren wurde von 300 auf 600 angehoben. Die neue Aufgaben, wie im Bereich der Jurisdiktion, mussten auch personell bewältigt werden. Der Senat musste wegen der Erweiterung und der Toten des Bürgerkriegs zu 3/4 neu besetzt werden. Sulla konnte 450 neue Aufsteiger ernennen.

Lucius Cornelius Sulla veränderte die Bedingungen für die Ernennungen. Ursprünglich hatten die Zensoren hierbei eine prüfende Gewalt. Sulla bestimmte, dass nun ein bestimmter Fortschritt in der (Ämter-)Laufbahn die Voraussetzung für die Ernennung zum Senator war.

Er legte auch fest, dass die Laufbahn nur in vorgeschriebener (Ämter-)Folge zu absolvieren war. Ein Überspringen von unbeliebten Ämtern wurde verboten. Die Wiederbewerbung für ein Konsulat war erst nach 10 Jahren wieder möglich.

Lucius Cornelius Sulla regelte auch die Phase nach einem Konsulat. Ein Prokonsul musste Rom verlassen und sich umgehend in die seine Provinz begeben. Diese Provinz durfte der Prokonsul nicht eigenmächtig verlassen. Nach Ablauf des Prokonsulats musste er sich jedoch umgehend aus der Provinz entfernen. Für die Zukunft sollte ein politischer Missbrauch des Prokonsulats verhindert werden.

Den Volkstribunen nahm er die persönliche Perspektive. Wer dieses Amt bekleidet hatte, durfte keine weitere Karriere machen. Das Amt wurde uninteressant für Leute mit Ehrgeiz. Noch dazu wurde das Veto-Recht beschränkt. Die politische Abstimmung der Volkstribunen mit dem Senat wurde zum Zwang.

Absicherung des Systems

Lucius Cornelius Sulla sicherte sein System ab. Er platzierte Freunde an wichtigen Stellen. Die vielen Beförderungen und neuen Aufgaben im Senat eröffneten dabei zahlreiche Chancen für loyale Aufsteiger.

Außerdem berücksichtigte er die sozialen Ängste der Soldaten. Er gründete (Veteranen-)Siedlungen und vergab Land. Insgesamt wurden 23 Legionen mit Land bedacht. Wichtig ist hierbei die Rechtsform der Vergabe von Land.

Es handelte sich auch nach der Zuteilung um öffentliches Eigentum. Der einzelne Soldat durfte sein Land nicht verkaufen oder verschenken. So entstand eine örtliche Bindung für treue Veteranen.

Abdankung und Ende von Sullas Diktatur

Im Jahr 79 v. Chr. dankte Lucius Cornelius Sulla ab. Über die Gründe wird in der Forschung spekuliert. Vielleicht sah er seine Mission als Optimat als erfüllt an. Vielleicht wurde er amtsmüde. Aber er bot der Römischen Volksversammlung seine Rechenschaft an.

Dann verließ er Rom und zog mit seiner Ehefrau auf das Land. Er verbrachte wohl noch ein sehr gutes und freizügiges Jahr. Dann starb Lucius Cornelius Sulla eines natürlichen Todes.