Gustav II. Adolf von Schweden

Gustav II. Adolf – König von Schweden

Gustav II. Adolf wurde am 19. Dezember 1594 geboren. Als König von Schweden führte er zeitweise die Protestanten im 30-jährigen Krieg. Zahlreiche Siege trugen die schwedischen Truppen dabei von der Landung auf Usedom bis zur Besetzung von München im Mai 1632.

Die Festung Marienberg oberhalb von Würzburg wurde von Gustav Adolf erobert.
Festung Marienberg in Würzburg (pixabay)

Der schwedische König errang dabei neben den militärischen Siegen auch große propagandistische Erfolge. Als „Löwe aus Mitternacht“ wurde er von vielen Städten als Befreier begrüßt. Doch mit seinem Heerzug durch Deutschland brachte Gustav II. Adolf vor allem auch sehr großes Leid über die Bevölkerung.

Gustav II. Adolf fand schließlich in Albrecht von Wallenstein seinen größten Gegner. In der Schlacht von Lützen suchte er die Entscheidung gegen den katholischen Feldherrn. Dabei fand der kurzsichtige König am 16. November 1632 jedoch selbst den Tod.

Der draufgängerische König wollte während der Schlacht von Lützen eine Verstärkung auf kürzestem Weg von seinem rechten auf den linken Flügel führen. Dabei bewegte er sich aber nicht hinter, sondern zwischen den Frontlinien. Bei dieser grandiosen Aktion geriet Gustav II. Adolf in das Feuer von feindlichen Musketieren. Eine Kugel traf den Arm, so dass sein Begleiter die Zügel führen musste.

Außerdem erschienen kaiserliche Reiter in der Szene. Gustav II. Adolf wurden dann aus kurzer Entfernung von einem Schuss aus der Pistole des Moritz von Falkenberg in den Rücken getroffen. Die tödliche Kugel trat unter dem rechten Schulterblatt ein und zerstörte die Lunge.

Anschließend stach man auf den Verwundeten ein und zur Sicherheit hat man ihm dann noch in den Kopf geschossen. Moritz von Falkenberg wurde jedoch selbst umgehend von einer Kugel getroffen, so dass Gustav II. Adolf unerkannt fiel. Die Leiche wurde gefleddert und man fand ihn erst sehr viel später unter einem Berg von anderen Toten wieder.

Gustav II. Adolf kannte Moritz von Falkenberg. Er hatte ihn erst kurz zuvor aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Mit Dietrich von Falkenberg hatte der Offizier der kaiserlichen Kürassiere nämlich einen Vetter, der für den schwedischen König bei der Belagerung von Magdeburg gefallen war.

Haus Wasa – die Könige von Schweden

Gustav I. Wasa und das schwedische Reich

Gustav II. Adolf stammte aus der Dynastie der Wasa. Aus dieser Familie kamen von 1521 bis 1654 die Könige von Schweden. Darüber hinaus stellte eine weitere Linie von 1587 bis 1668 auch die Könige von Polen.

Die Familie war erst unter der Führung von Gustav I. Wasa aus dem mittleren Adel aufgestiegen. Dieser hatte sich in den Kämpfen gegen den dänischen König Christian II. ausgezeichnet. Nach dem Ende der Kalmarar Union von Dänemark und Schweden wurde Gustav I. Wasa zum ersten König gewählt.

Bereits unter Gustav I. Wasa wurde in Schweden die Reformation eingeleitet. Die Lehren von Martin Luther verbreiteten sich deshalb früh in dem skandinavischen Land. Das schwedische Reich wurde zu einer Bastion des Protestantismus.

Schweden war zu diesem Zeitpunkt jedoch ein sehr rückständiges Land. Darüber hinaus war das landwirtschaftliche geprägte Reich auch hoch verschuldet. Die Herrschaft der Wasa war außerdem nicht vollständig konsolidiert. Dies galt für die territoriale Durchdringung wie auch für politische Konflikte mit dem schwedischen Adel.

