T. E. Lawrence von Arabien

T. E. Lawrence von Arabien – Agent

Thomas Edward Lawrence wurde am 16. August 1888 in dem kleinen Dorf Tremadog in Wales geboren. Er war der zweite Sohn einer Familie des englischen Landadels. Als junger Mann konnte er Geschichte an der University of Oxford studieren und lange Exkursionen durch den Nahen Osten unternehmen.

Übersichtskarte der Hedschas-Bahn
Lawrence von Arabien attackierte die Hedschas-Bahn. (Wikimedia Commons)

Ab Dezember 1914 war T. E. Lawrence dann als Offizier des britischen Nachrichtendienstes SIS in Kairo stationiert. Aufgrund seiner Orts- und Sprachkenntnisse fungierte der Agent als Verbindungsmann zu den Anführern des arabischen Unabhängigkeitskampfes gegen das Osmanische Reich.

„… die Tagträumer sind gefährliche Menschen, denn sie können ihre Träume mit offenen Augen leben, um sie in die Tat umzusetzen.“

In dieser Rolle unterstützte der später als Lawrence von Arabien bekannte Engländer den Aufstand mit Geld und Waffen. Außerdem förderte er die Anwendung von Guerilla-Taktiken und gilt damit als prägend für den Verlauf des Kampfes um die arabische Unabhängigkeit.

Lawrence von Arabien hatte allerdings auch trotz seines militärischen Ranges keine Erfahrung in der symmetrischen Kriegsführung. Außerdem fehlte es den revoltierenden Arabern an entsprechender Organisation. Dafür konzentrierten sie sich besonders auf:

  • Überraschungsangriffe auf kleine Militärposten
  • Sprengstoffanschläge auf die Hedschas-Bahn, eine mehr als 1.300 Kilometer lange Eisenbahnlinie von Damaskus in Syrien bis Medina in Saudi Arabien

Städte wurden erst im späteren Verlauf dieser arabischen Revolte angegriffen. Dabei leistete die britische Armee jedoch häufig eine entscheidende Waffenhilfe.

Nach dem Sieg in der Schlacht von Akaba in Jordanien am 6. Juli 1917 genoss Lawrence von Arabien auch das volle Vertrauen von General Sir Edmund Allenby, dem Befehlshaber der britischen Expeditionsstreitkräfte:

„I gave him a free hand. His cooperation was marked by the utmost loyalty, and I never had anything but praise for his work, which, indeed, was invaluable throughout the campaign.“

Für seine Führung in der Schlacht von Tafileh am 23. Januar 1918 wurde er zum Lieutenant Colonel befördert und mit dem Distinguished Service Order (DSO) ausgezeichnet. Später wurde T. E. Lawrence auch in den Most Honourable Order of the Bath aufgenommen.

Am 1. Oktober 1918 führte der britische Agent die arabischen Rebellen bis zur Einnahme von Damaskus. Doch am selben Tag marschierten auch britische Truppen in die Stadt ein und sollten von nun an die neuen Besatzer im Land sein. Mit diesem Ereignis wurde der schillernde Lawrence von Arabien endgültig zu einer tragischen Figur.

Lawrence von Arabien wusste zu diesem Zeitpunkt von einem bereits zwei Jahre alten Geheimabkommen. Dieses klärte die Aufteilung der Einflusssphären in der Region durch die europäischen Großmächte England und Frankreich. Die Freiheitsliebe der Araber war darin jedoch nicht berücksichtigt worden.

In der Folge versuchte Lawrence von Arabien vergeblich, sich für die Bestrebungen nach einer Unabhängigkeit für die Araber stark zu machen. Dabei fungierte er auch als Berater des späteren Premierministers Winston Churchill. Doch all diese Mühen waren vergeblich und er verfiel einer seelischen Krise, wie spätere Zitate deutlich machen:

„Wir durchlebten viele Leben während dieser verwirrenden Feldzüge und haben uns selbst dabei nie geschont; doch als wir siegten und die neue Welt dämmerte, da kamen wieder die alten Männer und nahmen unseren Sieg, um ihn der früheren Welt anzupassen, die sie kannten.“

Doch für die Engländer war Lawrence von Arabien ein Nationalheld. Bereits im Jahr 1917 hatte ein Journalist begonnen, seine Geschichte filmisch zu verarbeiten. Das Werk wurde in der Nachkriegszeit zu einem Publikumsmagneten.

