Richard Löwenherz

Richard I. von England – Löwenherz

Richard I. von England wurde am 8. Oktober 1157 in Oxford geboren. Er gehörte zum englischen Königshaus der Anjou-Plantagenêts und erhielt für sein ungestümes Verhalten den Beinnamen „Löwenherz“.

Château Gaillard von Richard Löwenherz
Richard Löwenherz erbaute Château Gaillard in der Normandie (pixabay)

Richard Löwenherz erbte von seinem Vater nicht nur das Königreich England, sondern als Nachfahre der Herzöge der Normandie auch Gebiete in Frankreich. Aus diesem „angevinischen Reich“ zog er beträchtliche Einnahmen und nutzte das Einkommen für eine Beteiligung am Dritten Kreuzzug.

Richard Löwenherz konnte auf seinem Weg in das Heilige Land dann zwar Zypern erobern und war an der erfolgreichen Belagerung von Akkon beteiligt. Das primäre Ziel, die Rückeroberung von Jerusalem, erreichte der englische König jedoch nicht.

Dafür beleidigte Richard Löwenherz während des Dritten Kreuzzuges einen deutschen Fürsten und den französischen König. Sein Verhalten wurde auch deshalb gerne von englischen Chronisten als besonders „mannhaft“ gepriesen. Tatsächlich war er auf dem diplomatischen Parkett jedoch einfach nur ein grober Tollpatsch und musste für seine schweren Fehler immer wieder teuer bezahlen.

Auf dem Rückweg vom Dritten Kreuzzug geriet Richard Löwenherz nämlich in die Gefangenschaft des deutschen Kaisers. Dieser hielt ihn auf der Burg Trifels fest, bis er für ein Lösegeld von 100.000 Mark Silber freigekauft wurde. Dieser Preis entsprach in etwa dem Dreifachen seines Jahresbudgets.

Nach der Bezahlung und der anschließenden Freilassung war Richard Löwenherz dann den letzten Teil seines Lebens durch Konflikte mit dem König von Frankreich gebunden. Während eines Feldzuges in der Normandie wurde er bei einem leichtsinnigen Spaziergang während der Belagerung der Burg Châlus-Chabrol in Aquitanien von einem Armbrustbolzen getroffen.

Richard Löwenherz hatte sich wohl völlig unüberlegt in die Reichweite der Verteidiger begeben und erlitt dabei eine schwere Verletzung. Der Wundbrand setzte ein und raffte ihn zehn Tage später dahin. Am 6. April 1099 verstarb er dann im Feldlager.

Trotz der Verherrlichung seiner besonderen Männlichkeit ist ein tatsächlicher Mehrwert der Herrschaft von Richard Löwenherz für die Untertanen nicht erkennbar. Hinzu kommt der häufige Vorwurf, dass er während seiner Regierungszeit von zehn Jahren insgesamt nur zehn Monate in England verbrachte. Diese Zeit nutzte er jedoch vor allem zur wirtschaftlichen Ausbeutung des Königreiches.

Der Bruder Johann Ohneland konnte sich als Nachfolger von Richard Löwenherz behaupten. Seine willkürliche Herrschaft führte jedoch zu einer Revolte des englischen Adels. Die Barone konnten daraufhin im Jahr 1215 die Magna Carta Libertatum durchsetzen und zahlreiche Rechte gegenüber dem König gewinnen.

Im 16. Jahrhundert wurden dann die Geschichten über Robin Hood mit der Zeit von Richard Löwenherz in Verbindung gebracht. Dieser Gentleman-Dieb ist jedoch nur eine Figur aus mittelalterlichen Balladen, für die es keine historischen Belege gibt.

Erbe des angevinischen Reiches

Dynastie der Anjou-Plantagenêts

1135 starb mit Heinrich I. der letzte Sohn von Wilhelm dem Eroberer. In der Folge kam es zu einem langen Thronstreit, der schließlich in einem Bürgerkrieg endete und bis heute als „The Anarchy“ bekannt ist.

Erst 1153 konnten sich die zerstrittenen Parteien auf den Vertrag von Winchester einigen. In dessen Folge wurde schließlich mit Heinrich II. ein Herzog der Normandie aus dem Haus Anjou als Regent des englischen Königreiches anerkannt.

Richard – dritter Sohn von Heinrich II.