Gustav II. Adolf als König einer Großmacht

Gustav II. Adolf war der sechste König aus der Dynastie der Wasa. Seit seinem legendären Vorgänger hatte das Königshaus jedoch auch weniger glückliche Vertreter hervor gebracht. Das Land war arm geblieben und war nach wie vor von Konflikten geprägt.

Als Gustav II. Adolf mit 17 Jahren den Thron bestieg, musste sich der junge Monarch deshalb in einer schwierigen Beziehung mit schwedischen Hochadel behaupten. Er war nämlich auf die Kooperation des Reichstages angewiesen.

Neben den innenpolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen war die Politik des Reiches international von Rivalität geprägt. Dänemark war der Konkurrent in Skandinavien. Im Jahr 1613 musste Gustav II. Adolf dann sogar einen schmachvollen Friedensschluss mit Dänemark hinnehmen. Aber auch die polnischen Wasa stellten eine Konkurrenz in der Ostsee dar.

Aber Gustav II. Adolf fand in Axel Gustafsson Oxenstierna einen vertrauenswürdigen Reichskanzler. Der talentierte Politiker überlebte den König und blieb bis zum Jahr 1654 in dieser Funktion. Mit dieser Karriere und den Erfolgen erinnert der schwedische Kanzler deshalb sehr an Otto von Bismarck.

Zunächst reformierten sie die Verwaltung und modernisierten nach und nach das Militär. Gustav II. Adolf entwickelt sich dabei im Laufe seiner Regierungszeit zu einem historisch bedeutenden Militärreformer.

Den russisch-schwedischen Krieg von 1610 bis 1617 konnte Gustav II. Adolf zu einem günstigen Ende führen. Die karelische Landenge an der Grenze zwischen Finnland und Russland fielen an das schwedische Reich. Das Zarenreich wurde von der Ostsee abgeschnitten. Außerdem mussten sich die Russen aus Estland und Livland zurückziehen.

Damit hatte Gustav II. Adolf das schwedische Reich zu einer führenden Macht im Ostsee-Raum gemacht. Als der 30-jährige Krieg ausbrach, blieb er jedoch mehr als zehn Jahre lang in der Rolle des Beobachters. Der schwedische König interessierte sich jedoch sehr für das Engagement seines dänischen Konkurrenten Christian IV. sowie dessen spätere Niederlagen.

Militärreformen des Löwen aus Mitternacht

Der Gustav II. Adolf erwies sich im Laufe seines Lebens als ein innovativer Geist, der zahlreiche Neuerungen in das schwedische Militär brachte. Darüber hinaus reformierte er die Verwaltung und strukturierte insbesondere die Versorgung der Soldaten neu.

Insgesamt konnte Gustav II. Adolf so in Anlehnung an die Oranische Heeresreform der Niederlande ein schlagkräftiges Heerwesen aufbauen. Außerdem entwickelte sich die schwedische Flotte ebenfalls zu einem dominierenden Machtfaktor in der Ostsee:

  • Die Wehrpflicht wurde quasi eingeführt. Damit schuf Gustav II. Adolf die erste bezahlte nationale Armee der Neuzeit. Er rekrutierte mehr als 40.000 Mann, so dass bis zu 3 % der Bevölkerung unter Waffen stand.
  • Die Organisation der Soldaten wurde ebenfalls der Zeit angepasst:
    • Eine Kompanie bestand aus 72 Musketieren und 54 Pikenieren.
    • Ein Bataillon bestand aus vier Kompanien.
    • Ein Regiment bestand aus zwei Bataillonen.
    • Eine Brigade bestand zwei Regimentern.
  • Die Unteroffiziere erhielten mehr Einfluss. Dadurch verbesserte sich die Qualität der Führung und der Ausbildungsstand der Soldaten.
  • Grobe Uniformen und Rangabzeichen wurden eingeführt. Diese sollten einerseits die vielen neuen Inhaber von Befehlsgewalt kenntlich machen. Aber die Uniformierung diente auch dem Kampf- und dem Korpsgeist der Soldaten.
  • Eine strenge Disziplinarordnung wurde in der Armee eingeführt. Diese wurde sowohl gegen die eigenen Soldaten wie auch gegen Gefangene und Zivilsten angewendet. Damit war eine legale Grundlage für viele Gräueltaten gegenüber der Bevölkerung gelegt.
  • Für Feldprediger wurden Posten geschaffen. Diese sollte die Moral der Truppen in dem Krieg der Konfessionen heben.

