Karl Martell

Karl Martell – der Hammer

Im fränkischen Reich herrschte seit 486 n. Christus das Geschlecht der Merowinger. Doch diese Linie hatte über die Jahrhunderte auch viele sehr schwache Anführer hervorgebracht. Aus dem Hintergrund heraus übernahm deshalb nach und nach eine neue Linie die Kontrolle, die Karolinger.

Mit Karl Martell hatte diese Adelslinie einen ihrer mächtigsten Vertreter, bevor das Haus auch direkt nach der Königswürde greifen konnte. Den Beinamen Martellus, was soviel wie „der Hammer“ bedeutet, erhielt Karl jedoch erst im 9. Jahrhundert. Er selbst lebte ein Jahrhundert früher und verstarb im Jahr 741 n. Christus.

Dieser Ehrenname wurde Karl also nur rückwirkend und auch erst nach den großen politischen wie militärischen Erfolgen von Karl dem Großen, seinem Enkel, zu teil. Vor allem der große Sieg von Karl Martell gegen die Araber in der Schlacht von Tours und Poitiers im Oktober 732 wurde dann im nachhinein zum Aufhänger für eine propagandistische Überhöhung.

Karl Martell wurde zum Retter des Abendlandes stilisiert. Dabei handelt es sich jedoch nach wissenschaftlicher Einschätzung über eine starke Übertreibung. Trotz alledem war Karl eine prägende Figur in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts.

Darüber hinaus trieb er ein politisches Meisterstück immer weiter voran. Seine Linie verwandelte das aristokratische Amt des Hausmeiers am Hofe des Königs in das faktische Machtzentrum im Reich, bis schließlich die völlige Kontrolle übernommen werden konnte.

Doch erst Pippin der Jüngere, auch Pippin der Kurze oder Pippin III. genannt, ein Sohn von Karl Martell, konnte öffentlich nach dem Thron greifen. Mit seiner Krönung im Jahr 751 endete ein  blutiges und mehr als 100-jähriges Spiel um den fränkischen Thron zwischen zwei sehr alten und mächtigen Dynastien.

Eine neue Königslinie

Karl Martell gehörte zum Hochadel seiner Zeit. Er war der Spross gleich zweier mächtiger Familien des Frankenreiches:

Die Arnulfinger

Großväterlicherseits stammte Karl Martell von den Arnulfingern ab. Das war eine sehr reiche fränkische Familie. Sie stellten vor allem auch über zwei Generationen hinweg den Bischof von Metz, darunter der namensgebende Arnulf von Metz. Damit waren sie wirtschaftlich wie politisch sehr einflussreich.

Sie waren im Norden des heutigen Frankreich und auf den Gebieten der Benelux-Staaten fest verankert. Auch hatte die Familie dort mehrere Klöster gestiftet.

Die Pippiniden

Großmütterlicherseits stammte Karl Martell hingegen von den Pippiniden ab. Dabei handelte es sich ebenfalls um ein sehr mächtiges Geschlecht, dass aus der gleichen Region stammte. Das Haus hatte sich unter der Führung von Pippin dem Älteren im Reich sehr erfolgreich positioniert.

Diese Machtstellung konnte er durch seine Funktion im Reich immer weiter ausbauen. Unter den Königen der Merowinger diente er als ein Hausmeier. Dieses Amt hatte eine alt-römische Tradition und wurde ursprünglich als „Majordomus“ bezeichnet.

Wörtlich bedeutet der Begriff soviel wie „Verwalter des Hauses“. In der Antike ließen Adlige beispielsweise ihre Landgüter von einem solchen Majordomus verwalten. Heute würde man wohl von einem „Geschäftsführer“ sprechen.

Im fränkischen Reich waren solche Hausmeier für einzelne Regionen oder auch das gesamte Reich zuständig. Je nach persönlicher Interpretation könnte ein gewiefter Hausmeier diese Funktion sehr machtvoll und weitreichend ausüben.

