Thomas Müntzer

Thomas Müntzer – Prediger der Bauern

Thomas Müntzer wurde um 1489 in Stollberg im Harz geboren. Er war ein Zeitgenosse von Martin Luther und gehörte ebenso zu den großen Reformatoren der Kirche.

Älteste Darstellung von Thomas Müntzer
Darstellung von Thomas Müntzer von 1608 (Bild-Link: Wikimedia Commons)

Doch Thomas Müntzer war nicht nur ein wortgewaltiger Prediger, der die Missstände in der Christenheit anprangerte. Im Gegensatz zu Luther stellte er auch den deutschen Adel in Frage.

Insofern war Thomas Müntzer nicht nur ein Häretiker, sondern auch ein Demagoge. Besonders der niedrigste, der bäuerliche Stand, war für seine Worte empfänglich.

Dabei machten die Bauern zu seiner Zeit etwa 90 % der Bevölkerung aus und mussten erdrückende Steuern und Abgaben leisten. Als im Zuge der Reformation die kirchliche Herrschaft in Frage gestellt wurde, entzündete sich in Deutschland und der Schweiz schließlich der Aufstand des Gemeinen Mannes.

„Die Grundsuppe der Dieberei sind unsere Fürsten und Herren, nehmen alle Creaturen zu ihrem Eigenthum…“

Dieser Konflikt wurde als Deutscher Bauernkrieg von 1524/25 bekannt. In dessen Verlauf gehörte Thomas Müntzer zu den einflussreichsten Figuren dieser Aufstandsbewegung.

Doch die Rebellion erzielte nur anfängliche Erfolge. Die kirchlichen und weltlichen Fürsten organisierten sich im Schwäbischen Bund. Sie stellten eine professionelle Armee auf und zogen gegen die bäuerlichen Milizen.

Nach mehreren Gefechten kam es am 15. Mai 1525 zur Schlacht bei Frankenhausen. Die Bauern erlitten dort unter der Führung von Thomas Müntzer eine vernichtende Niederlage. Er selbst wurde gefangen genommen und anschließend auf der Festung Heldrungen inhaftiert und gefoltert.

Für seine Forderung nach einer gerechteren Welt hat man Thomas Müntzer dann am 27. Mai 1525 vor den Toren von Mühlhausen enthauptet. Sein Kopf wurde auf einen Pfahl gespießt.

In den folgenden Wochen wurden der Aufstand auch in Süd-Deutschland schnell und blutig niedergeschlagen. Der Deutsche Bauernkrieg sollte letztlich mehr als 100.000 Menschenleben kosten, ohne dass es zu spürbaren Verbesserungen für den gemeinen Stand kam.

Frühe Lebensjahre und akademische Karriere

Thomas Müntzer wurde vermutlich im Jahr 1489 in Stollberg im Harz geboren. Ab 1506 studierte der junge Mann in Leipzig.

Ab 1512 war er dann als Student in Frankfurt an der Oder. Während seiner akademischen Laufbahn erwarb Thomas Müntzer die Titel:

  • Baccalaureus Artium
  • Magister Artium
  • Baccalaureus Biblicus.

Theologe für die einfachen Leute

Im Jahr 1513 wurde Thomas Müntzer in Halberstadt zum Priester geweiht. Ab 1517 frequentierte er die Lutherstadt Wittenberg. Es war auch Martin Luther, der den ebenfalls protestantischen Müntzer zu seinem ersten Pfarramt in Zwickau verhalf.

Dort fiel Thomas Müntzer bereits mit seiner Rhetorik auf. Er hielt als erster Priester überhaupt eine komplette Messe auf deutsch. Die einfache Bevölkerung verstand nun selbst das Wort Gottes und war nicht mehr auf die Übersetzungen der Pfaffen angewiesen.

Diese Messe von Thomas Müntzer wurde sogar gedruckt. Bis heute findet sich ein Original im Archiv von Braunschweig. In sprachlicher Hinsicht fällt besonders auf, dass er sehr viele Bilder und Vergleiche verwendete.

Außerdem übersetzte Thomas Müntzer gregorianische Gesänge aus dem Lateinischen. In der Folge entstand der überregionale Trend, dass in Kirchen auf deutsch gesungen wurde.

Diese Gottesdienste waren sehr beliebt. Thomas Müntzer wusste zu begeistern. Seine Messen erhielten vor allem durch die bäuerliche Bevölkerung mehr und mehr Zulauf.