Neben den organisationalen Reformen gab es auch zahlreiche Änderungen bei der Bewaffnung beziehungsweise bei der Taktik.

  • Gustav II. Adolf führte die Muskete ein. Dabei wurden Neuerungen realisiert wie eine Vereinfachung des Ladevorgangs, das verlässliche Radschloss für die Zündung sowie die Papierpatrone. Darüber hinaus gehörte der Drill an der Muskete zum Trainingsplan von schwedischen Soldaten.
  • Der schwedische König ließ eine leichte Artillerie entwickeln, um die Angriffe von schweren Reitern mit Pistolen, den Kürassieren, besser abwehren zu können. Diese leichten Geschütze wurden zwischen den Linien der Infanterie geführt und zeichneten sich durch ihre Beweglichkeit aus. Im Unterschied dazu konnten die schwere Geschütze des 30-jährigen Krieges im Laufe einer Schlacht praktisch nicht mehr verlagert werden.
  • Die leichte Kavallerie und insbesondere die drei Regimenter der „Hakkapeliitta“ aus Finnland unter dem Befehl von Torsten Stålhandske erhielten neue Einsatztaktiken. Normalerweise setzte die Kavallerie gegen die Formationen der Infanterie auf das Caracolla. Dabei handelte es sich um eine Taktik, bei der die Reiter zunächst im Vorbeireiten ihre Fernwaffen wie Pistolen auf die Pikeniere abfeuern. Dann wird in einem Bogen gewendet und anschließend frontal angegriffen. Doch Gustav II. Adolf experimentierte mit dem Keil und der Raute für Frontalangriffe, um Reihen gleich zu sprengen. Außerdem schulte er seine leichten Reiter in der Jagd auf feindliche Kavallerie. In dieser Rolle konnten sie dann immer wieder Schlachten entscheiden. Häufig führte der schwedische König die Hakkapeliitta (vom finn.: hakkaa päälle „hau drauf!“) sogar persönlich. In der Schlacht bei Lützen wurde er dabei getötet.

Schwedens Eintritt in den 30-jährigen Krieg

Belagerung von Stralsund und Allianzvertrag

In den ersten Jahren des 30-jährigen Krieges hatten sich die Katholiken unter der Führung von Kaiser Ferdinand II. weitgehend durchgesetzt. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Kriegsunternehmers Albrecht von Wallenstein dehnte das Haus Habsburg seinen Einfluss bis nach Nord-Deutschland aus.

  • 1626 verdrängten Kaiserliche die Dänen aus Mecklenburg.
  • 1627 ergab sich Wismar. Pommern wurde mit 20.000 Mann besetzt. Außerdem wurden Greifswald und Rügen eingenommen.
  • 1628 kapitulierte Rostock.

Die unabhängige, aber strategisch wichtige Stadt Stralsund verhandelte deshalb seit Anfang 1628 mit Gustav II. Adolf. Im Februar konnte sich die Stadt dann durch eine Zahlung von 30.000 Talern an den kaiserlichen Oberst Arnim noch etwas Zeit verschaffen.

Doch Albrecht von Wallenstein erteilte im April den Befehl, eine Garnison in der Stadt zu errichten oder sie zu belagern. Stralsund verweigerte sich und am 23. Mai 1628 begann schließlich die Belagerung. Doch innerhalb von zwei Tagen traf dänische Unterstützung in Stralsund ein.

Die Abgesandten von Stralsund und Gustav II. Adolf handelten daraufhin einen Allianzvertrag aus. Ab dem 23. Juni 1628 wurde die Stadt dann auch von schwedischen Truppen verteidigt.