Unter der gestaltenden Hand von Pippin dem Älteren, dem Ur-Großvater von Karl Martell, begann bereits die dominante Taktart der Karolinger in diesem Amt. Um seine Macht abzusichern, verheiratete Pippin der Ältere schließlich seine Tochter Begga mit dem Arnulfinger Ansegisel.

Damit gingen zwei einflussreiche Männer einen folgenreichen Pakt ein. Denn das Paar hatte einen Sohn, Pippin den Mittleren. Dieser sollte die schleichende Machtübernahme durch seine Großvater mit noch größerem Erfolg voran treiben.

Game of Thrones im frühen Mittelalter

Das Frankenreich war über seine ganze Geschichte hinweg von zahllosen inneren Konflikten geprägt. Dabei waren viele Krisen strukturell veranlagt und wiederholten sich deshalb immer wieder.

Besonders fatal war das fränkische Erbrecht. Dieses sah vor, dass alle Söhne (möglichst) gleich erben sollen. Deshalb kam es sowohl im privaten Bereich aber eben auch auf Reichsebene zu zahllosen Spaltungen.

Darüber hinaus brachte die althergebrachte Gliederung in Stämme auch mächtige Clan-Fürsten hervor. Solche Familien, wie die von Karl Martell, nutzten natürlich ihre Möglichkeiten, um die Monarchie permanent im eigenen Interesse zu untergraben.

Ostreich gegen Westreich

Neben den gesellschaftlichen Konfliktpotentialen ging auch schon im frühen Mittelalter ein geographischer Riss durch das fränkische Reich. Den östlichen Teil, das Ostreich, bezeichnete man als Austrasien.

Das Westreich hingegen wurde Neustrien genannt. Bei diesen Regionen handelte sich um einen großen Teil der Gründungsgebiete des fränkisches Reichs im Jahr 486 n. Christus. Doch es hatte stets wirtschaftliche, aber auch kulturelle Unterschiede gegeben.

Das Ostreich war die Wiege zahlloser Krieger-Dynastien. Die Merowinger und auch die Ahnen von Karl Martell hatten dort ihre Stammsitze. Die regionale Bevölkerung war aus germanischen Stammeskulturen hervorgegangen.

Wesentliche Teile dieser Gebiete konnten zu allen Zeiten von germanischen Kriegern gegen das antike Rom verteidigt werden. Das fränkische Westreich hatte in seiner tieferen Historie jedoch eher einen keltischen Hintergrund.

Noch dazu hatte Gaius Julius Caesar diese Gebiete bereits im 1. Jahrhundert v. Christus erobert. Teile des Westreiches waren auch aus Belgica Secunda, der letzten römischen Provinz in Gallien, hervorgegangen. Die Gebiete waren deshalb bereits sehr früh latinisiert und dann christianisiert worden.

Außerdem hatten die Römer mit ihren Fähigkeiten diese Gegenden infrastrukturell erschlossen. In diesem Bereich, in etwa in der heutigen Normandie, fand sich landwirtschaftlicher Reichtum und auch produzierendes Handwerk. Deshalb versuchte das Westreich auch immer mal wieder, sich der Kontrolle durch die Mächtigen aus dem Ostreich zu entziehen.

Karolinger gegen Merowinger

Die Ära der Merowinger begann im Jahr 486 n. Christus. Mit einem Überfall nutzten die Franken unter der Führung von Chlodwig I. den Untergang des Römischen Reiches zur Gründung einer neuen Großmacht. Aus ihren belgischen Stammesgebieten stießen sie vor bis zur Loire und machten Paris zur Hauptstadt des neuen Reiches.

Aber die Linie der alten Könige hatte nur sehr wenige, wirklich gute Herrscher hervorgebracht. Dieser Mangel an Qualität und widrige Umstände führten zu einer Erosion ihrer Alleinherrschaft. Mit dem Tod von Dagobert I. im Jahr 639 n. Christus endete auch das faktische Macht-Monopol dieses Clans.

