Kaiser Diokletian

Kaiser Diokletian – 284 bis 305 n. Chr.

Büste von Kaiser Diokletian (284 bis 305 nach Christus)
Büste von Kaiser Diokletian (pixabay)

Diokletian war Kommandant der kaiserlichen Leibgarde, bevor er im Jahr 284 n. Christus römischer Kaiser wurde. Als erster Mann im Staat ging er tiefgreifende Strukturreformen an und konnte so die römische Reichskrise im 3. Jahrhundert n. Christus beenden. Diese hatte das Imperium für 50 Jahre im eisernen Griff gehalten.

Um den inneren Frieden im Reich herstellen zu können, führte Kaiser Diokletian ein neues Herrschaftsmodell für den römischen Staat ein. Die alten Römer hatten in ihrer langen Geschichte bereits mehrfach Erfahrungen mit solchen Verfassungsreformen gemacht.

Auch Kaiser Augustus hatte etwa drei Jahrhunderte zuvor die 200-jährige Pax Romana mit einer Verfassungsreform vergleichbaren Ranges, der Einführung des Prinzipats, der kaiserlichen Alleinherrschaft, ausgelöst. Doch die Zeiten hatten sich geändert.

Das Reich war zu groß geworden. Mit dem Herrschaftsmodell der frühen Kaiserzeit konnte das Imperium nicht mehr ausreichend verwaltet und verteidigt werden. Deshalb stärkte Kaiser Diokletian die Macht der Verwaltung – die Bürokratie.

Außerdem führte er die Tetrarchie – das Vier-Kaiser-System – und damit das Mehr-Kaiser-Prinzip im römischen Reich ein. Der konkrete Ansatz von Diokletian sollte sich nach dem Ende seiner Herrschaft wieder verwaschen. Aber seine Regierungszeit ist dennoch ein Vorbote für die fundamentale Transformation des römischen Staates auf dem Weg in die Spätantike.

Diokletian – Der Kommandant der Garde

Diokletian hatte wie zahlreiche Kaiser vor ihm zunächst Karriere in Armee gemacht. Eine der großen Schwächen des politischen Systems der alten Römer war dabei vor allem die Macht der kaiserlichen Leibwache über den Kaiser. Deshalb bestimmte der Wille dieser Offiziere häufig das ganze Reich.

Auch Diokletian stieg in shakespearesker Manier über die Leiche seines Vorgängers – Kaiser Numerian – als er nach dem Prinzipat griff. Dabei soll er sogar noch persönlich einen konkurrierenden Präfekten der Prätorianer-Garde, den angeblichen Mörder des Kaisers, erschlagen haben.

Dieses reale Theaterstück der Machtergreifung von Diokletian fand ein Jahr später seinen Höhepunkt. Er musste sich einer Entscheidungsschlacht gegen den legitimen Kaiser, einen Bruder von Numerian, stellen und verlor. Trotz seiner Niederlage konnte Diokletian sich behaupten, weil der Sieger die Nacht seines Triumphes nicht überlebte. Auch dieser Numerian wurde tot aufgefunden.

Das Ende der Reichskrise und Usurpationen

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Standort der schnellen Eingreiftruppe (ODbL)

Die römische Reichskrise des 3. Jahrhunderts nach Christus war bedingt durch zahllose Einfälle der Germanen. Außerdem war das Reich durch viele auständische Generäle, den Usurpatoren, gebeutelt worden. Deshalb hatte es bereits unter Kaiser Gallienus (260 bis 268 n. Christus) eine geostrategische Neu-Positionierung der römischen Streitkräfte gegeben.

Es wurde eine schnelle Eingreifftruppe bestehend aus schwerer Kavallerie aufgebaut. Diese wurde bei Mailand stationiert. Von dort aus konnte der Landweg nach Rom sowie Nord-Italien kontrolliert werden.

Gegebenenfalls konnte man auch sehr kurzfristig nach Süden reiten – entweder gegen Rom selbst oder gegen eine mögliche Landung einer feindlichen Armee in Süd-Italien wie es bspw. einst Marcus Antonius geplant hatte. Aber dennoch konnten die berittenen Einheiten ebenso rasch nach Germanien entsandt werden.

Noch dazu wurde mit der aurelianischen Mauer auch die städtische Verteidigung der Hauptstadt verbessert, so dass sich die militärische Lage auf der italienischen Halbinsel vorerst stabilisiert hatte.