Zusätzlich zu den 1.500 Mann der Stadt kamen so insgesamt noch weitere 4.700 Mann aus Dänemark und Schweden bei der Verteidigung von Stralsund zum Einsatz. Darunter waren jedoch auch Söldner. Vor allem irische und schottische Regimenter waren an den Kämpfen beteiligt.

In der Folge begab sich Wallenstein persönlich zur Belagerung. Diese entwickelte sich zu einer Katastrophe für die kaiserlichen Truppen. Bis Ende Juli 1628 starben 12.000 kaiserliche Soldaten bei der Belagerung von Stralsund. Wegen dieser Rückschläge und aufgrund von Versorgungsproblemen wurde die Belagerung von Oberst Arnim abgebrochen.

Bereits im August erschienen dann die Gesandten von Gustav II. Adolf in der Stadt. Sie erinnerten an die Abmachungen des Allianzvertrages. Die Schweden errichteten in der Folge eine dauerhafte Präsenz und später auch eine Garnison.

Desweiteren forderte Gustav II. Adolf ein Schutzgeld in Höhe von 100.000 Reichstalern von der Stadt. Außerdem musste Stralsund in den folgenden Jahren für den Aufbau der Garnison und deren Versorgung aufkommen. Dies machte schließlich etwa 40 % des städtischen Haushalts aus.

Der schwedische König Gustav II. Adolf erschien dann am 10. September 1630 persönlich in der Stadt. Er inspizierte dabei die Stralsunder Stadtbefestigungen und befahl deren Ausbau.

Landung bei Peenemünde auf Usedom

Am 18. Januar 1629 erteilte der schwedische Reichstag dann Gustav II. Adolf das Mandat, aktiv in den 30-jährigen Krieg einzugreifen. Der König stellte daraufhin eine Streitmacht von etwa 13.000 Mann auf.

„Es gibt keine bessere Verteidigung für die Ostsee als die Offensive.“

Gustav II. Adolf vor dem schwedischen Reichstag

Am 6. Juli 1630 landeten die Schweden bei Peenemünde auf Usedom. Der Ort ist bis heute bekannt als Stützpunkt für Marineverbände. Dort erhielt die Armee von Gustav II. Adolf großen Zulauf bis sie auf etwa 40.000 Mann angewachsen war. Den regionalen Fürsten zwang er in ein Bündnis.

Darüber hinaus ließ Gustav II. Adolf vorsorglich alle Flussmündungen in die Ostsee besetzen. Damit verfolgte er jedoch nicht nur militärische Zwecke. Der schwedische König erhob auch Zölle auf Handelswaren. Diese Einnahmen nutzte er zur Finanzierung des Feldzuges. Die Mittel reichten jedoch noch lange nicht aus.

Bündnis mit Kardinal Richelieu

Die diplomatischen Aktivitäten des schwedischen Königs im Jahr 1630 reichten sehr weit. Es gelang ihm, sich die tatkräftige Unterstützung einer weiteren Großmacht zu sichern. Diese fürchtete nach den Erfolgen Wallensteins mit dem Heiligen Römischen Reich einen übermächtigen Nachbarn.

Am 24. Januar 1631 wurde der Vertrag von Bärwalde von Schweden und Frankreich unterzeichnet. Kardinal Richelieu war dabei der Drahtzieher auf französischer Seite. Er hatte keinerlei Bedenken, ein Bündnis mit einer protestantischen Macht einzugehen. Vielmehr sah der Erste Minister eine gute Chance, dem Haus Habsburg zu schaden.

  • Schweden verpflichtete sich, ein Heer mit 30.000 Fußsoldaten und 6.000 Reitern nach Deutschland zu führen.
  • Frankreich verpflichtete sich, dafür jährlich 400.000 Reichstaler zu zahlen. Dies entsprach etwa 20 % der Kosten für den Unterhalt einer solchen Streitmacht.
  • Die Mächte vereinbarten desweiteren die Religionsfreiheit.

Der Vertrag von Bärwalde war auf fünf Jahre befristet. Am 9. April 1633 wurde er jedoch vorzeitig erneuert.