König Heinrich II. von England trug gerne kurze Umhänge, deshalb erwarb er sich den Beinamen „Kurzmantel“. Er hatte mit seiner Ehefrau Eleonore von Aquitanien fünf Söhne und drei Töchter. Die dynastische Folge war damit gesichert, aber es zeichneten sich Konflikte zwischen den Söhnen ab:

  1. Wilhelm († 1156)
  2. Heinrich († 1183)
  3. Richard († 1199)
  4. Gottfried († 1186)
  5. Johann († 1216)

Richard Löwenherz war als dritter Sohn ursprünglich nicht für die Thronfolge vorgesehen. Der Vater wollte das angevinische Reich nämlich ungeteilt vererben. Dennoch wurde er als junger Mann sehr gut von dem berühmten Thomas Becket ausgebildet. Das war ein späterer Erzbischof von Canterbury, der wegen seines Märtyrer-Todes bis heute bekannt ist.

Der erste Sohn Wilhelm verstarb jedoch bereits 1156. Richard Löwenherz rückte in der Thronfolge deshalb bereits sehr früh einen Platz auf. Im Alter von 14 Jahren erhielt er dann als mündiger Mann das reiche Herzogtum Aquitanien in Frankreich als Lehen.

In den 1170er Jahren ging Richard Löwenherz sehr brutal gegen opponierende Adelige in seinem Herzogtum vor. Im Jahr 1183 verstarb dann auch sein nächst älterer Bruder Heinrich, so dass er nun eigentlich der Kronprinz war.

Doch Richard Löwenherz hatte sowohl den Adel wie auch den Vater gegen sich aufgebracht. Deshalb verbündete er sich als Herzog von Aquitanien mit Philipp II., dem König von Frankreich.

Erst der König von Frankreich konnte den entscheidenden Druck ausüben, damit Richard Löwenherz von seinem Vater als Nachfolger anerkannt wurde. Philipp dürfte diese Unterstützung dann später aber noch sehr bereut haben.

Erst für seine Krönung im Jahr 1189 kam Richard Löwenherz dann mal für vier Monate nach England. Die feierliche Zeremonie war allerdings auch eher eine Großveranstaltung für die Adeligen des angevinischen Reiches und weniger eine Inthronisierung durch die Engländer.

Im Zusammenhang mit der Krönung von Richard Löwenherz kam es zu Judenverfolgungen in England. Weil diese Übergriffe nicht wirklich bestraft wurden, entwickelten sich die Attacken gegen die religiöse Minderheit während des Dritten Kreuzzuges zu landesweiten Pogromen.

Richard Löwenherz im Dritten Kreuzzug

Vorgeschichte: Erster und Zweiter Kreuzzug

Im Jahr 1095 hatte Papst Urban II. zum Ersten Kreuzzug aufgerufen. Bewaffnete Pilger und Ritterheere aus Deutschland, Italien und Frankreich zogen daraufhin in das Heilige Land und eroberten Jerusalem im Jahr 1099.

Die Christen eroberten darüber hinaus zahlreiche Gebiete und gründeten vier Kreuzfahrerstaaten, um eine dauerhafte Präsenz zu etablieren:

  • Königreich Jerusalem
  • Fürstentum Antiochia
  • Grafschaft Edessa
  • Grafschaft Tripolis

Doch die meisten Kreuzfahrer und Pilger kehrten nach ihrer Fahrt ins Heilige Land auch wieder in die Heimat zurück. Ihre neu gegründeten Staaten konnten kaum wirtschaftlich betrieben werden und schon bald wurde die Christenheit wieder zurückgedrängt.

Im Jahr 1044 ging die Grafschaft Edessa verloren und die Kirche rief vor allem in Person des Bernhard von Clairvaux zum Zweiten Kreuzzug auf. Dieser scheiterte jedoch fünf Jahre später in einer militärischen Katastrophe.

Auslöser des Dritten Kreuzzuges

Auslöser für den Dritten Kreuzzug sollte dann die Schlacht von Hattin am 4. Juli 1187 werden. Die Kreuzritter wurden dabei nicht nur vernichtend geschlagen. Sie verloren auch einen großen Teil ihrer verbliebenen Territorien an Sultan Saladin.

In der Folge erließ Papst Gregor VIII. die Audita Tremendi, die Kreuzzugbulle. Darin wurde der Verlust von Jerusalem beklagt und alle Christen zum Krieg aufgerufen.

Die europäischen Fürsten kamen diesem Verlangen jedoch nur zögerlich nach. Zunächst zog der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa gen Osten. Er verstarb jedoch bereits auf der Reise am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph.

