Wilhelm der Eroberer

Wilhelm I. von England – der Eroberer

Wilhelm der Eroberer wurde 1027 oder 1028 in Falaise geboren. Er stammte aus dem skandinavischen Wikinger-Geschlecht der Rolloniden. Sie kontrollierten zu diesem Zeitpunkt bereits seit über hundert Jahren die französische Kanalküste. Ab dem Jahr 1035 war er selbst dann als Wilhelm II. der Herzog der Normandie.

Wilhelm der Eroberer
Wilhelm der Eroberer auf dem Teppich von Bayeux (Lizenz: gemeinfreies Bild)

Doch 1066 setzte dieser Nachfahre von Jarl Rollo selbst die Segel und überquerte mit einer Streitmacht den Ärmelkanal. In der Schlacht bei Hastings besiegte er Harold II., den König der Angelsachsen. Mit einer Streitkraft von ursprünglich nur grob 10.000 Mann gelang dem Herzog der Normandie schließlich die Besetzung von ganz England.

Noch im Jahr 1066 ließ er sich in der Westminster Abbey zum englischen König krönen. Aus Wilhelm II. der Normandie wurde so Wilhelm I. von England. Die Nachwelt kennt ihn aufgrund seiner militärischen Erfolge jedoch als Wilhelm der Eroberer.

Bei dieser normannischen Eroberung der britischen Hauptinsel war vor allem der rasante Bau von zahlreichen Burgen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die wichtigste Anlage war der White Tower of London, mit dessen Errichtung Wilhelm der Eroberer bereits kurz nach seiner Ankunft begann.

Darüber hinaus lockte Wilhelm der Eroberer mit großen Versprechen viele weitere Normannen nach England. Sie ersetzten binnen weniger Jahre den einheimischen Adel und bildeten dabei selbst eine abgeschlossene Elite, um das Königreich auszubeuten.

Die Herrschaft von Wilhelm dem Eroberer war auch deshalb von zahlreichen Aufständen geprägt. Darüber hinaus wurde sein Herzogtum in der Normandie immer wieder bedroht.

Im Jahr 1087 ließ Wilhelm der Eroberer deshalb ein Grundbuch für England entwickeln. In diesem sogenannte Domesday Book wurden die Wirtschaftsgüter und Wehrpflichtigen systematisch erfasst. Zur damaligen Zeit war das eine innovative Verwaltungsreform, die die Steuererhebung und Mobilisierung entscheidend verbesserte.

Wilhelm der Bastard – Haus der Rolloniden

Rollo – Herzog der Normandie

Der spätere König Wilhelm I. von England stammte aus dem normannischen Haus der Rolloniden. Sie hatten ihre Wurzeln in Skandinavien und plünderten ursprünglich mit ihren Wikingerschiffen an der französischen Kanalküste.

Vom fränkischen Kaiser Karl dem Dicken konnte der Ahnherr Jarl Rollo erfolgreich einen Tribut von 350 Kilogramm Silber einfordern, was wesentlich zu dessen Sturz im Jahr 887 beitrug. Nach diesen anfänglichen Erfolgen wurden die Nordmänner in der reichen Region sesshaft und behaupteten sich auch zu Land.

Grab Jarl Rollo
Grab von Jarl Rollo im Notre-Dame de Rouen (Fotograf: Raimond Spekking / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Jarl Rollo verteidigte die Besitzungen dann sehr zäh in der Belagerung von Chartres im Jahr 911. Mit dieser Kampfkraft empfahlen sie sich König Karl dem Einfältigen als wertvolle Vasallen. Nach einer Verhandlung wurde Rollo dann ganz offiziell zum Herzog der Normandie ernannt und akzeptierte im Gegenzug den französischen König als seinen Lehnsherren.

Jarl Rollo legte mit diesem militärischen und auch diplomatischen Erfolg den Grundstein für eine der größten Dynastien des Mittelalters. Neben der späteren Eroberung von England sollte es den umtriebigen Nachkommen von Rollo auch gelingen, das Königreich Sizilien und das Fürstentum Antiochia einzunehmen.

Die Rolloniden starben zwar bereits 1167 im Mannesstamm aus. Doch Nebenlinien gehören beispielsweise durch das Haus Windsor bis heute zu den königlichen Familien Europas.

Wilhelm II. – Bastard von Robert dem Großartigen

Nach der Gründung des Herzogtums der Normandie im Jahr 911 war der spätere König Wilhelm I. von England der siebte Herzog aus dem Haus der Rolloniden.