Feldzug der Schweden durch Deutschland

Belagerung von Magdeburg

Noch im Jahr 1630 hatte Gustav II. Adolf den Oberst Dietrich von Falkenberg nach Magdeburg geschickt. Die Stadt wurde von kaiserlichen Truppen bedroht. Die Stadtbefestigung befand sich jedoch in einem schlechten Zustand und es fehlte an Soldaten.

Der schwedische Oberst übernahm daraufhin die Kommandantur in der Stadt. Im Rahmen seiner Möglichkeiten setzte er die Wehranlagen in Stand. Doch während Gustav II. Adolf im April 1631 in Frankfurt an der Oder einmarschierte, rückten kaiserliche Truppen unter Tilly gegen Magdeburg.

Der schwedische König konnte nicht rechtzeitig Hilfe senden. Auch die Mühen des Dietrich von Falkenberg blieben letztlich ohne Erfolg. Magdeburg wurde erobert und zur Plünderung freigegeben.

Dabei kam es zu einem Massaker an der Bevölkerung und es brachen Brände aus. Ein Feuersturm tobte durch die Stadt und vernichtet zahlreiche Häuser. Die Gewalt nahm so überhand, dass sich der Begriff „Magdeburgisieren“ für die totale Vernichtung einer Stadt etablierte.

Nach den anfänglichen Erfolgen fasste Gustav II. Adolf den Mut, tiefer nach Deutschland vorzustoßen. Ein Feldherr des 30-jährigen Krieges war jedoch keinesfalls frei bei der Wahl der Marschrichtung. Das ganze Material und insbesondere die Kanonen mussten mit Muskelkraft bewegt werden.

Deswegen folgten die Heere des 30-jährigen Krieges nach Möglichkeit den Flüssen. Mit Hilfe der Wasserwege konnte die immense Logistik einer solchen Armee besser bewältigt werden.

Schlacht bei Breitenfeld

Am 17. September 1631 kam es zur ersten großen Schlacht zwischen schwedischen und kaiserlichen Truppen unter dem Befehl von Tilly. In der Schlacht bei Breitenfeld nördlich von Leipzig trafen zwei Armeen mit je mehr als 30.000 Mann aufeinander.

Den Auftakt der Schlacht dominierte die schwedische Artillerie mit einer überlegenen Feuerrate. Tilly versuchte deshalb mit einem Vorstoß von vier Gewalthaufen auf dem rechten Flügel die doppelte schwedische Schlachtreihe zu brechen. Dabei konnten die kaiserlichen Kürassiere unter von Pappenheim kurzzeitig sogar in den Rücken der Schweden vordringen.

„Glaubensfreiheit für die Welt, rettete bei Breitenfeld – Gustav Adolf, Christ und Held.“

Aus Erschöpfung musste sich die kaiserliche Kavallerie jedoch zurückziehen. Gustav II. Adolf ließ daraufhin seine eigene Line in eine Diagonale schwenken. So stand nun plötzlich die legendäre bayrische Artillerie der Kaiserlichen entblößt da. Sie wurde Opfer einer Attacke der leichten Kavallerie. Der König führte den Angriff persönlich.

Die Schlacht bei Breitenfeld war nicht nur die größte Schlacht des 30-jährigen Krieges. Sie brachte auch eine entscheidende Wende in das Geschehen. Der große General Tilly mit seiner vermeintlich unbesiegbaren Artillerie hatte eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Für Gustav II. Adolf und die Schweden hingegen öffnete sich nun das Tor in das Heilige Römische Reich.

Fall der Festung Marienberg

Nach dem Sieg bei Breitenfeld zogen die Schweden weiter nach Süden. Würzburg mit seiner Lage am Main war deshalb ein wichtiges Ziel für Gustav II. Adolf. Die Stadt und der Fluss wurde im 30-jährigen Krieg von der mächtigen Festung Marienberg kontrolliert. Die eindrucksvolle Anlage auf der Spitze eines lang gezogenen Bergkamms war zuletzt im Jahr 1525 während des Deutschen Bauernkrieges angegriffen worden.