Dagobert I. war es noch gelungen, die südlich gelegenen Regionen Aquitanien und Burgund in das Reich zu integrieren. Er regierte durchaus erfolgreich und stiftete als besonders religiöser Mensch die Basilika von Saint-Denis.

Dort ruhten lange die Gebeine der Könige von Frankreich von 565 bis 1830 n. Christus. Allerdings kam es während der französischen Revolution zur Plünderung der Königsgräber und großen Zerstörungen an der Kathedrale.

Doch mit Pippin dem Älteren war Dagobert I. bereits ein sehr mächtiger Gegenspieler im Amt des Hausmeiers gegenüber getreten. Auch Arnulf von Metz war politisch bereits auf den Plan getreten, so dass der letzte erfolgreiche Merowinger bereits erheblich mit seinen Beratern zu kämpfen hatte.

Reichsteilung von 639 n. Christus

Nach dem Tod von Dagobert I. wurde das fränkische Reich unter seinen beiden Söhnen aufgeteilt. Paris wurde zur Hauptstadt des Westreiches, während Metz zum Zentrum des östlichen Teils wurde.

Aber keiner der beiden Jungen war in einem regierungsfähigen Alter. Nach dieser territorialen Spaltung waren noch dazu auch die einzelnen Gebiete in ihrer Existenz bedroht. Deshalb begannen real-politische Mechanismen zu greifen.

Bis zu seinem Tod hatte Dagobert I. vor allem Pippin den Älteren, den Hausmeier des Ostreiches, noch kontrollieren können. Doch nun hatte die Stunde der beiden Großväter von Karl Martell geschlagen.

Für wirtschaftliches Wohlergehen und äußere Sicherheit untergrub man die Königsherrschaft der alten Linie schließlich. Doch es dauert noch mehr als 100 Jahre bis diese machtpolitische Transformation abgeschlossen war.

Pippin der Mittlere – Hand der Könige

Pippin der Mittlere war das menschliche Ergebnis der politischen Vereinigung seiner beiden Großväter: Pippin dem Älteren und Arnulf von Metz. Deshalb stand auch sein Leben bis zu seinem Tod im Jahr 714 n. Christus ganz im Dienste seines Hauses.

Er wurde ebenfalls in das Amt des Hausmeiers erhoben. Zu Beginn seiner Amtszeit zweifelte man noch an seiner Dominanz. Doch Pippin der Mittlere setzte sich militärisch durch. Er konnte zwar selbst nicht direkt nach der Krone greifen.

Aber beließ er seine Konkurrenten auf ihren Positionen und behielt alle Fäden in der Hand. Vier Könige aus dem Geschlecht der Merowinger dienten im Laufe der Zeit unter seiner politischen Kontrolle:

  • Theuderich III. (679–690)
  • Chlodwig III. (690–694)
  • Childebert III. (694–711)
  • Dagobert III. (711–715)

In dieser Zeit gelang es vor allem auch die Reichweite seiner politischen Macht über die Kernregionen hinaus zu erhöhen. Nach dem Tod des wichtigsten Oppositionsführers verheiratete er sogar noch seinen Sohn mit dessen Witwe. So zog er deren Anhänger auf seine Seite.

Neben dem Ostreich und dem Westreich waren vor allem die reichen Gebiete von Aquitanien und Burgund im Süden von besonderer Bedeutung für das Frankenreich. Noch zu Lebzeiten setzte er deshalb seine Söhne in regionale Posten ein.

Außerdem erwies sich Pippin der Mittlere als fähiger Feldherr. Er bezwang die Friesen und schuf die Voraussetzungen für eine Christianisierung.

Karl, Drogo und Grimoald

Pippin der Mittlere hatte drei Söhne, die ebenfalls zu Macht gelangten. Drogo, Grimoald und den Bastard Karl Martell. Diese folgten ihm als Hausmeier für einzelne Gebiete im Reich. Darüber hinaus wurden sie zum Dux ernannt. Das ist ein Titel aus der Antike und bedeutet „Anführer“. Später entwickelte sich hieraus der Titel des Herzogs.