Unter dem Titel „Die sieben Säulen der Weisheit“ erschienen im Jahr 1926 dann auch seine Erinnerungen an den Krieg. Der Name ist eine Anspielung auf eine Felsenformation in einem Wadi in Jordanien und geht zugleich auf einen Spruch von König Salomo im Alten Testament zurück.

Lawrence von Arabien starb am 19. Mai 1935 im Alter von nur 46 Jahren in Folge einer Kopfverletzung nach einem Motorradunfall. In der Nähe seines Hauses in Clouds Hill bei Wareham hatte er die Kontrolle über seine geliebte Brough Superior SS100 verloren und war über den Lenker geschleudert worden.

Im Jahr 1962 drehte schließlich der Hollywood Regisseur David Lean einen Kinofilm mit dem Titel „Lawrence von Arabien“. Der Streifen wurde mit sieben Oscars und vier Golden Globes ausgezeichnet.

Herkunft und Ausbildung

Bastard eines britischen Landadeligen

Thomas Edward Lawrence wuchs in einer konservativen viktorianischen Familie auf. Zumindest machte dies zunächst den äußeren Anschein.

Doch die beiden leiblichen Eltern hatten keinen Trauschein, weil der Vater bereits mit einer anderen Frau verheiratet war. Die Erkenntnis, ein Bastard zu sein, soll den Jungen erschüttert haben.

Nach den Moralvorstellungen seiner Zeit war er damit ein gesellschaftlicher Außenseiter. Der Junge flüchtete sich in seine Bücher und entdeckte eine Leidenschaft für das Mittelalter.

Außerdem soll der spätere Lawrence von Arabien bereits in seiner Kindheit lange, einsame Ausflüge unternommen haben. Dabei hatte er nur die notwendigsten Dinge bei sich und genoss diesen Minimalismus sehr.

Er begab sich beispielsweise auf eine Reise durch Frankreich. Dabei soll es ihm die Burg Château Gaillard von Richard Löwenherz besonders angetan haben. Die Faszination für Bauten aus der Zeit der Kreuzzüge blieb ihm zeitlebens erhalten.

Studium der Geschichte an der Oxford University

Als junger Mann konnte T. E. Lawrence ein Studium der Geschichte an der University of Oxford aufnehmen. Seine Leidenschaft für das Mittelalter traf dabei mit einer Neugier auf den Orient zusammen. Diese führte zu einem ganz besonderen Interesse an den Spuren der Kreuzfahrer im Nahen Osten.

Meadow Gebäude der University of Oxford
Lawrence von Arabien studierte an der University of Oxford. (pixabay)

Dabei zeigte Lawrence von Arabien in vielerlei Hinsicht eine rastlose Ader. In seinem Zimmer an der University of Oxford übte er beispielsweise intensiv Schritte mit genau einem Meter Länge. So wollte er den Aufwand für geplante archäologische Vermessungen vor Ort reduzieren, um mehr Zeit für andere Beobachtungen zu haben.

Für seine Abschlussarbeit verbrachte Lawrence von Arabien dann drei Monate mit Vermessungen, Fotografien und genauen Zeichnungen der Burgen der Kreuzfahrer im Nahen Osten. Zu seiner Zeit handelte es sich um eine herausragende und wie man heute weiß auch fast vollständige Sammlung.

Die Arbeit erhielt die Bestnote. Das Original wird immer noch im Archiv der University of Oxford verwahrt.

Archäologie und Handel mit Grabräubern

Nach seinem Studium der Geschichte kehrte Lawrence von Arabien im Jahr 1911 als Archäologe in den Nahen Osten zurück. Die arabische Sprache beherrschte er bald fließend und baute in dieser Zeit wichtige Kontakte zur lokalen Bevölkerung auf.