  1. Jarl Rollo (911 bis 931)
  2. Wilhelm I. Langschwert (931 bis 942)
  3. Richard I. Ohnefurcht (942 bis 996)
  4. Richard II. der Gute (996 bis 1026)
  5. Richard III. (1026 bis 1027)
  6. Robert I. der Prächtige (1027 bis 1035)
  7. Wilhelm II. der Eroberer (1035 bis 1087)

Zwischenzeitlich gerieten die Rolloniden als Herzöge der Normandie jedoch sehr unter Druck. Rollos Sohn Wilhelm Langschwert wurde nämlich 942 während einer Verhandlung erschlagen.

Sein damals noch minderjähriger Sohn Richard Ohnehfurcht geriet in Gefangenschaft. Doch Harald Blauzahn aus dem Geschlecht der dänischen Jellinge leistete seinen skandinavischen Vettern handfesten Beistand und restaurierte die Position der Rolloniden.

Das gute Verhältnis des dänischen und des normannischen Hauses blieb lange bestehen. Der Vater des späteren Königs Wilhelm I. von England war dann auch mit Prinzessin Estrid von Dänemark verheiratet. Diese Ehe blieb allerdings kinderlos.

Mit der Gerberstochter Herleva hatte Herzog Robert I. der Prächtige jedoch zwei Kinder, den Sohn Wilhelm und die Tochter Adelheid. Damit war Wilhelm der Eroberer ein Bastard, was seine politischen Feinde auch gerne betonten. Daher auch die Bezeichnung als „Wilhelm der Bastard“.

Für ihn persönlich war die uneheliche Abstammung jedoch kein Problem. Viele normannische Herzöge entstammten solche Verbindungen aus Leidenschaft nach der „dänischen Sitte“, dem more danico.

Attentate auf das unmündige Kind

Im Jahr 1034 brach Robert der Prächtige zu einer Pilgerfahrt nach Jerusalem auf. Die Reise sollte er nicht überleben. Für den Fall seines Todes hatte er jedoch vor der Abreise die Adeligen seines Herzogtums auf Wilhelm einschwören lassen.

Auch der französische König gab dieser Nachfolgeregelung seinen Segen. Darüber hinaus wurden dem unmündigen Kind mehrere Berater zur Seite gestellt.

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1035 kam es jedoch zu zahlreichen Anschlägen auf das Leben von Wilhelm. Seine Berater wurden dabei nach und nach getötet.

Der Haushofmeister Osborn wurde beispielsweise bei einem Kampf im Schlafzimmer des jungen Wilhelm erschlagen. In der Folge übernahm zunächst der französische König die Regierung über das Herzogtum der Normandie.

Letztlich sollte es sogar bis zum Jahr 1060 dauern, bis sich Wilhelm als souveräner Herzog der Normandie behaupten konnte. Bis dahin musste er blutige Machtkämpfe überstehen und sich auch aus der Abhängigkeit von seinem Monarchen befreien.

Wilhelm als Herzog der Normandie

Wilhelm gab als Herzog der Normandie eine stattliche Figur ab. Anhand seiner sterblichen Überreste schätzte man seine Körpergröße zu Lebzeiten auf etwa 1,73 bis 1,75 Meter. Damit war er für seine Zeit relativ groß.

Wappen von Wilhelm dem Eroberer
Wappen der Herzöge der Normandie (Urheber: Sodacan von Wikimedia Commons / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Entsprechend der normannischen Gepflogenheiten trug Wilhelm keinen Bart. Sein Haupthaar war kurz geschnitten und hinter den Ohren rasiert.

Unter seiner Führung entwickelte sich das Herzogtum der Normandie zu einer reichen Gegend. Als Hauptstadt erwählte er Caen. Dort errichte Wilhelm einen stolzen Regierungssitz und suchte sich eine passende Ehefrau.

Mit Mathilde von Flandern fand er die Traumpartnerin. Sie war nicht nur die Tochter eines ebenfalls sehr mächtigen und befreundeten Herzogs. Die Beiden liebten sich offenkundig und Wilhelm hatte wohl zeitlebens keine Mätresse neben seiner Gemahlin.

Nur Papst Leo IX. wollte die Ehe verhindern, da eine Verwandtschaft fünften Grades vorlag. Damit war es nach dem Kirchenrecht eine inzestuöse Verbindung. Doch der Herzog der Normandie ließ sich nicht abhalten und heiratete Mathilde im Jahr 1050 (oder 1051).

Das Paar gründete später das Frauen- und das Herrenkloster von Caen. Das verbesserte die Beziehung zur römischen Kirche dann wieder.

Wilhelm pflegte als Herzog der Normandie eine standesgemäße Hofhaltung und empfing zahlreiche Persönlichkeiten des europäischen Hochadels. Besonders gut war seine Beziehung zu Eduard dem Bekenner, dem angelsächsischen König von England. Das war ein Nachfahre von Alfred dem Großen.

