Thomas Müntzer

Thomas Müntzer – Theologe & Reformator

Thomas Müntzer war nicht nur Zeitgenosse von Luther, sondern genau wie er ein Theologe und Reformator während des Deutschen Bauernkrieges (1524 – 1526). Thomas Müntzer war ein wortgewaltiger Prediger, der nicht nur die Missstände in der katholischen Kirche anprangerte. Er wollte das politische System in Frage stellen.

„Die Grundsuppe der Dieberei sind unsere Fürsten und Herrren, nehmen alle Creaturen zu ihrem Eigenthum…“

Besonders der niedrigste, der bäuerliche Stand, der ca. 90 % der Bevölkerung zu Beginn des 16. Jhds. ausmachte war für die Reden von Thomas Müntzer empfänglich. Aber es fanden sich auch viele niedere Adlige, wie der Götz von Berlichingen, die hofften, im Zuge einer bäuerlichen Rebellion an Macht oder Reichtum gewinnen zu können.

Anfangs unterstützten sich Luther und Thomas Müntzer noch gegenseitig in ihren Bestrebungen nach Reformen. Jedoch kühlte das Verhältnis im Laufe der Zeit ab und zerbrach letztlich. Während Luther zwar die Kirche reformieren wollte, hielt er die politische Herrschaftsordnung mit den Fürsten an der Spitze für Gott gewollt. Das wollte er nicht antasten.

Deshalb hatte Luther auch einige Verbündete im sächsischen Adelsstand. Diese konnten ihn immer wieder beschützen. Thomas Müntzer hingegen forderte im Namen Gottes eine gerechtere Welt und wurde dafür geköpft. Der Deutsche Bauernkrieg sollte insgesamt mehr als 100.000 Menschenleben kosten.

Das Leben und der Tod von Thomas Müntzer

Thomas Müntzer wurde vermutlich im Jahr 1489 im Harz geboren und studierte ab 1506 in Leipzig. Ab 1512 war er Student in Frankfurt an der Oder. Während seiner akademischen Laufbahn erwarb er die Titel Baccalaureus Artium, Magister Artium und Baccalaureus Biblicus.

Ein strenger Theologe

Im Jahr 1513 wurde Thomas Müntzer in Halberstadt zum Priester geweiht. Ab 1517 frequentierte er die Lutherstadt Wittenberg. Es war auch Martin Luther, der den ebenfalls evangelischen Müntzer zu seinem ersten Pfarramt in Zwickau erhalf.

Dort fiel Thomas Müntzer bereits mit seinen wortgewaltigen Reden auf. Er hielt als erster Priester überhaupt seine komplette Messe auf deutsch. Erstmals verstand auch die einfache Bevölkerung das Wort Gottes. Diese wurde sogar gedruckt und bis heute findet sich ein Original im Archiv von Braunschweig. In seinen Predigten verwendete der sprachbegabte Theologe viele Bilder und Vergleiche. Außerdem übersetzte er die gregorianischen Gesänge aus dem Lateinischen und es setzte sich überregional durch, dass in Kirchen auf deutsch gesungen wurden.

Die Gottesdienste waren sehr beliebt. Thomas Müntzer wusste zu begeistern und seine Messen erhielten mehr und mehr Zulauf durch die bäuerliche Bevölkerung. Aber bereits im Jahr 1521 ging die theologische Karriere des Querdenkers zu Ende. Er musste Zwickau wegen seiner hetzerischen Reden verlassen. Vor allem in der katholischen Grafschaft Mansfeld hatte er viel Unfrieden gestiftet. Er quittierte sein letztes Gehalt mit den Worten:

„Thomas Müntzer, qui pro veritate militat in mundo“ / „Thomas Müntzer, der für die Wahrheit in der Welt kämpft“.

Die Illegimität der Herrschaft einer oligarchischen Aristokratie bestehend aus geistigen und weltlichen Fürsten sah Thomas Müntzer in seinem Glaubensverständnis begründet. Der Glaube ist für ihn eine direkte Beziehung zwischen dem Gläubigen und Gott. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes und entspringt im Innersten der Seele.

Es bedarf hierfür keiner Medien wie einer katholischen Kirche mit Papsten wie Leo X. oder eines weltlichen Herrschers, die ihre Untertanen nur ausbeuten. Vielmehr sollte ein Mensch nach der Kraft seines Glaubens beurteilt werden. In den Augen des strengen Theologen war es die göttliche Pflicht auch und gerade der Adeligen, sich die Taten von Jesus von Nazaret als Vorbild zu nehmen.