Unter dem Befehl von Florian Geyer und Götz von Berlichingen hatten 15.000 Mann den Marienberg etwa drei Wochen lang belagert. Dabei hatte es mehrere Angriffe und vor allem einen großen nächtlichen Sturm gegeben.

Doch Sebastian von Rotenhan hatte den Berg mit 16 Rotten mit je 16 Mann noch sehr erfolgreich verteidigen können. Aber die Feuerkraft der Kanonen hatte sich in den etwa hundert Jahren entscheidend weiterentwickelt. Außerdem waren die schwedischen Truppen unter Gustav II. Adolf sehr viel professioneller als die deutschen Bauern.

Zunächst wurden die Mauern der Vorstadt eingeschossen. Die Stadt selbst stand den Schweden dann offen und wurde geplündert. Der Marienberg war zu diesem Zeitpunkt mit 800 Mann besetzt. Darüber hinaus befanden sich zahlreiche Zivilisten auf dem Gelände, vor allem aus dem Klerus. Einen ersten Angriff aus Richtung der Stadt konnten sie noch zurückweisen.

Die schwedische Artillerie eröffnete dann am Morgen des 18. Oktober 1631 das Feuer von Westen. Dabei sollte sich die altitalienische Manier der Mauer des Vorhofs als fatal verwiesen. Das Tor war noch dazu mit Säulen versehen. So entstand am verletzlichsten Punkt der Festung ein toter Winkel, auf den die Verteidiger praktisch nicht einwirken konnten. Bis heute ist diese fatale Prunksucht der Würzburger Fürstbischöfe erkennbar.

Das mächtige Scherenberg-Tor der Festung Marienberg
Das Scherenberg-Tor der Festung Marienberg in Würzburg (pixabay)

Den Schweden gelang es deshalb binnen kürzester Zeit, sich im toten Winkel festzusetzen. Dann gelang ihnen die Sprengung des Tores zum Echterschen Vorhof. Für einen solchen Fall hatte der Kommandant eine Reihe von Geschützen auf die Innenseite des Tores gerichtet, um die anstürmende Schweden aus nächster Nähe zu beschießen.

Doch die Mannschaften an den Kanonen flohen nach der Sprengung des Tores tiefer in die Festung. Die Platzierung von schussbereiter Artillerie unmittelbar vor dem inneren Scherenberg-Tor erwies sich als katastrophale Entscheidung. Die Schweden drehten die Geschütze einfach um 180 Grad und knackten damit sofort auch die innerste Verteidigungslinie. Die Festung war gefallen.

Die Verteidiger wurden alle massakriert. Gustav Adolf war es binnen kürzester Zeit gelungen, die strategische Kontrolle über das heutige Nord-Bayern zu erringen. Noch am selben Tag begannen die Schweden, die beschädigten Mauerwerke auszubessern und zusätzliche Schanzen anzulegen.

Einige schwedische Soldaten ließen es sich dabei nicht nehmen, von der Festung aus eine kleine Kirche auf dem benachbarten Berg zu beschießen. Bis heute findet sich am Käppele eine eingeschlagene Kugel im Rahmen des Portals. Dabei handelt es sich um ein etwa faustgroßes Geschoss aus einer Feldschlange.

Gustav Adolf und die Rückkehr Wallensteins

Besetzung von München

Nach den Erfolgen gegen Tilly setzte Gustav II. Adolf den Kaiserlichen immer weiter nach. Dabei stieß er bis tief in das Heilige Römische Reich vor. Noch im März 1632 standen die katholischen Truppen in Erlangen und zogen sich dann weiter zurück.

Die Schweden plünderten zunächst Bayern. Dann nutzte Gustav II. Adolf die Chance und besetzte im Mai 1632 die Hauptstadt München. Kaiser Ferdinand II. fürchtete nun, das protestantische Heer würde weiter bis nach Wien ziehen, um ihm schließlich dort persönlich die Friedensbedingungen zu diktieren.

Doch Albrecht von Wallenstein erwies sich erneut als Retter in höchster Not. Kaiser Ferdinand II. bat ihn erfolgreich, die Rolle als Generalissimus erneut zu übernehmen. Dies brachte das ersehnte Ende des schwedischen Vormarsches.