Richard Löwenherz und der französische König Philipp II. brachen erst später und vor allem parallel auf. Die beiden Männer trauten sich aufgrund von Konflikten um Gebiete in Frankreich nicht mehr. Ihr altes Bündnis zur Inthronisierung von Richard sollte schon bald endgültig zerbrechen.

Eroberung von Zypern

Im Jahr 1185 hatte sich Isaak Komnenos, ein Adeliger des byzantinischen Reiches, zum Kaiser von Zypern ernannt. Richard Löwenherz nutzte jedoch die Fahrt in das Heilige Land, um die Insel im Vorübergehen zu erobern.

Der Streitkraft der englischen Kreuzfahrer konnten die Zyprioten nichts entgegensetzen. Einer Überlieferung nach ergab sich Isaak Komnenos auf das Versprechen hin, dass Richard Löwenherz ihn nicht in eiserne Ketten legen würde.

Stattdessen ließ der englische König den selbsternannten Kaiser in silberne Ketten legen. Doch Richard Löwenherz hatte nicht einmal ein Interesse daran, Zypern langfristig zu halten.

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung wurde die Insel für 100.000 Silber Mark an den Templerorden verkauft. Die christlichen Ritter bemühten sich in der Folge, soviel Geld wie möglich aus den Zyprioten zu pressen. Denn auch für den reichen Orden war der Betrag mehr als beträchtlich.

Belagerung von Akkon

Die Einnahmen aus dem Verkauf von Zypern nutzte Richard Löwenherz, um seinen Kreuzzug zu verlängern. Am 8. Juni 1191 erreichte er mit seinem Heer dann die Hafenstadt Akkon im heutigen Staat Israel.

Akkon wurde zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren von Kreuzfahrern unter der Führung von Leopold dem Tugendhaften, dem Herzog von Österreich, belagert. Diesem fehlte es jedoch an Ressourcen für eine Eroberung der Stadt.

Doch bereits seit April 1191 war nun auch das Heer des französischen Königs vor Ort. Zusammen mit der englischen Streitmacht von Richard Löwenherz hatten die Kreuzfahrer nun die entscheidende Übermacht.

Am 12. Juli 1191, fünf Wochen nach der Ankunft von Richard Löwenherz, kapitulierte Akkon. Dabei kam es jedoch zu einem persönlichen Eklat zwischen dem König der Engländer und dem Herzog von Österreich.

Zu den genauen Gründen für diesen Streit gibt es unterschiedliche Versionen. Die Konsequenz war jedoch, dass Leopold der Tugendhafte anschließend ohne Beute aus dem Heiligen Land abzog. Richard Löwenherz hingegen hatte sich einen persönlichen Feind gemacht, was ihn später noch sehr teuer zu stehen kommen sollte.

Auch der französische König Philipp II. kehrte schon Ende Juli 1191 in die Heimat zurück. Die offizielle Begründung waren gesundheitliche Probleme. Doch die Forschung geht davon aus, dass Richard Löwenherz auch diesen Verbündeten auf einer persönlichen Ebene einfach verprellt hatte.

Die Eroberung von Akkon verbuchte Richard Löwenherz zwar als seinen taktischen Sieg. In strategischer Hinsicht leitete er jedoch mit seinen persönlichen Attacken auf das Ansehen der verbündeten Fürsten die Niederlage der Christen im Dritten Kreuzzug ein.

Scheitern vor Jerusalem

Nach der Belagerung von Akkon ließ Richard Löwenherz zunächst 3.000 Muslime hinrichten, für die kein Lösegeld bezahlt wurde. Anschließend musste er sich den Gegenangriffen von Sultan Saladin stellen.

In der Schlacht am Arsuf am 7. September 1191 gelang ihm zunächst ein weiterer Sieg. Im darauffolgenden Sommer konnte Richard Löwenherz noch die Stadt Jaffa zurückerobern.

Doch das Primärziel, die Eroberung von Jerusalem, wurde verfehlt. Nach der Abreise der Österreicher und Franzosen fehlte den Kreuzrittern einfach die notwendige Schlagkraft.

Wohl auch wegen einer eigenen Erkrankung, wahrscheinlich Malaria, bemühte sich Richard Löwenherz schließlich um einen Frieden mit den Muslimen. Am 2. September 1192 schlossen die Parteien im Vertrag von Ramla einen Waffenstillstand für drei Jahre und acht Monate. Jerusalem blieb jedoch unter der alleinigen Kontrolle von Saladin.