Die Freundschaft von Eduard dem Bekenner und dem Herzog der Normandie war sogar so gut, dass Wilhelm von dem Engländer als Nachfolger bestimmt wurde. Damit war eine Legitimation für die spätere Eroberung aufgebaut worden. Doch Eduard war nur leider ein sehr schwacher König, der dieses Versprechen wohl diversen Leuten gegeben hatte.

Wilhelm und die Eroberung von England

Meineid des Harold Godwinson

Die Eroberung von England durch den Herzog der Normandie hatte ein langes Vorspiel. Eduard der Bekenner versprach Wilhelm während eines Besuches im Jahr 1051, ihn als seinen Nachfolger auf dem Thron zu bestimmen. Als formale Legitimation für den Thronanspruch wurde die Ehe der Emma von der Normandie mit dem angelsächsischen König Æthelred dem Unberatenen aus dem Jahr 1002 angeführt.

Eduard der Bekenner entsandte dann sogar Harold Godwinson, den Earl of Wessex, in die Normandie. Dieser sollte als eine Art Interimsverwalter nach dem Tod von Eduard den Übergang gestalten.

Zu diesem Zweck legte Harold vor Zeugen auch einen heiligen Schwur ab. Die Zeremonie fand wahrscheinlich in der Krypta der Kathedrale von Bayeux statt. Es gibt eine Überlieferung der Worte, die bei diesem Eid gesprochen worden sein sollen:

Harold Godwinson
Harold Godwinson (Teppich von Bayeux / Lizenz: gemeinfreies Bild)

„Durch diesen Schwur werde ich, Harold, zum Vertreter Wilhelms am Hofe meines Königs Eduard zu dessen Lebzeiten. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um das Königreich England nach dem Tode Eduards in Wilhelms Hände zu übergeben. In der Zwischenzeit vertraue ich seinen Rittern die Burg von Dover an, nachdem sie von mir befestigt wurde sowie weitere Burgen im ganzen Land.“

Zweifellos war der Earl of Wessex zu diesem Eid jedoch gezwungen. Er handelte sicher nicht aus freiem Willen.

Aufgrund der innenpolitischen Situation in England hatte er nämlich einen eigenen Thronanspruch. Doch Harold Godwinson fügte sich zunächst in die Situation.

Am 4. Januar 1066 lag Eduard der Bekenner dann auf seinem Sterbebett und übergab die Herrschaft an Harold. Ob er ihn in Wilhelms Sinn zum Verwalter oder doch zum König ernannte, bleibt ungeklärt. Klar ist nur, dass der alte Eduard am folgenden Tag verstarb.

Harold Godwinson ließ sich dann als Harold II. zum neuen König von England krönen. Aus seiner Sicht handelte der Earl of Wessex dabei wohl rechtmäßig, aber vielleicht war ihm der Eid gegenüber Wilhelm auch einfach egal.

Vorbereitung der Invasion

Am Ostersonntag 1066 versammelte der Herzog Normandie daraufhin seine Barone. Er schwor sie auf einen Feldzug gegen England ein, aber musste hierfür auch zahlreiche Zugeständnisse machen. Den normannischen Adeligen wurden Reichtümer und vor allem auch Ländereien in England versprochen.

Denn von besonderer Bedeutung war, dass Wilhelm die normannischen Barone nur zu 40 Tagen Kriegsdienst im Jahr verpflichten konnte. Die geplante Kampagne nach England sprengte diesen Rahmen natürlich. Deshalb ließen sich die Barone ihre zusätzlichen Dienste teuer bezahlen.

Aus diesem Grund kam es bereits im Vorfeld zu weitreichenden Zugeständnissen an die Gefolgsleute von Wilhelm. Jeder Baron handelte dabei ein eigenes Abkommen insbesondere zur Verteilung der Ländereien aus. Wie sich später herausstellen sollte, wurde bereits damit ein wichtiges Kapitel der gesellschaftspolitischen Geschichte von Großbritannien geschrieben.

Nach dem Treffen am Ostersonntag 1066 bereitete Wilhelm die Invasion von England vor. Genaue Zahlen zu der Flotte und dem Heer sind jedoch leider nicht überliefert. Die Schätzungen bewegen sich um 10.000 Mann. Davon waren wahrscheinlich etwa ein Viertel Berittene.

Zum Transport von Männern und Material wurden grob 1.000 Schiffe auf einer Großbaustelle gezimmert. Dort wurden pro Tag alleine 30 Tonnen Weizen für Brot sowie weiteres Getreide und 36 Hektoliter Wein verbraucht.

Im April 1066 erschien der Halleysche Komet. Dabei handelt es sich um einen periodischen Kometen, der alle 75,3 Jahre an der Erde vorbeifliegt. Die nächste Ankunft wird am 28. Juli 2061 erwartet. Für die abergläubischen Menschen des Mittelalters war dieses Phänomen jedoch ein dunkler Vorbote für einen großen Umbruch.