Doch Drogo starb bereits früh und Grimoald übernahm seinen Platz. Ihm gelang es zwei Hausmeier-Positionen im Reich in Personalunion zu vereinen. Unter seiner direkten Kontrolle stand nun auch Burgund im Süden.

Doch Grimoald wurde 714 n. Christus in einer Kirche bei Lüttich erschlagen. In diesem Macht-Vakuum versuchte Plektrudis,  die Witwe von Pippin dem Mittleren, die Macht an sich zu reißen, um einen vierten, minderjährigen Sohn auf den Thron zu setzen.

Die Witwe des mächtigen Pippin ließ Karl Martell, den Bastard des Verstorbenen, inhaftieren. Doch Plektrudis hatte nicht mit dem eigennützigen Widerstand der Adeligen gerechnet. Viele sahen ihre Chance für einen persönlichen Machtgewinn. Darüber hinaus gelang dem Gefangenen bald die Flucht.

Daraufhin formierten sich die Mächtigen des Reiches schnell hinter dem jungen Karl Martell, der Drogo und Grimoald nun erfolgreich beerbte. Vor allem die bereits ausgebaute Funktion des Hausmeiers erwies sich für sein kommendes Lebenswerk als entscheidender Vorteil.

Martellus – der Hammer

Nachdem Karl Martell als Hausmeier im Jahr 718 n. Christus an die Macht kam, ließ er zunächst zwei Söhne seines Halbbruders Drogo gefangennehmen. Damit waren alle dynastischen Fragen zumindest für ihn selbst geklärt.

Doch die innenpolitische Lage und die Traditionen im Reich ließen es immer noch nicht zu, dass ein neues Geschlecht die Königsherrschaft übernehmen konnte. Deshalb trieb Karl die Machtentfaltung seiner Linie im Inneren immer weiter fort. Darüber hinaus führte er zahlreiche militärische Einsätze rundum das fränkische Reich durch.

Kriege gegen die Friesen

Karl Martell war 716 n. Christus vor Köln von Friesen besiegt worden. Dafür rächte er sich nach seinem Herrschaftsantritt. Ein willkommener Anlass ergab sich, als Radbod, der heidnische König der Friesen, die Christianisierung durch Bischof Willibrord im Bistum Utrecht gewaltsam behinderte.

Bischof Willibrord rief daraufhin Karl Martell zu Hilfe, der die Einladung wohl dankend annahm. Der Krieg gegen die Friesen war nämlich auch ein Raubzug, der die Kasse füllen sollte. Die Franken stießen bis in die Kerngebiete der Friesen vor und zerstörten dabei viele heidnische Heiligtümer.

Das betroffene Gebiet entspricht in etwa der heutigen Provinz Friesland in den Niederlanden. Offenbar war der Kriegszug ein durchschlagender Erfolg. Eine Schenkung von Karl Martell an das Bistum Utrecht im Jahr 734 n. Christus ist urkundlich belegt. Zu Lebzeiten von Karl Martell begehrten die Friesen jeweils nicht mehr auf.

Kriege gegen die Sachsen

Die kriegerischen Sachsen zogen im frühen Mittelalter nicht nur gegen die Briten, sondern stellten auch eine permanente Bedrohung für die Franken dar. Während der inneren Machtkämpfe im Frankenreich waren sie sogar bis zum Rhein vorgedrungen.

Die Sachsen sollten jedoch erheblich mehr Widerstand leisten. Unklar ist, ob bereits im Jahr 722 n. Christus ein Feldzug stattfand. Belegt sind jedoch Kriegszüge in den Jahren 724 und 738 n. Christus.

Wiederum galt die Christianisierung als Vorwand. Tatsächlich dürften jedoch Sicherheitsinteressen und Beutegier eine zentrale Rolle gespielt haben. Die Sachsen mussten nach ihren Niederlagen dann auch hohe Tribute zahlen und Geiseln stellen.