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches überschätzte mit dieser Reaktivierung Wallensteins jedoch seinen schwedischen Gegner. Der Löwe aus Mitternacht hatte offenbar keinen Plan für die Zeit nach der militärischen Auseinandersetzung.

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler bezeichnete die Besetzung Münchens deshalb als einen „Ausdruck strategischer Ratlosigkeit“.

Aber weil sich Gustav II. Adolf soweit in den Süden gewagt hatte, konnte Wallenstein nun mit seinen Truppen leicht die Linien der Versorgung bedrohen. Er versammelte ein Heer und zog damit von Böhmen nach Nürnberg. Mit diesem einfachen Schachzug stand Wallenstein nun im Rücken der Schweden.

Doch das Manöver von Wallenstein hatte ein entsprechendes Timing erfordert und der Preis erwies sich als sehr viel höher als gedacht. Dass Bayern währenddessen immer weiter verwüstet wurde, trug man dem Kriegsunternehmer nämlich übel nach. Es war einer der Gründe, die nur eineinhalb Jahre später zur Ermordung Wallensteins in Eger führten.

Belagerung von Nürnberg

Nach dem Erscheinen Wallensteins in Nürnberg wendete Gustav II. Adolf umgehend sein Heer und zog gegen die Franken-Metropole. Zum Glück der Schweden eilte ein Entsatzheer unter dem Befehl des Kanzlers Axel Oxenstierna mit Verstärkung herbei.

Als sich die schwedischen Kräfte vereinigt hatten, boten sie den Kaiserlichen gleich am 31. August 1632 die Schlacht an. Auf beiden Seiten standen je etwa 27.000 Mann. Wallenstein weigerte sich jedoch zunächst und verblieb in seinen Stellungen. Diese wurden ab dem nächsten Tag erfolglos beschossen und berannt.

Gustav II. Adolf ließ daraufhin ein Feldlager auf der Fürther Hardhöhe errichten. Von dort aus begann am 3. September 1632 eine frontale Offensive. Die Schweden hatten sich in drei Flügeln zu einer Schlachtlinie mit einer Breite von 2,7 Kilometern aufgestellt. Dann gingen sie zum Angriff über.

Im Zentrum entwickelte sich die entscheidende Schlacht an der Alten Veste. Das ist eine Burgruine aus dem frühen 13. Jahrhundert, die immer noch existiert. Der fränkische Volksmund kennt den Ort als „Burg Berch“. Der heutige Aufgang zum Aussichtsturm diente im September 1632 als Stellung für die kaiserliche Artillerie.

Vorsorglich hatte Albrecht von Wallenstein das Gelände roden lassen. Seine Truppen hatten deshalb freies Schussfeld. Sie konnten sich dann auch in dieser zentralen Bastion halten. Doch bis zum Anbruch der Dunkelheit hatten die schwedischen Verbände andere Stellungen der Verteidiger einnehmen können.

Doch in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1632 begann es zu regnen. Das Material der Soldaten des 30-jährigen Krieges war nur leider sehr anfällig für Nässe. Vor allem die Zündlunten der Musketen und Kanonen funktionierten dann nicht mehr verlässlich. Der heftige Dauerregen verhinderte sogar die Verlagerung der schweren Artillerie.

Am Vormittag des 4. September 1632 wurde die Schlacht von Gustav II. Adolf abgebrochen. Die Verluste waren mit etwa 1.200 Mann zwar relativ gering ausgefallen. Doch der fehlende Sieg wirkte psychologisch wie eine Niederlage. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit des Löwen aus Mitternacht ging bei Nürnberg verloren.

Tod in der Schlacht von Lützen

Nach der gefühlten Niederlage bei Nürnberg zog Gustav II. Adolf nach Norden. Da nutzte Wallenstein den Moment, um gegen das protestantische Sachsen zu marschieren. Der schwedische König erhielt diese Nachricht, als er sich in Naumburg befand.