Nach der rätselhaften Himmelserscheinung und einem langen Sommer der Vorbereitung stieg die Nervosität im Lager des Herzogs der Normandie. Doch dieser wartete mit der Überfahrt nicht nur auf günstige Winde, sondern auch auf einen Überfall durch Wikinger im Norden von England.

Angriff der Norweger bei York

Der neue englische König Harold II. legte sich durch seine Thronbesteigung nicht nur mit Wilhelm an. Sein Bruder Tostig Godwinson hatte sich nämlich daraufhin mit dem norwegischen König Harald Hardråde verbündet, um selbst wieder Earl von Northumbrien werden zu können.

Harald Hardråde
Münze von Harald Hardråde – König von Norwegen (Lizenz: gemeinfreies Bild)

Harald Hardråde versammelte deshalb im Sommer 1066 ebenso wie der Herzog der Normandie eine Invasionsstreitkraft. Dank seiner Kontakte und Spione war Wilhelm über den bevorstehenden Angriff der Wikinger auf England informiert.

Ganz bewusst überließ er ihnen den ersten Zug in diesem großen Schachspiel um den Thron von England. Die Norweger steuerten jedoch zunächst die Orkney Inseln an.

Harald Hardråde landete erst Mitte September 1066 in der Nähe von York in der Grafschaft von Northumbrien. Die angelsächsischen Verteidiger des Königreiches England eilten daraufhin in den Norden.

Am 25. September 1066 kam es dann zur Schlacht bei der Stamford Bridge. Das blutige Gefecht wurde wohl bereits im ersten Treffen entschieden. Das angelsächsische Heerwesen war den Wikingern inzwischen weit überlegen und zeigte sich in seiner vollen Blüte.

Harald Hardråde und der verräterische Tostig Godwinson wurden getötet. Die Wikinger erlitten eine schwere bis vernichtende Niederlage. Sie stellten anschließend nie wieder eine Bedrohung für England dar. Die Schlacht an der Stamford Bridge markierte damit das Ende der fast 300 Jahre langen Phase der Wikinger-Einfälle.

Englische Historiker resümierten im Jahr 2005: „Stamford Bridge was a crushing blow to Norse power. […] their kingdom’s military resources had been so depleted that it took almost a generation to recover from the slaughter of its warrior elite outside York.“

Doch diese Schlacht im Norden von England hatte zugleich auch die Südküste entblößt. Wilhelm hörte schon bald vom Marsch der Angelsachsen nach Northumbrien und stach nun selbst in See.

Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit verlief die Überfahrt nicht mehr ganz problemlos. Die Flotte des Herzogs der Normandie zerstreute sich zunächst, als dichter Nebel über dem Ärmelkanal aufkam.

Aber den Normannen gelang schließlich die Landung an der Südküste von England am Strand von Pevensey. Am 28. September 1066 waren sie nun unweit von Hastings angekommen.

Bei Pevensey wurde Wilhelm von ortskundigen Mönchen beraten. Sie zeigten ihm ein römisches Lager aus dem 4. Jahrhundert dessen Mauerreste sogar bis heute erhalten sind. Dort errichten die Normannen auch umgehend einen Beobachtungsturm, um das Gelände überblicken zu können.

Schlacht bei Hastings 1066

Am Tag nach der Landung am 28. September 1066 marschierte Wilhelm mit seinen Soldaten die Küste entlang nach Hastings. Auf dem Teppich von Bayeux erkennt man den Bau von zwei befestigten Lagern, um das Gebiet zu sichern.

Karte Schlacht von Hastings
Karte der Schlacht von Hastings (Zeichner: US Army / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Das Baumaterial für diese Anlagen hatte der Herzog der Normandie extra auf seinen Schiffen mitgeführt. Diese Fortifikationen konnten deshalb sehr schnell errichtet werden.

Die erschöpfte, aber dennoch hoch motivierte Armee der Angelsachsen bewegte sich derweil in einem Gewaltmarsch wieder nach Süden. König Harold II. musste sich so beeilen, weil auch ein großer Teil seiner Streitmacht nur für eine begrenzte Zeit zum Kriegsdienst verpflichtet war:

  • Die Huscarle waren Adelige, die zu einer Schlacht ritten, um dort jedoch als schwere Infanterie zu kämpfen. Sie waren die Elite der angelsächsischen Armee und nutzten als taktische Formation häufig den Schildwall der germanischen Krieger. Darüber hinaus waren Äxte bei diesen Huscarlen weit verbreitet. Dazu gehörten sowohl Wurfäxte wie auch Hiebwaffen mit langen Stielen, die sogenannten „dänischen Äxte“.
  • Die Fyrd war die Miliz der freien Bauern. Sie waren für ihre Ausrüstung selbst verantwortlich und deshalb häufig nur mit Speeren oder Knüppeln bewaffnet. Meist fehlte auch die Rüstung. Die Dienstzeit in der Fyrd war auf wenige Wochen im Jahr begrenzt. Die Verpflichtung der Männer galt auch nur dem Heerführer und erlosch mit dessen Tod.