Dabei hatte Lawrence von Arabien auch intensive Kontakte zu Grabräubern. Dies war ein gängiges Verhalten der westlichen Archäologen in der Region, die im Auftrag von großen Museen unterwegs waren. Auch Deutsche waren vor Ort, die seiner Meinung nach die Preise auf dem Schwarzmarkt unnötig anheizten.

Doch Lawrence von Arabien war trotzdem sehr erfolgreich. Im diplomatischen Gepäck des englischen Konsuls wurden hunderte Objekte nach London verschifft. Dazu gehört beispielsweise eine Sammlung von Siegeln aus der Zeit der Hethiter.

Aber sowohl die Deutschen wie auch die Engländer hatten ebenso ein hohes Interesse an der strategischen Aufklärung der Region. Bereits 1904 war nämlich der Bau einer Eisenbahnlinie von Berlin nach Bagdad beschlossen worden.

Diese Bagdadbahn stellte eine potentielle Bedrohung dar, weil von Aleppo aus eine Abzweigung nach Süden über Damaskus bis nach Medina gebaut wurde. Damit konnte das Osmanische Reich in kurzer Zeit Truppen auf den Sinai schicken, um von dort aus den Suezkanal zu bedrohen.

Die Wasserstraße durch diesen Kanal in Ägypten war jedoch entscheidend für das britische Empire. Den Archäologen wurden deshalb Pioniere als Beschützer und Helfer zugewiesen. Doch die Soldaten hat vor allem auch die Aufgabe, Landkarten zu erstellen und mögliche Routen für Truppenbewegungen zu identifizieren.

Erster Weltkrieg im Nahen Osten

Kooperation von Osmanen und Deutschen

Das Osmanische Reich hatte über Jahrhunderte hinweg den Nahen Osten dominiert. Doch mit der Industrialisierung der westlichen Staaten im 18. und 19. Jahrhundert konnte der antiquierte Staat nicht mithalten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte Sultan Abdülhamid II. jedoch viele Reformen durch und bemühte sich um die Zukunftsfähigkeit seines Reiches. In diesem Zuge wurden neue Bündnisse geschlossen.

In der Riege der europäischen Großmächte stellte das Deutsche Reich einen besonders attraktiven Partner dar. Aufgrund fehlender Kontakte in der Vergangenheit war das Verhältnis unbelastet. Im Rahmen von militärischen Kooperationen machte man jedoch erste positive Erfahrungen miteinander.

Um 1900 kam es dann zur prestigeträchtigen Kooperation bei der Bagdadbahn. Dabei handelte es sich ursprünglich um eine etwa 1.600 Kilometer lange Verbindung von Konya in der Türkei nach Bagdad im heutigen Irak. Diese Linie sollte nun bis nach Berlin verlängert werden.

Dabei wurde argumentiert, dass über die Badadbahn Erdöl aus dem Zweistrom-Land sowie Konsumgüter aus dem Westen gehandelt werden könnten. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten war dieses Projekt jedoch stets fragwürdig. Die politischen Dimensionen waren dafür umso bedeutsamer.

Erweiterung der Bagdadbahn in den Hedschas

Die Bagdadbahn wurde zum Symbol für die Kooperation zwischen dem Osmanischen und dem Deutschen Reich. Sie wurde später auch als argumentative Basis für den Eintritt der Osmanen in den Ersten Weltkrieg auf der Seite von Deutschland und Österreich angeführt.

Doch die Briten sahen ihre Interessen im Nahen Osten bedroht. Die Eisenbahnlinie erleichterte nämlich den Transport von Truppen im überdehnten Osmanischen Reich.

Ab dem Jahr 1906 wurde die Bagdadbahn um einen sehr wichtigen Abschnitt erweitert. Von Damaskus in Syrien aus wurde nun eine Strecke nach Süden in Richtung Medina im heutigen Saudi-Arabien gebaut. Diese Linie führte durch die Region Hedschas, wovon auch der Name abgleitet wurde: die Hedschas-Bahn.

Die Hedschas-Bahn führte dabei entlang des Sinai. Die Gegend wiederum war ein ideales Aufmarschgebiet, um den Suezkanal in Ägypten zu bedrohen. Dieser war als verbindende Wasserstraße zwischen Mittelmeer und Rotem Meer von vitaler Bedeutung für die Kolonialpolitik des britischen Empires.