Die ersten Unruhen und der Bruch mit Luther

In der Folge kam es zur eigenmächtigen Weigerung einiger Anhänger von Thomas Müntzer, Abgaben an ein katholisches Kloster zu leisten. Stattdessen plünderten sie eine Kapelle. Bald kam es zu Brandschatzungen im ganzen Land.

Luther verfolgte diese Entwicklung mit größtem Argwohn. Er begann im anarchistischen Thomas Müntzer einen Konkurrenten für sein eigenes Konzept der Reformation zu sehen. Er zog die sächsischen Adligen auf seine Seite und der umtriebige Prediger fiel in Ungnade.

Die Fürsten gingen gewaltsam gegen einige Bauern vor und vertrieben diese von ihrem Land. Daraufhin zogen die vertriebenen Bauern zu Thomas Müntzer nach Allstedt. Dieser schloss sich mit bemerkenswerter Kompromisslosigkeit der aufständischen Sache an. Der Bruch mit Luther und sächsischen Adeligen war endgültig.

Die 12 Artikel der Bauern, Plünderungen und offener Krieg

Als die Bevölkerung rebellierte, kam es vielerorts zu Lynchjustiz.1525 kam es zum Treffen des Parlamentes der Bauern in Memmingen. Auf der Grundlage ihres Wissens und des Verständnisse der Inhalte der Bibel wiesen sie Steuern und und Leibeigenschaft zurück. Die Bauern formulierten mit den 12 Artikeln ein Manifest der Freiheit und Gleichheit.

In dieser Phase waren die aufständischen Bauern in vielen, größeren und kleineren Gruppen organisiert. Einigen griffen vermehrt zu Gewalt. In Thüringen aber auch in Franken gingen viele Klöster und Kirchen in Flammen auf.

Die Erklärung der 12 Artikel verschärfte die Fronten. Sowohl die Bauern als auch die Fürsten zogen Heere zusammen. Auch Güter und einige Burgen, wie die Burg Thüngen, der Familiensitz des damaligen Erzbischofs von Würzburg, gingen in Flammen auf. Ganze Landstriche fielen unter die Kontrolle der Bauern. Hunderte Einrichtungen wurden geplündert und an zahllosen Orten übten die Bauern Lynchjustiz.

Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525

Im Mai 1525 kam es bei Frankenhausen im Kyffhäuserkreis in Thüringen zu einer großen Schlacht, die den Deutschen Bauernkrieg in der Region beenden sollte. Wenige Wochen später würde es nach der gescheiterten Belagerung der Festung Marienberg in Würzburg auch in Franken zum Ende der dortigen Kämpfe kommen.

Aber noch hatten sie eine Hoffnung auf den Sieg. Thomas Müntzer war es gelungen, ca. 8.000 Bauern zu mobiliseren. Sie waren mit Sensen, Sicheln oder Dreschflegeln bewaffnet und verfügten über keinerlei Kampferfahrung. Bereits am Vortag hatten sich die Bauern unter der Führung von Thomas Müntzer in einer Wagenburg auf dem Hausberg bei Frankenhausen verschanzt.

Die Fürsten griffen mit 6.000 professionellen Söldner bestehend aus Infanterie, Artillerie und Kavallerie die bäuerliche Stellung an. Thomas Müntzer hielt noch eine flammende Rede und die Bauern weigerten sich sogar, ihn gegen Amnestie auszuliefern. Der Erzählung nach erschien ein Regenbogen am Himmel, den der eloquente Prediger als Zeichen Gottes für die Sache der Bauern deutet. Sie ließen sich auf eine Schlacht ein und wurden komplett vernichtet.

Ca. 75 % der Bauern fielen bereits bei der Verteidigung des Hügels. Einige konnten entkommen. Aber weitere 600 Mann wurden gefangen genommen und am nächsten Tag gehenkt. Ganz änlich sollte es wenige Wochen später für Florian Geyer und die Bauern in Franken laufen.

Thomas Müntzer wurde lebendig erwischt. Man verschleppte ihn in eine Festung, wo er tagelang gefoltert wurde. Am 27. Mai 1525 wurde er schließlich vor Toren der Stadt Mühlhausen enthauptet. Sein Kopf fand eine letzte Verwendung als aufgespießte Warnung an andere Anfrührer.