Am 14. Oktober 1066 trafen die Armeen von Wilhelm dem Eroberer und König Harold II. bei Hastings aufeinander. Die Angelsachsen positionierten sich zunächst sehr vorteilhaft auf einem etwa 40 Meter hohen Hügel. Nach Wilhelm von Poitiers, dem Chronisten des Eroberers, begann die Schlacht von Hastings dann um 9 Uhr morgens:

  1. Die Normannen setzen zunächst ihre Bogenschützen ein. Doch den Pfeilen fehlte es an Reichweite, um die höher positionierten Angelsachsen hinter ihrem Schildwall ernsthaft bedrohen zu können.
  2. Wilhelm der Eroberer ließ deshalb seine Infanterie vorrücken und die Reiterei angreifen. Doch auch nach etwa zwei Stunden war die Stellung von Harold II. auf dem Hügel noch nicht gebrochen. Darüber hinaus musste er große Verluste durch Wurfgeschosse der Engländer hinnehmen.
  3. Auf der linken normannischen Flanke brachte dann der Flügel der Bretonen die Wendung. Sie näherten sich zunächst der feindlichen Linie, um dann einen vorgetäuschten Rückzug anzutreten. Daran brach die Disziplin der englischen Huscarle. Sie setzten nach und lösten damit ihren Schildwall auf.
  4. Unter der persönlichen Führung von Wilhelm dem Eroberer stoppten die Bretonen das Täuschungsmanöver und wandten sich gegen die nachsetzenden Huscarle. Dabei wurden sie von den normannischen Reitern unterstützt, die mit ihren Lanzen die einzelnen Huscarle leicht attackieren konnten.
  5. Während dieser Aktion wurde das Pferd von Wilhelm tödlich getroffen und begrub den Herzog unter sich. Er konnte sich befreien und warf seinen eigenen Worten nach den nächstbesten Ritter von seinem Tier, um selbst wieder über ein Pferd zu verfügen. Dann nahm er seinen Helm ab, um allen zu zeigen, dass er noch lebt und die Gefahr nicht fürchtet. Im Nachgang der Schlacht von Hastings nutzte er diesen Zwischenfall, um sich als Held zu inszenieren.
  6. Anschließend versuchte Wilhelm der Eroberer erneut mit Bogenschützen und Fußsoldaten den Hügel zu stürmen. Doch erneut scheiterten die Normannen am Schildwall der Angelsachsen. In der Folge kam es zunächst zu einer kurzen Unterbrechung der Kampfhandlungen, um Verwundete und Tote vom Feld zu räumen.
  7. In diesem Intermezzo soll Wilhelm der Eroberer vier ausgewählte Männer zu sich gerufen haben. Er befahl ihnen, beim nächsten Angriff, den Schildwall zu durchbrechen und König Harold II. gezielt zu töten.
  8. Nach einer etwa 7-stündigen Schlacht wurde Harold II. dann tatsächlich getötet. Bis heute ist jedoch strittig, ob er von einem Pfeil im Augen getroffen oder durch den Schwerthieb eines Reiters getötet erlag. Auch ob dies ein Erfolg des Killerkommandos war, ist nicht überliefert.

Mit dem Tod von Harold II. waren die Männer der Fyrd von ihrem Kriegsdienst entbunden. Das Heer der Angelsachsen löste sich auf und die Fliehenden wurden von der normannischen Kavallerie niedergemacht. Das Gemetzel endete gegen 18 Uhr.

Die Verluste der beiden Seiten können jedoch nur schwer geschätzt werden. Man kann aber sicher sein, dass die Schlacht bei Hastings ein schreckliches Blutbad war. Als überzeugter Christ ließ Wilhelm der Eroberer später eine Kirche auf dem Schlachtfeld errichten, um dem lieben Gott für diesen großartigen Erfolg zu danken.

Erste normannische Burgen

Nach dem Sieg in der Schlacht von Hastings am 14. Oktober 1066 zog Wilhelm der Eroberer jedoch nicht sofort nach London. Zunächst ließ er seine Truppen in Süd-England Beute machen und erfüllte damit erste Versprechen vom Ostersonntag gegenüber seinen Baronen.