Als Verlierer trat Richard Löwenherz am 9. Oktober 1192 die Heimreise vom Dritten Kreuzzug an. Zeitgenossen würdigten ihn zwar als bedeutenden Kreuzfahrer. Aber in strategischer Hinsicht ist er vor allem an sich selbst gescheitert.

Statt diplomatisches Geschick zu zeigen, stellte Richard Löwenherz sein Ego über die Notwendigkeiten der Mission. Der letztlich entscheidende Mangel an Kampfkraft hatte seine Ursache in den persönlichen Konflikten mit dem König von Frankreich und dem Herzog von Österreich. Der Schaden sollte aber noch viel größer werden.

Haftzeit im Heiligen Römischen Reich

Richard Löwenherz erlitt Schiffbruch auf seiner Reise in die Heimat. Deshalb war er auf eine Landroute durch das Heilige Römische Reich angewiesen. Dieser Weg führte ihn jedoch durch Gebiete von Fürsten, die er vor Akkon brüskiert hatte.

Wieso Richard Löwenherz nicht ganz offiziell bei Fürsten um Unterstützung bat, ist nicht bekannt. Möglicherweise war dem König zumindest bewusst, wie unbeliebt er sich während des Dritten Kreuzzuges gemacht hatte.

Der Überlieferung nach verkleidete sich Richard Löwenherz deshalb als einfacher Pilger. Inkognito versuchte er in der Begleitung von wenigen Vertrauten zunächst nach Bayern in das Herrschaftsgebiet von Heinrich dem Löwen zu gelangen.

Gefangennahme in Österreich

In Bayern hoffte Richard Löwenherz wohl auf ehrliche Unterstützung durch den befreundeten Herzog aus dem Haus der Welfen. Doch die Tarnung des Königs flog noch in Österreich auf. Er wurde kurz vor Weihnachten 1192 durch Schergen von Herzog Leopold dem Tugendhaften festgesetzt.

Zum Verlauf der Gefangennahme von Richard Löwenherz gibt es widersprüchliche Quellen. Die genauen Umstände sind nicht klar. Aber wahrscheinlich konnte der aufbrausende Monarch in seiner Rolle einfach nicht überzeugen, sondern erregte beispielsweise durch zuviel Geld die Aufmerksamkeit von Wachen.

Deutsche Chronisten wie Otto von Freising und sein Nachfolger Otto von St. Blasien kommentierten die Verhaftung jedoch voller Häme. Es scheint außer Zweifel, dass die Inhaftierung der überheblichen Majestät als verdiente Strafe für die Beleidigungen vor Akkon gewertet wurden.

Allerdings hatten viele Kleriker ein Problem mit der Gefangennahme des Kreuzfahrers. Leopold der Tugendhafte wurde sogar ein halbes Jahr später von Papst Coelestin III. exkommuniziert. Dieser Ausschluss aus der Kirche wurde jedoch auch ohne die Erfüllung von Bedingungen wieder aufgehoben.

In deutschen Quellen finden sich anschließend nur noch wenige Belege zur Haftzeit von Richard Löwenherz. Erst die spätere Bezahlung des immensen Lösegeldes fand wieder eine breitere Aufmerksamkeit.

Die englischen Hofschreiber haben sich hingegen intensiv um eine Legendenbildung bemüht. Der ach so männliche König soll mit seinen Wachen Ringkämpfe und Saufgelage veranstaltet haben.

Haftzeit und Lösegeldforderung

Nach der Gefangennahme brachte man Richard Löwenherz auf die Burg Dürnstein in Niederösterreich. Im Februar einigten sich schließlich der österreichische Herzog und der deutsche Kaiser auf eine gemeinsame Forderung zur Freilassung des Königs.

Zur Legitimation der weiteren Inhaftierung von Richard Löwenherz wurde darüber hinaus Anklage gegen ihn erhoben. Zu den Vorwürfen zählten Mord, Schmähung der Fahne von Leopold und auch der Frieden mit dem heidnischen Sultan Saladin zur Beendigung des Dritten Kreuzzuges.

Burg Trifels diente als Gefängnis für Richard Löwenherz
Richard Löwenherz war Gefangener auf dem Trifels. (pixabay)

Richard Löwenherz musste sich deshalb auch einer Gerichtsverhandlung stellen, die er jedoch geschickt nutzte. Vor allem gab er eigene Fehler zu und warf sich in einer Geste der Demut vor dem Kaiser auf den Boden. Darüber hinaus stimmte er einem Lösegeld in Höhe von 100.000 Mark Silber zu.