Die Reformen von Kaiser Diokletian

Die Zeit der Alleinherrschaft von Kaiser Diokletian dauerte nicht lange. Das Reich war zerrissen und konnte praktisch nicht kontrolliert werden. Bereits im Jahr 286 ernannte er deshalb einen ersten Mit-Kaiser, einen alten Kameraden mit dem Namen Maximian. Dieser stand innerhalb der Hierarchie noch ein Stück unter Diokletian.

Auch räumlich teilten sich die Kaiser ihre Einflussgebiete auf. Während Maximian über den westlichen Teil des römischen Reiches herrschte, konzentrierte sich Diokletian auf den östlichen Teil. Dennoch war die Aufgabenlast erdrückend. Weitere Strukturreformen waren unbedingt notwendig.

Bürokratie – Die Macht der Verwaltung

Zunächst erhöhte Kaiser Diokletian die Steuern. Damit wollte er die Sicherung des Reiches nach innen wie nach außen auf einen stabileren finanziellen Sockel stellen. Außerdem benötigte er Gelder für seine Strukturreformen.

Dabei konzentrierte sich Kaiser Diokletian aber nicht nur auf die Einnahmen. Er bemühte sich auch um eine Verbesserung der Verwaltung sowie der Erhebung und der Verteilung von Geldern. Die Staatsfinanzen konnten so in haushälterischer Hinsicht auf ein deutlich gesünderes Fundament gestellt werden.

Außerdem wurde die Verwaltung der Provinzen neu geordnet. Ein zentraler Brandherd für die inneren Krisen des römischen Reiches waren einige übermächtige Provinzen. Häufig war vor Ort das regionale Oberkommando sowie die administrative Hoheit in einer Person vereinigt.

So konnten sich viele Individuen mit relativer Leichtigkeit eine persönliche Machtbasis aufbauen, die den Bestand des Reiches gefährden konnte. Um dieser Art der Eliten-Genese entgegen zu wirken griff Kaiser Diokletian zu zwei Kunstgriffen der Verwaltung:

  • Er verkleinerte die bestehenden Provinzen des römischen Reiches und verdoppelt dabei zugleich deren Anzahl. So wurde die Bedeutung der einzelnen Provinzen massiv abgewertet. Im selben Zug wurde ein System von Diozösen eingeführt. Dies waren überregionale Finanzverwaltungen, die die einzelnen Provinzen in ihrem Einzugsgebiet kontrollierten.
  • Außerdem trennte Kaiser Diokletian die zivile und die militärische Macht in den Provinzen. Das hatte den Vorteil, dass zivile Beamte sich alleine nicht militärisch erheben können. Die Militärs hingegen konnten ihre Armeen ohne eine funktionierende Verwaltung nicht unterhalten.

Die Wahrscheinlichkeit einer übermäßigen Konzentration von Macht auf einer Person in einer Provinz sollte so entgegen gewirkt werden. Die machtpolitischen Reformen von Kaiser Diokletian hatten jedoch einen Haken, wie sich später herausstellen sollte.

Die römischen Traditionen und allen voran das Erbrecht waren nicht so einfach aus den Köpfen der Mächtigen des Reiches heraus zu bekommen. Außerdem hatte eben solches Gewohnheitsrecht im juristischen Gefüge dieser antiken Gesellschaft einen zentralen Platz. Deswegen wurden diese Teile der Reformen von Kaiser Diokletian durch die stürmischen Zeiten auch schnell wieder hinweg gefegt.

Herresreform des Diokletian

Kaiser Diokletian führte auch eine Reform der militärischen Organisation durch. Diese erinnerte sehr an die Reform der römischen Provinzen. Auch die großen und mächtigen Legionen waren stets eine Petrischale für machtpolitische Ambitionen von Generälen gewesen.

Deshalb halbierte Kaiser Diokletian auch die Größe der Legionen. Eine solche Einheit bestand fortan nur noch aus 1.000 bis 2.000 römischen Legionären. Dafür gab es auch hier bei der Anzahl eine grobe Verdoppelung von 33 auf 70.

Kaiser Diokletian und das Preisedikt

Das Reich war in eine schwere ökonomische Schieflage geraten. Bereits Kaiser Aurelian (270 bis 275 n. Christus) hatte sich mit massiven Eingriffen in das Wirtschaftssystem um eine Stabilisierung der Situation bemüht. Aber es fehlte die Kontrolle über die Geldmittel.

Die hohe Zahl der gefälschten Münzen der damaligen Zeit hatte das Vertrauen der Vertrauen der Bevölkerung in die Zahlungsmittel schwinden lassen. Auch die Einführung einer hochwertigen und geprüften Münze – des Aurelianus – hatte keinen dauerhaften Effekt. Eine Verbesserung der ökonomischen Situation war nicht gelungen.