Doch es sollte erst Karl dem Großen, dem Enkel von Karl Martell, gelingen, die Sachsen und ihre heidnische Kultur endgültig niederzuwerfen. Bis dahin blieben sie eine eigenständige Macht.

Kriege gegen die Alemannen

Ebenfalls in den ersten Jahren der Herrschaft von Karl Martell begannen die Kriege gegen die Alemannen. Deren Territorien im heutigen Bayrisch-Schwaben wollte er jedoch von Anfang an ins fränkische Reich integrieren.

Wiederum gab die Christianisierung willkommene Motive. Das Kloster Reichenau und das Kloster Murbach wurden in diesen Zusammenhängen gegründet. Nachdem der alemanische Dux den Fehler gemacht hatte, einen Abt zu vertreiben, wurde er selbst vertrieben und der Abt wieder eingesetzt.

Karl Martell verzichtete zunächst auf die Ernennung eines Nachfolgers für die Spitze der Alemannen. Später wurde das Ducat beziehungsweise das Herzogtum noch einmal von seinem Sohn besetzt, aber verfiel dann endgültig. Damit endete dann auch eine 500-jährige Stammesgeschichte.

Anschluss von Mainfranken

Im Raum Würzburg hatte sich im 7. Jahrhundert das Haus der Hedenen als Herzöge erhoben. Diesen gelang es auch, Thüringen unter ihre Kontrolle zu bekommen. Doch sie waren in der Bevölkerung unbeliebt.

Es kam zu Aufständen. Ohne dass Karl Martell groß eingreifen musste, schlossen sich die Mainfranken ihren „westlichen Vettern“ an. Auch hier spielte die Verbreitung des Glaubens eine Rolle. Schenkungen an Kloster sind belegt.

741 n. Christus, im Jahr des Todes von Karl Martell, wurde schließlich sogar das Bistum Würzburg vom Hl. Bonifatius gegründet. Die offizielle Bestätigung erging zwar erst ein Jahr später. Die neue Institution wurde jedoch sogleich dem Hl. Burkhard unterstellt und löste das weltliche Herzogtum ab.

Der fürstbischöfliche Hochstift Würzburg bestand dann für mehr als 1.000 Jahre. Erst die erzwungene Säkularisierung durch Napoleon im Jahr 1802 beendete die Herrschaft der Erzbischöfe.

Intervention in Bayern

Auch die Bayern waren gegen die Interessen des Karl Martell nicht gefeit. Das damals herrschende Haus der Agilolfinger war ursprünglich wohl von den Merowingern eingesetzt worden. Sie residierten in Regensburg, einer alten Römer-Siedlung an der Donau aus dem 2. Jahrhundert n. Christus.

Binnen weniger Jahre hatte das Haus jedoch den Tod zweier Oberhäupter zu beklagen. In dieser Phase kamen innere Unstimmigkeiten auf. Karl Martell mischte sich zusammen mit dem König der Langobarden ein. Es gelang den Beiden, Odilo zu inthronisieren, eine Marionette.

Darüber hinaus nahm Karl Martell eine Prinzessin der Agilolfinger, Swanahild, als zweite Ehefrau. Die stolzen Bajuwaren akzeptierten den fremden Odilo jedoch nicht. Dieser musste schließlich sogar zu Karl Martell flüchten.

Doch der fränkische Hausmeier setzte sich daraufhin mit Gewalt durch. Odilo kehrte nach Bayern zurück und zeugte einen Sohn, den Hl. Tassilio. Diesen machte man dann bereits im Alter von sieben Jahren als willfähriges Spielzeug zum Herzog der Bayern.

Später gründete er als Tassilo III. zahlreiche Stifte in Bayern und Tirol. Jenseits der kirchlichen Aufgaben blieben er jedoch ein Leben lang in der politischen Opferrolle. Beispielsweise wurde er für Schauprozesse instrumentalisiert.