Die Engländer sahen die mit deutscher Unterstützung gebaute Hedschas-Bahn deshalb als eine Art Messer an ihrer imperialen Kehle. Aus diesem Grund intensivierten sie ihre eigenen Aktivitäten in der Region. Dazu gehörten eine Niederlassung des Geheimdienstes wie auch ein Expeditionskorps.

Secret Intelligence Service (SIS) in Kairo

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde auch Lawrence von Arabien rekrutiert. Wie andere arabisch sprechende Archäologen wurde er dem Büro des Nachrichtendienstes in Kairo unterstellt.

Zunächst war es die Aufgabe des frisch gebackenen Agenten, geheime Berichte aus dem Osmanischen Reich auszuwerten. Doch bald wurde er in geheimer Mission ausgesandt, um Aufstände zu schüren.

Lawrence von Arabien machte sich deshalb auf die Suche nach geeigneten Anführern. In Faisal, dem Sohn des Emirs von Mekka, fand er einen idealen Kandidaten.

Doch es brauchte noch weitere Anreize, um die Beduinen für den Kampf zu motivieren. Lawrence von Arabien organisierte deshalb sehr umfangreiche Lieferungen von Waffen und Material.

In „Die sieben Säulen der Weisheit“ erwähnte Lawrence von Arabien beispielsweise sehr häufig zwei kleine Geschütz-Typen:

  • Hotchkiss-Maschinengewehre
  • Gebirgsgeschütze

Außerdem flossen große Geldsummen, um eine Revolte zu entzünden. Schätzungen zu Folge investierten die Briten etwa 11 Millionen Pfund und zahlten damit beispielsweise jedem Krieger einen regelmäßigen Sold. Nur so konnten zahlreiche verfeindete Sippen zu einer Guerilla-Armee vereinigt werden.

Ausbruch der Arabischen Revolte 1916

Im Jahr 1916 brach dann die Arabische Revolte zunächst im Hedschas aus. Hussein ibn Ali, der Vater von Feisal, übernahm als Emir die Rolle der Führungsfigur des Aufstandes und bezeichnete sich fortan als König von Hedschas.

Von Süden aus breitete sich die Bewegung immer weiter aus. Schließlich wurden auch Jordanien, Palästina und Syrien ergriffen. Am Ende war fast der gesamte süd-westliche Teil der arabischen Halbinsel betroffen.

Lawrence von Arabien – König der Wüste

Mit dem Ausbruch der Arabischen Revolte rückte Lawrence von Arabien ins Zentrum der Ereignisse. Er stellte die entscheidende Verbindung zwischen den Briten und den Aufständischen dar.

Darüber hinaus war Lawrence von Arabien auch persönlich in die Kämpfe involviert. Seine fehlende militärische Erfahrung war dabei jedoch weniger von Bedeutung, weil auch die Araber über keine reguläre Armee verfügten.

Vielmehr zwangen sie das Osmanische Reich in einen asymmetrischen Konflikt. Dabei nutzten sie insbesondere die weiten, unkontrollierbaren Räume der Wüste für ihre Zwecke.

Dafür profitierte der britische Agent von seinem Verständnis der arabischen Kultur. Die Beduinen schenkten ihm sogar die weiße Kleidung eines Scherifen. Dabei handelt es sich eigentlich um einen religiösen Titel für die Nachkommen der Enkel von Mohammed.

Lawrence von Arabien nahm das Geschenk als Zeichen der besonderen Ehre an. Es war für ihn keine komische Verkleidung, sondern ein Zeichen für den Kampf um die arabische Unabhängigkeit.

Angriffe auf die Eisenbahn und Telegrafenmasten

Das wichtigste und zugleich leichteste Ziel des Lawrence von Arabien war die Hedschas-Bahn. Diese stellte eine wichtige Achse zur Versorgung dar, die jedoch leicht gekappt werden konnte.

Deshalb kam es zu zahlreichen Angriffen auf die Bahntrasse. Dabei gelang immer wieder die Sprengung dieser vulnerablen Linie durch die Wüste.