Diese 100.000 Mark Silber entsprachen dem dreifachen Jahreseinkommen der englischen Krone. Dabei muss man jedoch beachten, dass ein Staatshaushalt im Mittelalter sehr viel schlanker war, als man das aus der Gegenwart kennt. Es handelte sich dennoch um eine enorme Summe, für die im englischen Schatzamt eine Sonderabteilung eingerichtet werden musste.

Außerdem hatte der König 50 Schiffe und 200 Ritter für ein Jahr zu stellen. Einer angedachten persönlichen Verpflichtung zu einem Kriegszug nach Sizilien konnte Richard Löwenherz entgehen.

Mit der Zahlung des Lösegeldes fand erstmals das englische Sterling-Silber eine weite Verbreitung im kontinentalen Europa. Leopold der Tugendhafte nutzte seinen Anteil zur Gründung der Wiener Neustadt. Kaiser Heinrich VI. investierte hingegen in die Eroberung von Sizilien.

Bis zu seiner Freilassung wurde Richard Löwenherz dann auf der Burg Trifels festgehalten. Dort war er als Herrscher jedoch handlungsfähig. Eine Reihe von Dokumenten sind aus dieser Zeit erhalten.

Richards Rückkehr nach England

Schon als die Verhaftung von Richard Löwenherz Ende 1192 bekannt wurde, versuchten sein jüngerer Bruder Johann Ohneland und der französische König Philipp II. die Lage auszunutzen.

Nachdem das Lösegeld in Höhe von 100.000 Mark verhandelt war, boten die Beiden sogar an, zusammen 150.000 Mark zu zahlen, wenn man Richard Löwenherz an sie ausliefern würde. Aus diesem Grund wurde das ursprüngliche Datum der Entlassung am 17. Januar 1194 von Kaiser Heinrich VI. sogar verschoben.

Alternativ bot Philipp II. von Frankreich die Zahlung von 1.000 Mark für jeden weiteren Monat der Inhaftierung von Richard Löwenherz im Reich des deutschen Kaisers an. Heinrich VI. verlangte daraufhin erfolgreich den Lehenseid des stolzen Engländers und einen jährlichen Tribut von 5.000 Mark.

Erst am 4. Februar 1194 wurde Richard Löwenherz dann tatsächlich aus der Haft entlassen. Nach seiner Rückkehr nach England verbrachte der König einige Tage im Sherwood Forest bei Nottingham. Diese Zeit wurde im 16. Jahrhundert zur literarischen Verknüpfung seiner Geschichte mit der Legende von Robin Hood genutzt.

Trotz der Gebaren seines Bruders Johann Ohneland waren die Strukturen der Herrschaft von Richard Löwenherz jedoch noch weitgehend intakt. Im April 1194 verhängte er einige Strafen gegen Rebellen, aber nahm den Bruder wieder in seinen Beraterkreis auf.

So wurde seine Herrschaft schnell restauriert. Doch schon zu diesem Zeitpunkt begann Richard Löwenherz mit der Sammlung von finanziellen Mitteln, um sich am französischen König zu rächen. Beispielsweise wurde eine Steuer von 10 % auf Exportgüter erhoben.

Krieg gegen Philipp II. von Frankreich

Richard Löwenherz landete nur wenig später am 12. Mai 1194 mit einem Heer wieder in der Normandie. Nach der Vermittlung durch päpstliche Legaten wurde jedoch bis zum November ein Waffenstillstand geschlossen.

Die Vereinbarung war für Richard Löwenherz wohl eine Notwendigkeit. Er nutzte die Zeit, um weitere Gelder zu sammeln und seine verbliebenen Standorte zu befestigen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte er nur noch über vier Burgen in der Normandie.

Der Waffenstillstand hielt über die Vereinbarung hinaus bis zum Sommer 1195. Im Winter diesen Jahres kam es jedoch zu einem wechselvollen Schlagabtausch. Richard Löwenherz konnte zwar in der Schlacht bei Issoudon gewinnen, im darauffolgenden Jahr musste er jedoch die normannische Region Vexin verloren geben.

Bau von Château Gaillard ab 1196

Richard Löwenherz verfügte in der Normandie nur noch über einen schmalen Landstreifen an der Kanalküste. Zur Verteidigung dieser Region unternahm er ab 1196 die große Anstrengung, eine kaum einnehmbare Festung zu errichten.