Kaiser Diokletian war noch dazu mit einer dramatischen Inflation konfrontiert. Im Jahr 301 n. Christus erließ er deshalb ein striktes Gesetz zur Regulierung der Wirtschaft – das Edictum Diocletiani De Pretiis Rerum Venalium: 

  • Preis-Obergrenze für zahlreiche Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Geltungsbereich war das gesamte Imperium.
  • Bei Verstößen konnte die Todesstrafe verhängt werden.

Diokletianische Christenverfolgung

Kaiser Diokletian erließ am 23. Februar 303 n. Christus ein Edikt zur Verfolgung von Christen. Bereits zuvor war eine Religion verfolgt worden, deren Anhänger sich dem römischen Kaiserkult entziehen wollten.

Dieser Erlass von Diokletian gegen die Christen zielte auf eine Zerschlagung der Religionsgemeinschaft:

  • Gottesdienste wurden verboten.
  • Kirchen wurden zerstört.
  • Heilige Schriften wurden verbrannt.
  • Ein Ämterverbot wurde erlassen.
  • Christen verloren das Bürgerrecht.

Darüber hinaus kam es zu zahlreichen Verhaftungen sowie vielen Hinrichtungen. Die Kirche zählt etwa 70 heilige Märtyrer der diokletianischen Christenverfolgung.

Die Tetrarchie – das 4-Kaiser-Prinzip

Schaubild der Tetrarchie von Kaiser Diokletian mit je einem Augustus und einem Caesar für das oströmische und weströmische Reich.
Die Tetrarchie von Kaiser Diokletian.

Ab dem Jahr 293 nach Christus führte Kaiser Diokletian die Tetrarchie – ein System mit vier Kaisern an der Spitze des Staates ein. Vergleichbare Regelungen hatte es auch schon früher gegeben, beispielsweise unter Kaiser Mark Aurel.

Es gab zwei Kaiser mit höherem Rang, die den Titel „Augustus“ führten. Außerdem wurden eben noch zwei niedere Ränge eingeführt, die den Titel „Caesar“ trugen.

Innerhalb dieser vier Kaiser gab es also noch eine hierarchische Abstufung. Außerdem gab es eine geografische Aufteilung mit insgesamt vier Verwaltungszentren. So verfügten die Ost- und die West-Hälfte des römischen Reiches über je einen Senior- und einen Junior-Kaiser:

  • Antiochia (Caesar)
  • Byzanz (Augustus)
  • Rom (Augustus)
  • Trier (Caesar)

Noch dazu wurde mit der Tetrarchie ein Rotationsprinzip eingeführt. Die Senior-Kaiser, die Augusti, sollten für zehn Jahre im Amt bleiben und sich dann in den planmäßigen Ruhestand verabschieden. Die beiden Caesaren hingegen sollten in der Rotation zum Senior-Kaiser aufsteigen.

Die Caesaren-Ämter sollten jeweils nach Verdienst und Fähigkeit mit neuen Personen besetzt werden. Dabei zählten vor allem die militärischen Erfahrungen. Ein Kaiser sollte nach Diokletians Vorstellungen seine Führungsqualitäten entwickelt und unter Beweis gestellt haben.

Den Anspruch auf eine erbrechtliche Nachfolge in die Ämter wurde nach dem Willen von Kaiser Diokletian abgeschafft. Genau an diesem Punkt und dem Willen von Kaiser Konstantin sollte die diokletianische Tetrarchie jedoch bereits wenig später scheitern.

Der Unterschied von Mehr-Kaiser- & Mit-Kaiser-Prinzip

Dieses Mehr-Kaiser-Prinzip von Kaiser Diokletian ging damit eben noch einen Schritt weiter als das schon bekannte Mit-Kaiser-Prinzip. Bereits vor dem Ende der Reichskrise hatten Kaiser aufgrund des enormen Verwaltungsdrucks auf ihr Amt Vertraute oder Nachfolger zu Mit-Kaisern ernannt.

Aus dieser Tradition heraus hatten sich auch die Bezeichnung des rang-niederen Mit-Kaisers als „Caesar“ in Anlehnung an Gaius Julius Caesar etabliert. Das heißt:

  • Das Mit-Kaiser-Prinzip öffnete die kaiserliche Alleinherrschaft durch die Einführung von Stellvertretern.
  • Das Mehr-Kaiser-Prinzip bedeutet dagegen, dass das Reich von einer politischen Doppel-Spitze geführt wird.