Besonders wertvoll waren Sprengungen mit Hilfe von Fernzündern während Züge gerade vorbei fuhren. Das Ziel war dann, nicht nur die Gleise sondern idealerweise auch die teuren Lokomotiven zu zerstören.

Des Weiteren attackierten die aufständischen Araber auch die Linien der Kommunikation. Mit Hilfe ihrer Kamele rissen sie hierfür Telegrafenmasten ein, um die Verbindungen zu unterbrechen.

Eroberung von Al-Wadschh, Akaba und Damaskus

Mit den zunehmenden Erfolgen der Arabischen Revolte konnten die Lawrence von Arabien und die Aufständischen schließlich auch Städte attackieren. Dabei wurden sie teilweise auch von der britischen Marine und der Luftwaffe unterstützt. Diese sorgten für Unterstützungsfeuer beziehungsweise wehrten osmanische Flugzeuge ab:

  • Im Januar 1917 gelang den Aufständischen die Eroberung der Hafenstadt Al-Wadschh im heutigen Saudi-Arabien.
  • Am 12. Juni 1917 eroberten die Araber die Hafenstadt Akaba im heutigen Jordanien. Dabei erzielte Lawrence von Arabien einen herausragenden Sieg. Die Osmanen hatten nämlich ihre schweren Geschütze in Richtung des Meeres gegen einen möglichen Angriff der britischen Marine gerichtet. Aber die Araber waren über einen langen Umweg durch die Wüste Nefud gezogen und attackierten die Stadt von der Landseite.
  • Am 1. Oktober 1918 fiel Damaskus im heutigen Syrien in die Hände der Araber. Am selben Tag marschierten jedoch auch britische Truppen ein. Diese entpuppten sich schon bald als die neue Besatzungsmacht.

Doch Lawrence von Arabien hatte für diese militärischen Erfolge einen hohen persönlichen Preis gezahlt. Mehrfach musste er Situationen durchstehen, die ihn psychisch bis an seine Grenze und darüber hinaus trugen.

Beispielsweise gerieten zwei Sippen unter seiner Führung auf dem Weg nach Akaba in einen schwierigen Streit. Es hatte einen Totschlag gegeben, der normalerweise die Blutrache nach sich gezogen hätte. Doch die Parteien einigten sich dahin gehend, dass Lawrence von Arabien um des Friedens Willen den Täter persönlich exekutieren musste.

Aber Lawrence von Arabien fiel bei Daara im heutigen Syrien auch kurzzeitig in feindliche Hände. Bei der Auskundschaftung eines Rangierbahnhofs wurde er von osmanischen Soldaten entdeckt und gefangen genommen.

Sie hielten ihn für einen Deserteur. Lawrence von Arabien wurde daraufhin gefoltert und vergewaltigt. Doch ein Wärter verhalf ihm aus unbekannten Gründen wenig später zur Flucht. Diese schrecklichen Erfahrungen ließen ihn jedoch nie wieder los.

Leben und Heroisierung nach dem Krieg

Lawrence von Arabien hatte sich im Ersten Weltkrieg um das Empire sehr verdient gemacht. In London wurde der Agent als Nationalheld empfangen. Der amerikanische Journalist Lowell Thomas hatte bereits 1917 begonnen, einen Film über ihn und die arabischen Truppen zu drehen.

Die Vorführung des Films zog die Leute ins Kino und ein Mythos wurde geboren. Doch Lawrence von Arabien hatte wissentlich den Freiheitsdrang der Araber ausgenutzt, um den imperialen Interessen seines Landes zu dienen.

„… die höchsten Ideale und die Freiheitsliebe der Araber als bloße Werkzeuge Englands ausgebeutet…“

Obwohl die Araber wohl mehrheitlich aus persönlichem Eigennutz gehandelt hatten, war Lawrence von Arabien nicht aufrichtig gewesen. Die ihm nach dem Krieg zu teil werdende Heroisierung empfand er deshalb als sehr unangenehm.

„… in der Not des Krieges verkaufte ich um der Erhaltung Englands Willen meine Redlichkeit…“

Die sieben Säulen der Weisheit

Lawrence von Arabien verarbeitete seine Erinnerungen an den Krieg in einem autobiografischen Werk. Dieses nannte er „Die sieben Säulen der Weisheit“.