White Tower in London
White Tower of London – Sitz von Wilhelm dem Eroberer (pexels)

Nach den Plünderungen zog Wilhelm der Eroberer nach London. Dort ließ er seine Männer zunächst ein befestigtes Lager errichten. Die Anlage wurde zum heute weltbekannten White Tower of London weiterentwickelt. Der Baumeister hieß Gundulf und diente wohl als Vorbild für die Namensgebung des Gandalf im Fantasie-Epos von Tolkien: „Der Herr der Ringe“.

Bei dem White Tower handelt es sich um einen normannischen Keep, der sich durch sein wuchtiges Mauerwerk auszeichnet. Aufgrund der repräsentativen Lage an der Themse eignete sich die weiß gekalkte Burg auch ideal als Regierungssitz.

Zweifellos war die langfristige Bedeutung des Tower of London bereits beim Bau bedacht worden. Gundulf integrierte die Aborte nämlich alle auf der Nordseite, so dass nur die städtische Bevölkerung den Anblick von herablaufenden Exkrementen ertragen musste.

Doch Wilhelm der Eroberer wusste seine militärische Macht auch in der räumlichen Tiefe zu festigen. Umgehend wurden weitere Burgen errichtet, so dass man strategische Punkte mit wenigen Soldaten halten konnte. Die Normannen nutzten hierfür meist einen besonderen Typ, die Motte.

Keep von Windsor Castle
Windsor Castle war eine Motte von Wilhelm dem Eroberer. (pixabay)

Eine Motte beziehungsweise eine Motte-and-Bailey-Castle zeichnete sich durch einen runden Graben aus, dessen Aushub im Zentrum zu einem Hügel aufgeworfen wurde. Der Graben einer solchen Turmkegelburg hatte meist einen Durchmesser von etwa 20 bis 30 Metern.

Eine hölzerne Motte konnte angeblich in zehn Tagen errichtet werden. Gegebenenfalls vorhandene Wirtschaftsgebäude wurden dann mit einer Mauer umgeben, der Bailey. Das wohl prominenteste Beispiel einer noch existierenden Motte aus der Zeit von Wilhelm dem Eroberer ist der (inzwischen) steinerne Hauptturm von Windsor Castle.

Dieser Burgenbau der Normannen entwickelten sich in den Jahren seiner Herrschaft zu einem regelrechten Boom. Nach der intensiven Bautätigkeit zur Abwehr der Wikinger gegen Ende des 9. Jahrhunderts gab es laut den Aufzeichnungen im „Burghal Hidage“ insgesamt 33 Burgen im Süden und im Zentrum von England.

Bis zur Ankunft von Wilhelm dem Eroberer war die Zahl der Burgen auf etwa 50 Stück gewachsen. Bis 1100 hatte sich diese Zahl in etwa verzehnfacht.

Krönung als König Wilhelm I. von England

Wilhelm der Eroberer wurde dann bereits am Weihnachtstag des Jahres 1066 in der Westminister Abbey zum König von England gekrönt. Der Herzog der Normandie soll hierfür noch intensiv die Sprache seiner neuen Untertanen gelernt haben, denn er musste seinen Eid als König auf Englisch und auf Latein ablegen.

Doch Wilhelm der Eroberer traute dem Frieden wohl noch nicht so recht. Im Vorfeld hatte er das ganze Stadtviertel mit seiner Reiterei gesichert. Als die Zeugen der Zeremonie in der Westminister Abbey schließlich ihren neuen König bejubelten, hielten die normannischen Soldaten das Geschrei für Kampfgetümmel.

Kurzerhand zündeten die Reiter dann das Viertel an. Das Feuer entwickelte sich zu einem Großbrand und zerstörte schließlich weite Teile von London. Wilhelm der Eroberer ging zwar körperlich unversehrt aus den Ereignissen hervor, die Zerstörung der Hauptstadt am Krönungstag wurde von Zeitgenossen jedoch als denkbar schlechtes Omen gewertet.

Teppich von Bayeux und offene Fragen

Wohl ab 1082 ließ Königin Mathilde einen Bildteppich erstellen, um die ruhmreichen Taten ihres Ehemannes Wilhelm zu verewigen. Die Anfertigung geschah wahrscheinlich in Süd-England.

Bei diesem Teppich von Bayeux handelt es sich um eine Stickerei mit beeindruckenden Maßen. Das Kunstwerk ist bis heute erhalten und wird in Bayeux ausgestellt. Es ist die wichtigste Bildquelle aus der Zeit der normannischen Eroberung.