Er marschierte mit seinem Heer umgehend los, um den Verlust von Sachsen zu verhindern. Südwestlich von Leipzig bei Lützen trafen dann am 16. November 1632 je etwa 13.000 Mann aufeinander. An diesem Tag hing über dem Schlachtfeld ein dichter Nebel, der sich erst gegen 11 Uhr langsam löste.

Wallenstein stellte seine Armee bei Lützen in einer schiefen Schlachtordnung zu Lasten des linken Flügels auf. Dort wurde die Ankunft der schweren Kavallerie unter Graf zu Pappenheim erwartet. Dieser befand sich mit seinem Regiment und einiger Artillerie bereits auf dem Weg in ein Winterlager.

Doch Eilboten hatten die Pappenheimer rechtzeitig eingeholt und zurück befohlen. Die Kavallerie des draufgängerischen Heerführers traf zum Höhepunkt der Schlacht ein. Sofort gingen etwa 3.000 Reiter in einen fliegenden Angriff über. Bei diesem Manöver wurde Graf zu Pappenheim umgehend tödlich verletzt. Seine Reiterei flohen daraufhin wieder.

Doch ungeachtet der filmreifen Episode auf dem linken Flügel hielten die 14 Kanonen von Wallenstein auf seinem rechten Flügel ihr Versprechen. Die Schweden kamen unter massiven Druck und auch im Zentrum bröckelten ihre Linien. Gustav II. Adolf befand sich zu diesem Zeitpunkt bei seinem erfolgreichen rechten Flügel.

Der schwedische König wollte deshalb persönlich Kräfte gegen den starken Flügel der Kaiserlichen führen. Dabei wählte Gustav II. Adolf jedoch den kurzen Weg. Er ritt zwischen den Frontlinien von seinem rechten zu seinem linken Flügel.

Dabei wurde Gustav II. Adolf von feindlichen Musketieren gesehen und beschossen. Eine Kugel traf den linken Arm, so dass er sein Pferd nicht mehr führen konnte. Sein Begleiter Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg führte daraufhin die Zügel.

Doch sie wurden nun auch von kaiserlichen Kürassieren entdeckt. Diese zogen ihre Pistolen und feuerten dem verwundeten König in den Rücken. Die tödliche Kugel soll Moritz von Falkenberg abgegeben haben, ein kaiserlicher Kürassieroffizier. Er war der Vetter des Dietrich von Falkenberg. Dieser hatte Magdeburg für Schweden verteidigt und war dabei gefallen.

Aus der Nähe versetzten die Reiter Gustav II. Adolf dann weitere Stiche in den Rücken. Dabei bleib er jedoch zunächst unerkannt, weil von Falkenberg nach seiner Schussabgabe selbst getroffen wurde und fiel. Die Leiche von Gustav II. Adolf wurde gefleddert. Seinen Körper fand man erst sehr viel später unter einem Berg von anderen Toten.

Die Kämpfe gingen dann noch bis zum Einbruch der Dunkelheit weiter. Zu einer echten Entscheidung kam es jedoch nicht mehr. Am nächsten Tag führten der sächsische Kurfürst und der Kanzler Axel Oxenstierna die Truppen zurück nach Naumburg. Dieser übernahm auch zunächst die politische Nachfolge des toten Königs Gustav II. Adolf, dessen Ableben man anfangs verheimlichen wollte.

Aber die Schlacht bei Lützen brachte keiner Partei einen taktischen Sieg. Auch der Tod von König Gustav II. Adolf führte nicht zur strategischen Niederlage der Protestanten. Aber der schwedische König hatte die Protestanten in Deutschland als Gewaltakteur im 30-jährigen Krieg phasenweise geeint.

Nach seinem Tod und später der Ermordung des Albrecht von Wallenstein auf der katholischen Seite ging der 30-jährige Krieg in eine neue Phase über. Diese Jahre von 1632 bis zum Ende der Gewalthandlungen waren noch stärker von einer selbständig marodierenden Soldateska geprägt. Nach dem Tod der großen Organisatoren des Krieges nahm das Leid der breiten Bevölkerung sogar noch zu.