Der Name ist eine Anspielung auf eine Felsenformation im größten jordanischen Wadi Rum. Ein Wadi ist ein Tal oder ein Flusslauf in einer Wüste, der nur bei starken Regenfällen für kurze Zeit Wasser führt.

Der Titel bezieht sich aber auch auf einen Ausspruch von König Salomo im Alten Testament: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen.“

Lawrence von Arabien verlor jedoch die erste Fassung des Buches aus dem Jahr 1919 bei einer Zugfahrt. Im darauf folgenden Jahr verfasste er aus der Erinnerung eine neue Version, die mit etwa 335.000 Wörtern grob 1.000 Seiten lang war.

1926 erschien dann eine gekürzte Fassung mit etwa 250.000 Wörtern. Das Werk war aufwendig gebunden und illustriert. Den Deckel schmückten zwei gekreuzte Säbel. Es wurden jedoch nur 200 Stück verkauft, so dass das Buch ein wirtschaftlicher Misserfolg wurde.

Deshalb veröffentlichte er 1927 die stark gekürzte Version: „Aufstand in der Wüste“. Damit erreichte Lawrence von Arabien nun ein breites Publikum und erzielte einen internationalen Erfolg.

Dienst als einfacher Soldat bei der Luftwaffe

In den Jahren nach dem Krieg litt der sensible Lawrence von Arabien unter einem psychischen Verfall. Der Wirbel um seine Person machte ihm schwer zu schaffen.

Mit Hilfe eines Freundes im Kriegsministerium konnte sich Lawrence von Arabien jedoch unter einem falschen Namen bei der britischen Luftwaffe verstecken. Als „T. E. Shaw“ diente er trotz seines Ranges als Lt. Colonel bis zum März 1935 als einfacher Soldat.

Motorradunfall und Kopfverletzung

Lawrence von Arabien war ein leidenschaftlicher Motorradfahrer und -sammler. In den Jahren von 1922 bis 1926 soll er über 100.000 Kilometer gefahren sein.

Vom britischen Hersteller Brough Superior hatte er sieben Stück. Diese nannte er wie alle seine Motorräder „King George“ und nummerierte sie entsprechend durch. Es handelte sich dabei um Sportmaschinen, die sehr leistungsstark waren. Eine modifizierte Version stellte sogar einen damaligen Geschwindigkeitsrekord von etwa 273 km/h auf.

Mit George VII. war Lawrence von Arabien dann am 13. Mai 1935 mit hoher Geschwindigkeit auf einer Landstraße in der Nähe seines Wohnsitz unterwegs. In einer unübersichtlichen Kurve kamen ihm zwei Radfahrer entgegen. Doch beim Ausweichen verlor er die Kontrolle über seine Brough Superior SS100.

Lawrence von Arabien wurde über den Lenker geschleudert und erlitt eine schwere Kopfverletzung. Er fiel ins Koma und verstarb dann sechs Tage später am 19. Mai 1935.

In Erinnerung an den Kriegshelden wurde die Unglücksmaschine restauriert. Seitdem gehört George VII. zur Ausstellung des Imperial War Museum in London.

Film – Lawrence von Arabien (7 Oscars)

Im Jahr 1962 nahm sich der britische Regisseur Sir David Lean der Geschichte des britischen Agenten an. Der Filmemacher schuf auch Werke wie „Doktor Schiwago“ und „Die Brücke am Kwai“.

Mit „Lawrence von Arabien“ drehte David Lean ein bildgewaltiges Epos über den britischen Agenten. Der Film wurden im darauffolgenden Jahr mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Darunter waren sieben Oscars:

  1. Bester Film
  2. Beste Regie
  3. Bestes Szenenbild
  4. Beste Kamera
  5. Bester Schnitt
  6. Beste Musik
  7. Bester Ton

Außerdem erhielt der Film „Lawrence von Arabien“ auch vier Golden Globes:

  1. Bestes Filmdrama
  2. Beste Regie
  3. Bester Nebendarsteller
  4. Beste Kamera