Idealistischer Querulant im Klerus

Aber bereits im Jahr 1521 ging die theologische Karriere des Querdenkers zu Ende. Er musste Zwickau wegen seiner aufrührerischen Reden verlassen.

Vor allem in der katholischen Grafschaft Mansfeld hatte er wohl mit Absicht sehr viel Unfrieden gestiftet. Er quittierte sein letztes Gehalt dann mit den Worten:

„Thomas Müntzer, qui pro veritate militat in mundo.“

„Thomas Müntzer, der für die Wahrheit in der Welt kämpft.“

Thomas Müntzer wandte sich dabei aufgrund seines Verständnisses des christlichen Glaubens gegen die Auswüchse der kirchlichen und weltlichen Fürsten. Er hielt das Herrschaftssystem für eine illegitime Oligarchie.

Der Glaube war für den reformatorischen Theologen eine direkte Beziehung zwischen der gläubigen Person und Gott. Der Glaube ist aus der Sicht von Thomas Müntzer ein Geschenk Gottes und entspringt im Innersten der Seele.

Es bedarf hierfür keiner Medien wie einer katholischen Kirche mit Leuten wie Leo X. als Gottes Stellvertreter auf Erden. Vielmehr sollte ein Mensch nach der Kraft des persönlichen Glaubens beurteilt werden. Insofern war für Thomas Müntzer auch ein religiös untermauerter Herrschaftsanspruch von weltlichen Fürsten sehr problematisch.

In den Augen des strengen Theologen war es die göttliche Pflicht auch und gerade der Adeligen, sich die Taten des Jesus von Nazaret als Vorbild zu nehmen. Damit stellte er sich jedoch klar gegen die Ansichten der Mächtigen.

Thomas Müntzer im Deutschen Bauernkrieg

Erste Unruhen und Bruch mit Luther

Anfangs unterstützten sich Luther und Thomas Müntzer noch gegenseitig in ihren Bestrebungen nach Reformen. Jedoch kühlte das Verhältnis im Laufe der Zeit ab und zerbrach letztlich.

Beide Theologen wollten die christliche Kirche zwar reformieren. Doch Luther hielt die politische Herrschaftsordnung im Heiligen Römischen Reich mit den Fürsten an der Spitze für Gott gewollt.

Deshalb hatte Luther auch einige Verbündete im sächsischen Adelsstand. Diese konnten ihn immer wieder beschützen, so dass er selbst nicht zum Opfer des kommenden Bauernkrieges werden sollte.

Doch einige Anhänger von Thomas Müntzer sahen sich aufgrund seiner Reden bestätigt. Sie verweigerten einem katholischen Kloster die geforderten Abgaben. Stattdessen plünderten sie eine Kapelle. Bald darauf kam es dann zu Brandschatzungen im ganzen Land.

Luther verfolgte diese Entwicklung mit größtem Argwohn. Er begann in dem eher anarchistischen Thomas Müntzer einen Konkurrenten für sein eigenes Konzept der Reformation zu sehen.

Während Luther die sächsischen Adligen auf seine Seite ziehen konnte, viel der umtriebige Prediger Thomas Müntzer in Ungnade. Die Fürsten gingen gewaltsam gegen einige Bauern vor und vertrieben diese von ihrem Land.

Daraufhin zogen die vertriebenen Bauern zu Thomas Müntzer nach Allstedt. Dieser schloss sich mit bemerkenswerter Kompromisslosigkeit der aufständischen Sache an. Der Bruch mit Luther und den sächsischen Adeligen war endgültig.

Zwölf Artikel der Bauern vom 6. März 1525

1525 kam es zum Treffen des Parlamentes der Bauern in Memmingen. Auf der Grundlage ihres Wissens und des Verständnisses der Inhalte der Bibel wiesen sie Steuern und Leibeigenschaft zurück.