  • Höhe: 48 bis 52 Zentimeter
  • Länge: 68,38 Meter

Insgesamt wurden mindestens 45 Kilo Wolle für den Teppich verarbeitet. Für die Stickereien wurde Garn in zehn verschiedenen Farben verwendet. In 58 Szenen finden sich auf dem Teppich von Bayeux eine Vielzahl von Abbildungen und auch Text-Elemente:

  • 623 Menschen
  • 202 Pferde
  • 55 Hunde
  • 505 andere Tiere
  • 27 Gebäude
  • 41 Schiffe
  • 49 Bäume

Beginnend mit Eduard dem Bekenner wird die Geschichte der Eroberung von England erzählt. Dabei wird beispielsweise die Vorbereitung der Invasion dargestellt und anschließend die Überquerung des Ärmelkanals. Schließlich wird auf die Schlacht bei Hastings eingegangen.

Dennoch wirft der Teppich von Bayeux auch Fragen auf. Zunächst gibt es unterschiedliche Interpretationen einzelner Szenen wie hinsichtlich des Versprechens auf den Thron durch Eduard an Wilhelm den Eroberer im Jahr 1051.

Aber vor allem endet der Teppich von Bayeux mit dem Tod von König Harold II. und dem anschließenden Massaker an den fliehenden Soldaten in der Schlacht bei Hastings. Es ist schleierhaft, wieso die Geschichte nicht bis zur Krönung von Wilhelm dem Eroberer in Westminster Abbey erzählt wird.

Möglicherweise ist ein Teil des Teppichs verloren gegangen. Manche Historiker spekulieren aber auch aus weiteren Gründen, dass die Einnahme von London im Jahr 1066 eben nicht friedlich verlief, sondern sehr blutig war. Vielleicht haben die Angelsachsen noch ein letztes Aufgebot mobilisiert und sich auf der Stadtmauer gegen die Normannen verteidigt.

Angesichts der zahlreichen Spannungen im Land war es für Wilhelm den Eroberer aber sicher sinnvoll, seinen Sieg bei Hastings als das Ende der Geschichte darzustellen. Insofern kann es sich auch um eine bewusste Manipulation handeln.

Aufstände in England und der Normandie

Das große Problem von Wilhelm dem Eroberer nach seiner Krönung war jedoch, dass er nicht an mehreren Orten zugleich sein konnte. Wenn er sich in der Normandie aufhielt, revoltierten die Engländer und umgekehrt.

Auch der rasante Bau von Burgen konnte die Rebellionen letztlich nicht verhindern. Selbst mit seinem Bruder und Vizekönig, dem Bischof Odo von Bayeux, geriet Wilhelm der Eroberer schließlich in einen schweren Konflikt.

Hinzu kamen die Gefahren durch andere Machthaber. Der französische König bedrohte sein Herzogtum in der Normandie und auch das norwegische Königshaus hatte den Anspruch auf England noch nicht aufgegeben.

Wilhelm der Eroberer stand deshalb stets unter militärischem Druck. Aus diesem Grund war er entscheidend auf eine effiziente Steuererhebung sowie das Rekrutieren von Wehrpflichtigen angewiesen.

Domesday Book – Grundbuch von England

Im Jahr 1086 ließ Wilhelm der Eroberer ein Grundbuch für England erstellen. Dieses Verzeichnis sollte die Steuerschätzung und die Mobilisierung von Wehrpflichtigen verbessern.

Die offizielle Bezeichnung des Werkes war „Book of Winchester“. Das Original ist bis heute erhalten und befindet sich im National Archiv in London.

In diesem Book of Winchester wurden die wirtschaftlichen Güter von 13.418 Siedlungen erfasst, die sich bis zur damaligen Grenze zu Schottland an den Flüssen Ribble und Tees erstreckte. Wilhelm der Eroberer ging damit sehr viel weiter als Alfred der Große, dessen Erfassung von Grund in den 880er Jahren später im „Burghal Hidage“ aufgelistet wurde.

Domesday Book
Eine Seite aus dem Domesday Book von Wilhelm dem Eroberer (Lizenz: gemeinfreies Bild)

Das „Domesday Book“ war nämlich umfassender, sehr viel detaillierter und bezifferte beispielsweise auch den Bestand an Vieh sowie die Zahl der Wehrpflichtigen. Die schriftliche Fixierung solcher Zahlen wurde von den Einheimischen deshalb als Tag des jüngsten Gerichts, als Domesday, bezeichnet.

Mit diesem Domesday Book von Wilhelm dem Eroberer wurde aber nicht nur die steuerliche Verwaltung von England auf eine neue Grundlage gestellt. Zugleich wurden in dem Werk weitere Regeln erlassen. Diese waren sehr einseitig und dienten vor allem den Interessen der neuen Machthaber.

Beispielsweise erließ Wilhelm der Eroberer strafrechtliche Bestimmungen für den Bruch des Königsfriedens, Raub und Einbruch. Außerdem setzte er die Steuer für Eheschließungen fest.