Mit Château Gaillard bei der Kleinstadt Les Andelys süd-östlich von Rouen baute Richard Löwenherz eine Fortifikation nach dem neusten Stand der damaligen Technik. Als Vorbild wurden Kreuzritterburgen in Palästina wie der Krak des Chevaliers herangezogen.

Die Ruine lässt noch heute die imposanten Reste der Hauptburg sowie der Vorburg erkennen. Die Positionierung der vorgelagerten Anlage war von größter Bedeutung, denn sie diente auch als eine Art Schutzschild gegen den Beschuss mit Bliden.

Bliden, auch Triböke genannt, waren Katapulte mit langen Wurfarmen, die über Distanzen von 300 Metern eine Mauer gezielt beschießen konnten. Als Projektile wurden Steinkugeln verwendet, die je nach Ausführung der Blide in der Regel mindestens 10 und höchstens 120 Kilogramm hatten.

Zur Belagerung von Château Gaillard durch Philipp II. von Frankreich kam es jedoch erst nach dem Tod von Richard Löwenherz. Im Jahr 1203 wurden 6.000 Mann zusammen gezogen, um die Burg auszuhungern.

Nach sieben Monaten hatte der englische Kommandeur Roger de Lacy drei Viertel seiner Verteidiger verloren. Château Gaillard fiel jedoch erst nach einem finalen Sturmangriff in dessen Verlauf einige Soldaten durch die Fenster einer nachträglich gebauten Kapelle eindrangen.

Verwundung durch Armbrust und Tod

Der Bau von Château Gaillard durch Richard Löwenherz hatte Philipp II. von Frankreich nicht von seinen Kriegsplänen abgebracht. Der bewaffnete Konflikt brach im Jahr 1198 erneut aus.

Richard Löwenherz konnte sich jedoch zunächst in einigen Feldschlachten behaupten. Im März 1199 attackierte er das Limousin, eine Region im Herzen von Frankreich und belagerte dort die Burg Châlus-Chabrol.

Am 26. März 1199 begab sich Richard Löwenherz während der Belagerung auf einen ungeschützten Spaziergang. Ein Verteidiger erspähte den König und traf ihn mit seiner Armbrust. Die effektive Reichweite einer solchen Waffe lag damals bei grob 150 Metern.

Die Verwundung führte jedoch nicht sofort zum Tod. Der Leibarzt von Richard Löwenherz konnte den Bolzen sogar noch operativ entfernen.

Aber Treffer von mittelalterlichen Pfeilen waren tückisch. Meist drangen dabei nämlich sehr viele Bakterien in die Wunde ein. Diese Erreger konnten sowohl von dem Geschoss selbst wie auch von Fasern der Kleidung der getroffenen Personen stammen und wurden dann bei der Penetration des Körpers mit in den Wundkanal getragen.

Bei Richard Löwenherz entwickelte sich wie bei vielen Opfern von solchen Waffen der sogenannte Wundbrand. Das ist ein Oberbegriff für zunächst lokale Infektionen einer Wunde, die sich dann aber zu einer Sepsis entwickeln. Dieser Begriff wiederum steht allgemein für weitreichende Komplikationen. Der Tod tritt dann beispielsweise durch zu hohes Fieber ein.

Richard Löwenherz verstarb am 6. April 1199 an den Folgen des Wundbrands im Feldlager vor der Burg Châlus-Chabrol. Damit gehörte er zu den ganz wenigen Königen des hohen Mittelalters, die noch im Kampf getötet wurden.

Es war eine letzte Ironie des Schicksals im Leben des leichtsinnigen Angebers. Denn Richard Löwenherz starb aus Fahrlässigkeit einen qualvollen Tod und zwar durch eine damals verpönte Waffe, deren Ausbreitung er selbst massiv gefördert hatte.

Das Gehirn und die Eingeweide von Richard Löwenherz wurden in Charroux beigesetzt. Sein Herz wurde in der Kathedrale von Rouen bestattet. Dort erhielt er eine für diese Zeit sehr ungewöhnliche Grabdarstellung als liegender Toter mit Kopfkissen und Fußstütze.

Als sein Nachfolger bestieg nun Johann Ohneland den Thron von England. Dieser hatte zwar einen sehr viel schlechteren Ruf, aber dafür verstand er wenigstens etwas von der Regierung eines Landes.