Die Bauern formulierten in zwölf Artikeln ihr Manifest für mehr Freiheit und Gerechtigkeit:

  1. Jede Gemeinde soll das Recht haben, ihren Pfarrer zu wählen und ihn zu entsetzen, wenn er sich ungebührlich verhält. Der Pfarrer soll das Evangelium lauter und klar ohne allen menschlichen Zusatz predigen, da in der Schrift steht, dass wir allein durch den wahren Glauben zu Gott kommen können.
  2. Von dem großen Zehnten sollen die Pfarrer besoldet werden. Ein etwaiger Überschuss soll für die Dorfarmut und die Entrichtung der Kriegssteuer verwandt werden. Der kleine Zehnt soll abgetan werden, da er von Menschen erdichtet ist, denn Gott der Herr hat das Vieh dem Menschen frei erschaffen.
  3. Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute gehalten hat, welches zu Erbarmen ist, angesehen, dass uns Christus alle mit seinem kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen.
  4. Ist es unbrüderlich und dem Wort Gottes nicht gemäß, dass der arme Mann nicht Gewalt hat, Wildbret, Geflügel und Fische zu fangen. Denn als Gott der Herr den Menschen erschuf, hat er ihm Gewalt über alle Tiere, den Vogel in der Luft und den Fisch im Wasser gegeben.
  5. Haben sich die Herrschaften die Hölzer alleine angeeignet. Wenn der arme Mann etwas bedarf, muss er es um das doppelte Geld kaufen. Es sollen daher alle Hölzer, die nicht erkauft sind, der Gemeinde wieder heimfallen, damit jeder seinen Bedarf an Bau- und Brennholz daraus decken kann.
  6. Soll man der Dienste wegen, welche von Tag zu Tag gemehrt werden und täglich zunehmen, ein ziemliches Einsehen haben, wie unsere Eltern gedient haben, allein nach Laut des Wortes Gottes.
  7. Soll die Herrschaft den Bauern die Dienste nicht über das bei der Verleihung festgesetzte Maß hinaus erhöhen.
  8. Können viele Güter die Pachtabgabe nicht ertragen. Ehrbare Leute sollen diese Güter besichtigen und die Gült nach Billigkeit neu festsetzen, damit der Bauer seine Arbeit nicht umsonst tue, denn ein jeglicher Tagwerker ist seines Lohnes würdig.
  9. Werden der große Frevel wegen stets neue Satzungen gemacht. Man straft nicht nach Gestalt der Sache, sondern nach Belieben. Ist unsere Meinung, uns bei alter geschriebener Strafe zu strafen, darnach die Sache gehandelt ist, und nicht nach Gunst.
  10. Haben etliche sich Wiesen und Äcker, die einer Gemeinde zugehören, angeeignet. Die wollen wir wieder zu unseren gemeinen Händen nehmen.
  11. Soll der Todfall ganz und gar abgetan werden, und nimmermehr sollen Witwen und Waisen also schändlich wider Gott und Ehre beraubt werden.
  12. Ist unser Beschluss und endliche Meinung, wenn einer oder mehr der hier gestellten Artikel dem Worte Gottes nicht gemäß wären […], von denen wollen wir abstehen, wenn man es uns auf Grund der Schrift erklärt. Wenn man uns schon etliche Artikel jetzt zuließe und es befände sich hernach, dass sie Unrecht wären, so sollen sie von Stund an tot und ab sein. Desgleichen wollen wir uns aber auch vorbehalten haben, wenn man in der Schrift noch mehr Artikel fände, die wider Gott und eine Beschwernis des Nächsten wären.

Die Erklärung der zwölf Artikel wurde von den Fürsten jedoch nicht als Verhandlungsbasis angenommen. Vielmehr verschärfte sich die Situation noch weiter.

Plünderungen und offener Krieg

In der Frühphase des Bauernkrieges waren die Aufständischen in zahlreichen Gruppen organisiert. Einige dieser „Haufen“ griffen vermehrt zu Gewalt.

In Thüringen aber auch in Franken gingen viele Kirchen und Klöster in Flammen auf. Auch Güter und einige kleinere Burgen konnten von den Bauern geplündert werden. Ein Beispiel war die Burg Thüngen, der Familiensitz des damaligen Fürstbischofs von Würzburg.

Ganze Landstriche fielen zunächst unter die Kontrolle der Bauern. Insgesamt wurden hunderte Einrichtungen gebrandschatzt. Hinzu kam, dass an zahllosen Orten Lynchjustiz verübt wurde.

Doch die Fürsten waren im Schwäbischen Bund organisiert und holten zum Gegenschlag aus. Beide Seiten zogen Heere zusammen, um eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld zu suchen.

Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525

Am 15. Mai 1525 kam es dann bei Frankenhausen im Kyffhäuserkreis in Thüringen zu einer großen Schlacht. Diese sollte den Deutschen Bauernkrieg in der Region beenden. Wenige Wochen später würde es nach der gescheiterten Belagerung der Festung Marienberg auch in Franken zum Ende der dortigen Kämpfe kommen.

Aber noch hatten die Bauern eine Hoffnung auf den Sieg. Thomas Müntzer war es gelungen, etwa 8.000 Mann zu mobilisieren. Sie waren mit Sensen, Sicheln oder Dreschflegeln bewaffnet. Aber sie verfügten über praktisch keine Kampferfahrung.

Bereits am Vortag hatten sich die Bauern unter der Führung von Thomas Müntzer in einer Wagenburg auf dem Hausberg bei Frankenhausen verschanzt. Die Fürsten griffen dann mit 6.000 Söldner bestehend aus Infanterie, Artillerie und Kavallerie die bäuerliche Stellung an.

Thomas Müntzer hielt noch eine flammende Rede. Die Bauern weigerten sich sogar, ihn gegen Amnestie auszuliefern. Der Erzählung nach erschien ein Regenbogen am Himmel, den der eloquente Prediger als Zeichen Gottes für die Sache der Bauern deutete.

So ließen sie sich auf die Schlacht bei Frankenhausen ein und wurden als Streitmacht vernichtet. Etwa 6.000 Bauern starben bei diesem Gefecht.

Inhaftierung und Hinrichtung in Mühlhausen

Etwa 75 % der Bauern fielen bereits in der Schlacht bei Frankenhausen. Weitere 600 Mann wurden gefangen genommen und am nächsten Tag gehenkt.

Thomas Müntzer wurde ebenfalls lebendig erwischt. Man verschleppte ihn als Rädelsführer in die Festung Heldrungen in Thüringen. Dort folterte man ihn tagelang.

Am 27. Mai 1525 wurde Thomas Müntzer schließlich vor den Toren von Mühlhausen enthauptet. Sein Kopf fand eine letzte Verwendung als aufgespießte Warnung an andere Aufrührer.

Ganz ähnlich sollte es den Bauern wenige Wochen später in Süd-Deutschland ergehen. Unter Anführern wie Florian Geyer und dem Götz von Berlichingen hatten sie den Hochstift Würzburg geplündert. Doch dort waren sie an der Festung Marienberg gescheitert.

Das Heer des Schwäbischen Bundes unter dem Befehl des Truchsess Georg von Waldburg-Zeil, dem Bauernjörg, schlug die Bauern im Juni 1525 dann ebenso vernichtend bei Königshofen und Giebelstadt.

Thomas Müntzer als Held des Proletariats

Thomas Müntzer wurde im 20. Jahrhundert als Symbol und Vorbild des Sozialismus wiederentdeckt. Die DDR fand gleich in mehrfacher Hinsicht eine Verwendung für den Prediger aus der Zeit des Bauernkrieges.

Bild auf der 5-Mark-Banknote

In der DDR wurde von 1971 bis 1990 das Profilbild von Thomas Müntzer auf den 5-Mark-Schein gedruckt. Darüber hinaus prägte die Staatsbank eine 20-Mark-Gedenkmünze zu seinen Ehren.

Thomas-Müntzer-Medaille

In der DDR gab es mit der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) eine Massenorganisation für Bauern. Diese wurde von der SED kontrolliert und hatte mehr als 600.000 Mitglieder.

Die vorrangige Aufgabe dieser Vereinigung war eine Bodenreform und der Aufbau einer sozialistischen Landwirtschaft. Nach der Kollektivierung im Jahr 1952 übernahm sie weitere Funktionen wie:

  • Technische Versorgung der Landwirtschaftsbetriebe
  • Verbesserung von Arbeits- und Lebensbedingungen
  • Pflege der bäuerlichen Traditionen
  • Urlaubsgestaltung für die Genossenschaftsmitglieder

Innerhalb dieser Massenorganisation war die „Thomas-Müntzer-Medaille“ die höchste Auszeichnung.

DEFA-Verfilmungen

Die volkseigene Deutsche Film AG (DEFA) brachte Filme heraus, in denen die Figur des Thomas Müntzer behandelt wurde:

  • Thomas Müntzer – Ein Film deutscher Geschichte von 1956
  • Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes von 1989