Befremdlicherweise musste aber auch jemand, dessen Haus wegen eines Unfalls niederbrannte, Schadensersatz an den König zahlen. Der Hintergrund für eine solche Regelung war, dass Wilhelm der Eroberer mit dem Domesday Book jeglichen Eigenbesitz (Allodialbesitz) abschaffte und das ganze Land seiner Lehenshoheit unterwarf.

Damit schuf Wilhelm der Eroberer das geschlossenste Feudalsystem im gesamten mittelalterlichen Europa. Die einzige Grenze dieses Machtanspruches war eine Gewährleistung der Erblichkeit von verliehenen Lehen sowie eine Begrenzung der Erbschaftssteuer.

Der Effekt war, dass sich in England eine isolierte Aristokratie von etwa 100 Familien bildete, die fast ausschließlich normannischer Herkunft war. Innerhalb dieser Gruppe wiederum hatten elf Blutsverwandte von Wilhelm dem Eroberer ganz besonders profitiert und die Hälfte aller weltlichen Lehen erhalten:

  1. Odo von Bayeux, Earl of Kent
  2. Robert von Mortain, Earl of Cornwall
  3. William FitzOsbern, Earl of Hereford
  4. Roger de Montgomerie, Earl of Arundel und Earl of Shrewsbury
  5. William de Warenne, 1. Earl of Surrey
  6. Hugh d’Avranches, 1. Earl of Chester
  7. Eustach III. von Boulogne
  8. Alain der Rote, Earl of Richmond
  9. Richard de Bienfaite, Lord of Clare und Tonbridge
  10. Geoffroy de Montbray, Bischof von Coutances
  11. Geoffrey de Mandeville, Konstabler des Towers

Tod, Beerdigung und Nachfolge

Wilhelm der Eroberer wurde im Herbst seines Lebens stark fettleibig. Er hatte an Ansehen unter den europäischen Machthabern verloren und musste sich an zahlreichen Fronten verteidigen.

Im Jahr 1087 führte er einen letzten Feldzug gegen den König von Frankreich. Dieser hatte im Herzogtum der Normandie die Grafschaft Évreux eingenommen und das Umland geplündert.

Wilhelm dem Eroberer gelang jedoch im Spätsommer der Gegenschlag. Er konnte die Stadt Mantes einnehmen, plündern und niederbrennen.

Grabplatte Wilhelm der Eroberer
Grabplatte von Wilhelm dem Eroberer (Foto: Urban von Wikimedia Commons / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Schon beim Einzug in die Stadt litt Wilhelm der Eroberer unter starken Schmerzen. Es ist jedoch nicht bekannt, ob diese auf eine Erkrankung oder eine Verwundung zurückgehen.

Wilhelm der Eroberer wurde in der Folge bettlägrig. Er soll dann einen langsamen und qualvollen Tod gestorben sein. Er blieb dabei jedoch bei klarem Verstand und konnte Anweisungen zu seiner Nachfolge geben.

Den Thron von England vermachte er seinem zweiten Sohn Wilhelm II. Rufus. Weil mit Rebellionen zu rechnen war, verließ der Nachfolger das Sterbebett, um persönlich vor der Nachricht des Todes seines Vaters bereits auf der britischen Insel zu sein.

Wilhelm der Eroberer befahl außerdem eine große Spende an die Armen sowie die Freilassung von Gefangenen. Dann erhielt er noch die Absolution und die letzte Ölung. Am frühen Morgen des 9. September 1087 verstarb er schließlich.

„Hic sepultus est invictissimus Guillelmus conquestor Normanniae dux et Angliae rex hujusce domus conditor qui obiit anno MLXXXVII.“

„Hier begraben ist der gänzlich unbesiegte Wilhelm der Eroberer, Herzog der Normandie und König Englands, der Begründer dieses Hauses, der im Jahre 1087 verstorben ist.“

Der Leichnam wurde in die Kathedrale von Caen überführt. Dort soll es dann noch zu einer schauerlichen Szene gekommen sein:

Wilhelm der Eroberer war so dick, dass er nicht vollständig in den Sarg passte. Als man mit Kraft versuchte, den Deckel zu schließen, platzte der Körper auf. Der Geruch in der Kathedrale war dann so ekelhaft, dass selbst der verstärkte Einsatz von Weihrauch keine Abhilfe mehr schaffen konnte.

Es ist aber auch gut möglich, dass diese letzte Geschichte über Wilhelm den Eroberer nur feindliche Propaganda war. Derartige Behauptungen über die Leichen von mittelalterlichen Herrschern erzählt man gerne, um eine Abkehr Gottes von den jeweiligen Personen zu unterstellen. Beispielsweise wurden über Friedrich den Staufer nach seinem Tod ganz ähnliche Gerüchte verbreitet.