Verteidigung gegen die Araber

Bis 711 n. Christus war Spanien von Westgoten dominiert. Doch in diesem Jahr war das Reich an muslimische Araber und Berber gefallen. Bis 720 n. Christus gelangten sie über die Pyrenäen und plünderten im Süden von Aquitanien.

Im darauffolgenden Jahr konnten sie zwar vor Toulouse zurückgeschlagen werden. Aber die Araber zogen sich nicht zurück, sondern plünderten entlang der Mittelmeerküste. Im Jahr 724 n. Christus stießen sie dann erneut bis tief ins Frankenreich vor.

Im August 725 n. Christus kam es zu Plünderungen in Burgund. Wieder ging die Stadt Autun in Flamen auf. Ein kleines Städtchen, dass bereits 200 Jahre zuvor für Attila den Hunnenkönig eine Wegmarke war.

Die Aquitanier waren militärisch überfordert und riefen Karl Martell zu Hilfe. Dieser eilte mit einem Verband aus fränkischen, friesischen, langobardischen und sächsischen Truppen herbei. Sie waren dennoch 3:4 unterlegen, als es im Oktober 732 zur Schlacht von Tours und Poitiers kam.

Man geht davon aus, dass etwa 15.000 Mann unter Karl Martell gegen 20.000 Mann unter Abd ar-Rahman siegten. Während auf fränkischer Seite wohl etwa 1.000 bis 2.000 Kämpfer fielen, belief sich der Blutzoll bei den Arabern auf etwa 5.000 Mann. Außerdem wurde der muslimische General getötet.

Darüber hinaus wurden angeblich erstmals schwere fränkische Reiter eingesetzt. Damit eignete sich die Schlacht von Tours und Poitiers natürlich ideal zur Verklärung der Person von Karl Martell. Selbstverständlich hatte er bereits zu Lebzeiten ein Interesse an der Betonung seiner Leistungen.

Seine Erhöhung zum Retter des Abendlandes hält einer differenzierten Sichtweise jedoch nicht wirklich stand. Es gelang eben nicht, die Araber vollkommen zurückzuwerfen. Überhaupt wollten die muslimischen Truppen vor allem Beute machen.

Darüber hinaus ging es den Arabern wohl auch darum, den räuberischen Franken ein Zeichen zu schicken, dass sie ihre Finger von den muslimischen Gebieten lassen sollen. Beide Ziele wurden erreicht und die taktische Niederlage im Oktober 732 war in der strategischen Situation nur ein nachrangiges Element.

Karl Martell – die einzige Macht im Staat

Aber nicht umsonst gilt Karl Martell auch als entscheidender Wendepunkt in der Genese der fränkischen Königsherrschaft. Obwohl sich bereits mit Pippin dem Mittleren das Gravitationszentrum der Macht entscheidend zu Karolingern geneigt hatte, benötigte dieser jedoch stets noch einen König als Marionette.

Genauso verfuhr zunächst auch Karl Martell. Er machte einen höchstens zehnjährigen Nachkommen aus der Königslinie im Jahr 721 n. Christus als Theuderich III. zum König der Franken. Nach der Krönung wurde der Junge aber erstmal in ein Kloster geschickt.

Ein Mann der sagen muss, „Ich bin der König“, ist kein richtiger König. 

Tywin Lannister (Serien-Charakter)

Dann verstarb der junge König bereits im Jahr 737 n. Christus. Karl Martell verzichtete im Anschluss jedoch darauf, dessen kleinen Sohn zum König zu erheben. Stattdessen ließ er sich von der fränkischen Reichsversammlung nun als „erwählter Hausmeier“ bestätigen.

Bis zum Tode von Karl Martell im Jahr 741 n. Christus blieb der fränkische Königsthron vakant. Weitere zwei Jahre später wurde ein letztes Mal einem Nachkommen der ursprünglichen Königslinie die Krone auf das Haupt gesetzt.

Doch Karl Martell hatte nach fast 300 Jahren den Beweis erbracht, dass das fränkische Reich nicht mehr auf die alten Könige angewiesen war.